Bremgarten

Zwischen Tüll, Diadem und Schleier – hier werden Prinzessinnenträume wahr

Im neuen Bremgarter Atelier 115 Brautkleider dürfen Träume in Weiss anprobiert werden – einfach, weil’s schön ist. Auf die Idee kam das Mutter-Tochter-Gespann durch Lenherrs jüngere Schwester. Seit August haben sie den Raum eingerichtet und mit grossen Umkleidekabinen bestückt.

Weiss und lang hängen sie dort, mit Strass bestickt oder mit Stoffblumen geschmückt, aus Seide oder Tüll – Träume in Weiss. Hier darf jede Frau einmal Braut sein, ein Cüpli trinken und sich von ihren Freundinnen im Hochzeitskleid mit Diadem und Schleier bewundern lassen. «Es ist so ein unglaubliches Gefühl, in ein Brautkleid zu steigen», schwärmt Carole Lenherr, die 2012 geheiratet hat.

Ihre Mutter Daniela Brogli, deren Brautkleid 1986 noch damals modische Puffärmel hatte, schwärmt genau gleich. «Dieses Gefühl wollen wir allen Frauen ermöglichen, auch solchen, deren Hochzeit vielleicht schon lange zurückliegt oder die wenig Aussichten haben, ihren Traumprinzen zum Heiraten zu finden», erklärt Lenherr. Darum kann man die unterdessen gut 160 Kleider in ihrem Lokal weder mieten noch kaufen. «Bei uns kann man nur anprobieren und sich wie eine Prinzessin fühlen», sagt Daniela Brogli und strahlt.

115 nigelnagelneue Brautkleider auf einmal

Auf die Idee kam das Mutter-Tochter-Gespann durch Lenherrs jüngere Schwester. «Wir schauten wieder einmal die Sendung ‹zwischen Tüll und Tränen›», erinnert sich Brogli lachend. Dann fügt sie ernst hinzu: «Meine zweite Tochter hat eine psychische Beeinträchtigung und wenig Hoffnung, bald ihren Mann zum Heiraten zu finden. Aber sie fand, sie wolle auch einmal ein Hochzeitskleid tragen.»

Dieser Gedanke blieb bei Lenherr hängen. «Ich dachte an das wunderbare Gefühl bei meiner Hochzeit zurück. Ich verstand meine Schwester sehr gut. Dann dachte ich an all die anderen Frauen, die sich wünschen, einmal in ein Brautkleid schlüpfen zu dürfen.» Das erzählte sie ihrer Mutter, und ihr «Herzensprojekt», wie sie es nennen, war geboren.

Wie genau sie ihre Idee umsetzen sollten, wussten die beiden noch nicht. «Aber dann fiel uns alles vor die Füsse, als würde jemand sagen: ‹Hier hast du, mach etwas draus›», erzählt Lenherr. Als Erstes stiessen sie auf Facebook über die Nachricht, dass in Einsiedeln ein Brautgeschäft Totalausverkauf habe. Brogli erinnert sich: «Uns wurden auf einmal 115 nigelnagelneue Brautkleider relativ günstig angeboten. Da konnte ich nicht nein sagen.» In Erinnerung daran heisst der Laden nun auch 115 Brautkleider.

Auch Rollstühle sind kein Hinderungsgrund

«Die Kleider brachten wir zu mir nach Hause. Natürlich mussten wir sie gleich anprobieren», berichtet Brogli lachend. «Es war wunderbar, mit meinen beiden Töchtern in all die wunderschönen Kleider schlüpfen zu können und durchs Wohnzimmer zu stolzieren.» Seither kamen verschiedene ältere Brautkleider aus Brautgeschäften hinzu, die sie günstig ankaufen konnten. «Freundinnen und Bekannte fanden die Idee so toll, dass sie uns zum Teil ihre Schleier oder sogar ihr ganzes Brautkleid schenkten», fügt Lenherr glücklich hinzu.

Während der Coronazeit fiel ihnen ein weiteres Angebot vor die Füsse, das sie nicht ablehnen konnten. «Wir fanden diesen Raum an der Wohlerstrasse 15 in Bremgarten. Er ist gross und rollstuhlgängig. Das ist uns sehr wichtig, denn wir möchten wirklich allen dieses Erlebnis ermöglichen», so Brogli. Seit August haben sie den Raum eingerichtet und mit grossen Umkleidekabinen bestückt. Die Kleider hängen in Reih und Glied und warten auf die Frauen, die für einmal Prinzessin sein möchten.

Männer verstehen das nicht – Frauen schon

«Wann immer wir von unserem Laden erzählen, müssen wir erklären, dass man bei uns nichts kaufen muss, aber auch nichts kaufen kann. Wir sehen es als eine Art Event. Man kann Mutter und Freundinnen mitbringen und nach Herzenslust Brautkleider anprobieren», beschreibt Brogli. Ihre Tochter fügt hinzu: «In Brautmodegeschäften darf man das ja nicht. Dort muss man meistens ebenfalls bezahlen, um die Kleider anprobieren zu dürfen. Denn dort wollen sie ja Kleider verkaufen, Spassberatungen sind überhaupt nicht gern gesehen. Diese Nische wollen wir nun ausfüllen.»

Erste Besucherin bereits in Aussicht

Die meisten Männer, denen sie von ihrer Idee erzählt haben, verstanden zumindest anfangs überhaupt nicht, wieso man dafür bezahlen sollte, einmal ein Brautkleid tragen zu dürfen. «Aber sobald wir es Frauen erzählen, beginnen sie, von ihrer eigenen Hochzeit zu schwärmen. Es sind so viele schöne Geschichten, die wir gehört haben», erzählt Lenherr.

Ihre erste Besucherin hat 115 Brautkleider bereits in Aussicht, eine junge Frau mit Downsyndrom. «Sie hat den Gutschein von einem Freund erhalten und konnte ihr Glück kaum fassen», freut sich Lenherr. «Um solche Freude zu schenken, gehen wir auch Organisationen an, die sich vielleicht vorstellen könnten, gerade Frauen mit Beeinträchtigung einen solchen Glücksmoment zu ermöglichen», so Brogli.

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