Online Start-up
Zwei junge Strick-Fans bringen Generationen zusammen

Mit der Firma Tricotion wollen Aline Bonifay und Marius Mettler Generationen verbinden. So können beispielsweise ältere Semester auf der Plattform ihre Strickwaren an ihre jungen Kunden bringen. Wichtig ist dabei die persönliche Note.

Andrea Weibel
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Aline Bonifay und Marius Mettler mit den ersten zwölf Mützen ihrer neuen Start-Up-Firma Tricotion.

Aline Bonifay und Marius Mettler mit den ersten zwölf Mützen ihrer neuen Start-Up-Firma Tricotion.

Andrea Weibel

«Als Kind ist man enttäuscht von den Socken, die man von Oma bekommt», fasst der in Zürich wohnhafte Marius Mettler (26) zusammen. «Bei den Erwachsenen sind genau dies die begehrtesten Geschenke.» Doch nicht jeder hat eine Grossmutter, die ihm Schals, Mützen und Socken strickt. Und nicht jede Strickerin hat Menschen, die sich über ihre Handarbeiten freuen.

Genau an dieser Stelle wollen Marius Mettler und Aline Bonifay (18) mit ihrer jungen Firma Tricotion anknüpfen. «Wir wollen den Strickerinnen eine Plattform bieten, auf der ihre Waren für ein breites Publikum erreichbar werden. Und wir wollen Mützenträgern eine soziale Alternative zur Stangenware bieten», hält die ehemalige Maturandin der Kanti Wohlen fest, die in Dottikon aufgewachsen ist und heute an der Pädagogischen Hochschule Zürich studiert.

Austausch der Generationen

Dabei soll aber nicht nur die Arbeit, sondern auch der Austausch zwischen den Generationen im Zentrum stehen. So setzt sich der Name Tricotion zusammen aus tricoter, dem französischen Wort für stricken, und Generation. «Die Käufer bekommen keine Mütze von der Stange, sondern ein Unikat, und darüber hinaus eine Geschichte zu jedem Stück», ist Mettler begeistert.

«Auf der Website www.tricotion.com kann man direkt nachlesen, wer die Mütze gefertigt hat. Ausserdem soll beschrieben werden, wann und wo sie entstanden ist, zum Beispiel im Zug, zu Hause bei einem Fernsehkrimi, neben dem Kinderbett der Enkel und so weiter.»

All das ist bereits auf der am Montag ganz neu aufgeschalteten Website ersichtlich. Doch die beiden Firmengründer wollen noch mehr. «Wir möchten einen echten Austausch zwischen Strickerinnen und Käufern erzielen. Denn wir wissen, dass sich gerade ältere Menschen im Altersheim oft von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen», sagt Bonifay. «Darum sollen Mützenträger auch die Möglichkeit haben, sich bei den Strickerinnen persönlich zu melden, wenn sie Lust dazu haben.»

Kaffeekränzchen

Die Mützen sind alle zu 100 Prozent aus natürlichen Materialien gefertigt, «nur die Bommel sind momentan noch synthetisch». Die Wolle finanzieren die beiden Firmengründer ihren Strickerinnen vor. «Aber uns und auch den Strickerinnen ist klar, dass wir sie nicht umfänglich für ihre Arbeit entlöhnen können», so Mettler. «Stattdessen möchten wir ihnen neben einem kleinen Lohn Erlebnisse anbieten.»

Er denkt an Kaffeekränzchen, die den Austausch fördern. «Falls sie Lust dazu haben, würden wir auch Themen wie soziale Medien oder Ähnliches erläutern.» So soll aus dem Hobby der einen und den Kleidungsstücken der anderen ein echter Mehrwert für alle werden. Um nicht saisonal abhängig zu sein, soll das Sortiment eventuell auf Schals oder gar Jacken und Pullover ausgedehnt werden. «Erst starten wir nun aber mit zwölf Mützen und schauen, wie sie bei den Onlinekunden ankommen.»

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