In der Musikgesellschaft hatte ich jahrelang Flügelhorn gespielt. «Ist das so etwas wie ein Waldhorn?», wurde ich manchmal gefragt. Geduldig erklärte ich, dass es sich um eine Trompete mit vergrössertem Becher handelt, der Ton wird dadurch etwas weicher. Wenn man heute auf Musik zu sprechen kommt, erlebe ich hingegen häufig, dass sich jemand mir zuwendet und mit einem wissenden Lächeln und erhobenem Zeigefinger zu mir sagt: «Du spielst ja… diesen Flügel… ich meine, du spielst doch Flügelhorn!» Früher konnte ich anerkennend nicken. Heute muss ich sagen: «Nein, ich spiele Trompete.»

Mein Flügelhorn ist mir zu wertvoll, um es mit an die Auftritte mit der Guggenmusik Sumpfer-Stilzli zu nehmen, in der ich jetzt spiele. Damals, als ich es erworben hatte, verglich es der Verkäufer mit einem Auto: «Das ist der Mercedes unter den Flügelhörnern.» Ein Autoverkäufer hätte vielleicht noch angefügt: «Edel verarbeitet, ein satter Ton, ideal für eine gemütliche Fahrt am Sonntagnachmittag.»

Aber zu einer Guggenmusik passt der leicht aggressive Trompeten-Ton besser. Also habe ich mir ein Occasion-Instrument gekauft, das seine besten Tage schon hinter sich hat, aber noch ganz passabel tönt. In der Probe präsentierte ich stolz meine Errungenschaft, bis mein Blick auf die Trompete meines Nachbarn Yannick fiel. Er hat sein Instrument mit LED-Lichtern umwickelt. Ein Knopfdruck genügt, und seine Trompete leuchtet und blinkt in allen Farben. Sofort war mir klar: Das musste ich auch haben. Keine 24 Stunden später stand ich im Jumbo und suchte mir eine batteriebetriebene Lichterkette.

Wäre meine Trompete ein Auto, dann vielleicht ein alter VW Golf, der etwas röhrt und röchelt. Er hat schon ein paar Beulen, weil sein früherer Besitzer beim Einparken manchmal den Abstand zur Garagenwand falsch eingeschätzt hat. Aber der Golf bringt noch ordentlich Power auf die Strasse. Mit ihm würde ich am Sonntagnachmittag hinter dem Mercedes herfahren, und ich würde die Hände verwerfen, weil der Mercedes vor mir nur 60 auf der 80er-Strecke fährt. Dann würde ich die Unterbodenbeleuchtung einschalten und am Mercedes vorbeidüsen. 

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