Laufenburg

2017 gibt es die ersten Bilder aus der Tiefe

Mit Vibrations-Fahrzeugen wurde die Tiefe der Gesteinsschichten am Bözberg gemessen. Sandra Ardizzone/Archiv

Mit Vibrations-Fahrzeugen wurde die Tiefe der Gesteinsschichten am Bözberg gemessen. Sandra Ardizzone/Archiv

An der Regionalkonferenz Jura Ost waren die geplanten Nagra-Bohrungen das grosse Thema. Es liegt nun ein Zeitplan vor.

Der Zeitplan für die Sondierbohrungen für ein mögliches Atommülllager am Bözberg steht:

Ende August oder Anfang September dieses Jahres will die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) die entsprechenden Gesuche beim Bundesamt für Energie (BFE) einreichen.

Dies gab Philip Birkhäuser, Ressortleiter Zusammenarbeit der Nagra, an der 17. Regionalkonferenz Jura Ost am Donnerstag in Laufenburg bekannt. Gleichzeitig will die Nagra auch im Gebiet Zürich Nordost Sondiergesuche einreichen.

Gemeinde will sich wehren

Pro Standortgebiet seien drei bis fünf Bohrungen nötig, «aber wir werden sieben bis acht Sondiergesuche einreichen, um flexibel auf die Resultate der laufenden Untersuchungen reagieren zu können», sagte Birkhäuser.

Nach Möglichkeit sollen die Gesuche für die Bohrplätze zusammen eingereicht werden. Die Ausführung der Sondierbohrungen in Tiefen von zwischen 600 und 1200 Metern am Bözberg ist ab 2019 geplant.

Bekannt sind derzeit nur zwei Bohrplätze. «Wir sind schon sehr weit, aber den allerletzten Bohrplatz haben wir noch nicht fixiert», sagte Birkhäuser in der gut besuchten Versammlung in der Stadthalle. Birkhäuser weiter: «Sobald wir die Bohrplätze haben, wird die Bevölkerung informiert.»

Allerdings: Die Gemeinde Bözberg will Beschwerde gegen die Probebohrungen einreichen. Dazu sagte Pascale Künzi, Fachspezialistin Regionale Partizipation vom Bundesamt für Energie, dass es nach Bekanntwerden der geplanten Bohrplätze in den betroffenen Gemeinden Seminare geben werde.

Nicht vom Tisch ist für die Nagra das Gebiet Nördlich Lägern, das erst im April noch als «Sonderfall» eingestuft wurde. Dort sollen 3D-Seismik-Messungen, wie sie am Bözberg bereits erfolgt sind, durchgeführt werden.

Über diese Messungen liegen noch keine Daten vor. Laut Marian Hertrich, Projektleiter Geophysik der Nagra, sind die ersten Ergebnisse und somit die ersten Bilder vom Untergrund des Bözbergs Mitte 2017 zu erwarten.

Hunderte Kilometer vermessen

Im Winter war ein aus 120 Personen bestehender Messtrupp am Bözberg auf einer Fläche von 110 Quadratkilometern unterwegs.

Über 98 Prozent der Grundstückseigentümer hätten der Befahrung durch ein Vibrationsfahrzeug zugestimmt, berichtete Marian Hertrich.

Mit seismischen Messmethoden wird der geologische Untergrund mittels künstlich angeregter Schwingungen abgebildet.

An der zweieinhalb stündigen Versammlung informierten Thomas Frei und Oliver Genoni, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, über die Rolle des Kantons Aargau im laufenden Standortverfahren.

Ausserdem gab Erich Müller, Mitglied der Arbeitsgruppe Sicherheit Kantone, einen Einblick in die Erosion im Gebiet Jura Ost.

Müller schloss dabei aus der Vergangenheit vor einer Million von Jahren auf die Zukunft, räumte jedoch grosse Unwägbarkeiten ein.

Mindestabstand wird geprüft

Die Vertreter der von einem möglichen atomaren Endlager im Bözberg betroffenen Region nahmen den Antrag von Gerhard Wyttenbach, den Mindestabstand eines Tiefenlagers zu Siedlungen von einem Kilometer zu prüfen, an.

Anmerkung von Pascale Künzi (BFE): «Die Diskussion darüber hat bereits in den Fachgruppen stattgefunden.» Abgelehnt wurde der Antrag von Sandra Fehlmann, die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission an eine Regionalkonferenz einzuladen.

Noch eine Personalie: Olivier Moser ist aus der Regionalkonferenz ausgetreten. Um seinen Sitz in der Fachgruppe Oberflächenanlagen hat sich René Probst, Vertreter der Gemeinde Villigen, beworben. Die Versammlung wählte ihn in dieses Amt.

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