Raserprozess

59 km/h zu schnell: Aargauer Autohändler wollte nur BMW eines Kunden ausprobieren

Auf der Industriestrasse im Innerortsbereich von Möhlin wurde der Raser mit einem BMW M3 (Symbolbild) geblitzt.

Auf der Industriestrasse im Innerortsbereich von Möhlin wurde der Raser mit einem BMW M3 (Symbolbild) geblitzt.

Ein 51-Jähriger raste mit fast 120 km/h durch Möhlin – vom Bezirksgericht Rheinfelden kassiert er dafür 16 Monate bedingt.

Ein lauer Frühlingsabend, das schnelle BMW-Cabriolet und eine lange Gerade. Autohändler Federico Pisani (Name geändert) konnte nicht widerstehen, er drückte das Gaspedal durch. Mit fatalen Folgen.

«Ich weiss, dass ich Mist gebaut habe. Dazu stehe ich», sagte der 51-Jährige am Mittwoch vor dem Rheinfelder Bezirksgericht.

Mit 119 km/h war er am 25. April 2016, kurz nach 20 Uhr, auf der Industriestrasse in Möhlin geblitzt worden – im Innerortsbereich notabene. Der Radarkasten der Regionalpolizei Unteres Fricktal stand beim Fussgängerstreifen auf Höhe der Ausfahrt der Schul- und Sportanlage Steinli.

Angeklagter zeigt sich reuig

Angeklagt war Pisani der besonders krassen Missachtung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit, ein Raserdelikt. Schon bei der polizeilichen Einvernahme hatte der Schweizer den Sachverhalt vollumfänglich anerkannt und sofort ein Geständnis abgelegt. Seinen Fahrausweis ist er bis im Mai 2018 los. Der BMW, Typ M3, gehört einem von Pisanis Kunden, weshalb ihn die Staatsanwaltschaft nicht eingezogen hat.

Vor Gericht wiederholte der Autohändler sein Geständnis. Eine Erklärung, wieso es ihn an jenem Abend gepackt und er Gas gegeben hatte, konnte Pisani allerdings nicht abgeben. Er zeigte sich reuig. Und als ihn Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab zu seinen Personalien befragte, beteuerte er, wie sehr ihn die Konsequenzen gerade in seinem Beruf träfen. «Das Geschäft leidet, weil ich nicht mobil bin», so Pisani. Ausführungen, die Lützelschwab mit der Bemerkung unterbrach, ihn vorerst bremsen zu müssen.

Pisanis Anwalt stellte sich in der Folge auf den Standpunkt, sein Mandant habe «einfach das Auto ausprobieren» wollen, an einer «übersichtlichen Stelle und ohne jemanden zu gefährden». Seit Jahrzehnten führt Pisani einen Autohandel. Er sei während all dieser Zeit «praktisch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen», betonte sein Anwalt. Auch der Beschuldigte sagte: «Ich habe so etwas sonst noch nie gemacht.»

3000 Franken Busse

Nach einer knapp halbstündigen Verhandlung zog sich das Richtergremium zur Beratung zurück. Es verurteilte Pisani schliesslich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von 3000 Franken.

Ausserdem hat Pisani die Verfahrenskosten und Anklagegebühr zu tragen. Gerichtspräsidentin Lützelschwab warnte in ihrem Urteilsspruch eindringlich vor den Gefahren des Rasens. Das Argument des Anwalts, sein Mandant habe niemanden gefährden wollen, liess sie nicht gelten: «Ein Restrisiko bleibt immer – auch auf einer Strecke, auf der abends vermeintlich niemand unterwegs ist.»

Porsche-Raserin mit Strafe unzufrieden

Porsche-Raserin aus Schöftland AG mit Strafe unzufrieden

Eine Frau, die mit über 120 km/h zwei Autos überholte, wird fast gleich bestraft, wie der Raser, der mit 200 km/h durch den Gotthard-Tunnel fuhr. Unfair?

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

Meistgesehen

Artboard 1