Rheinfelden

5G-Gegner erklären die angeblichen Gefahren und präsentieren ihre Lösungsansätze

Referent Marcel Hofmann und Sandra Mäder von der IG informierten in Rheinfelden zum Thema 5G. Bild: Horatio Gollin

Referent Marcel Hofmann und Sandra Mäder von der IG informierten in Rheinfelden zum Thema 5G. Bild: Horatio Gollin

An einem Infoanlass der «IG Rheinfelden-5G» referierte Elektroingenieur Marcel Hofmann über die möglichen Gefahren der Technologie.

Das Thema 5G ist allgegenwärtig. Baugesuche für entsprechende Mobilfunkanlagen stossen vielerorts auf Widerstand, in mehreren Gemeinden wurden ausserdem Petitionen für ein 5G-Moratorium lanciert. Etwa in Rheinfelden, Kaiseraugst und Hellikon. Am Donnerstagabend nun referierte Marcel Hofmann, diplomierter Elektroingenieur aus Utzigen BE, in der Rheinfelder Kurbrunnenanlage über ungeklärte Fragen zur Wirkung von elektromagnetischer Strahlung und mögliche Risiken beim Ausbau des 5G-Mobilfunkstandards.

Eine Mikrowelle erwärmt das Essen, indem sie die Wassermoleküle darin in Schwingung versetzt. Auch beim Telefonieren mit dem Smartphone erwärme sich der Kopf, stellte Hofmann anhand von Wärmebildaufnahmen dar. Das Wasser in den Zellen absorbiere die Strahlungsenergie. Kinder seien besonders gefährdet, führte der 5G-Gegner aus. Dies da die Schädelknochen noch nicht so dick seien und das Immunsystem noch nicht voll ausgebildet sei. «Wir sind nicht aufgewachsen mit einer solchen Strahlung», mahnte Hofmann, dass die Auswirkungen erst später eintreten würden. 

«Wir wollen wissen, wohin die Reise gehen soll»

Hofmann spricht über Grenzwerte, die Verlagerung von Hirntumoren und oxidativen Zellstress. Er verweist auf die thermische Wirkung der elektromagnetischen Strahlung. Eine biologische Wirkung der elektromagnetischen Strahlung will er nicht ausschliessen, auch wenn Staat, Industrie und Wissenschaft diese als nicht bewiesen erachten.

Zum Vortrag «Die 5. Generation des Mobilfunks – Was kommt auf uns zu?» hatte die Interessengemeinschaft «IG Rheinfelden-5G – für ein umweltverträgliches Mobilnetz» eingeladen. Knapp hundert Interessierte waren dafür in die Kurbrunnenanlage gekommen. «Die IG ist keine politische Organisation, und heute Abend ist keine Wahl-, sondern eine Infoveranstaltung», eröffnete Sandra Mäder von der IG den Abend. «Auch wir geniessen die Vorteile der digitalen Welt, sind aber besorgt über die schnelle und unkoordinierte Einführung der 5G-Technologie. Wir sind nicht gegen diesen Fortschritt, wollen aber wissen, wohin die Reise gehen soll, auf die wir ahnungslos von den Mobilfunkgesellschaften geschickt werden.» Die IG wurde erst im Juli gegründet und zählt mittlerweile rund 40 Mitglieder. Sie hat eine Petition an den Stadtrat für ein Moratorium beim Antennenausbau lanciert (die AZ berichtete).

5G könne viel möglich machen: Unter anderem schnelleres Streamen von hochauflösenden Filmen und Industrie 4.0, zählte Hofmann auf. Aber er kritisierte gleichzeitig Politik und Wirtschaft, den Ausbau «alternativlos voranzutreiben». Hofmann führte aus, dass in der ersten Ausbauphase Lücken in den bislang genutzten Mobilfunkfrequenzen geschlossen werden. Das grosse Problem mit der neuen Generation des Mobilfunks sah Hofmann vor allem in der Nutzung eines zusätzlichen Frequenzbereichs zwischen 28 000 MHz und 86 000 MHz, der in der zweiten Ausbauphase kommen soll. Mit 5G werden auch Millimeterwellen erschlossen, die kaum mehr eine Wand durchdringen und auch auf der Haut schon absorbiert werden. Einerseits eine gute Nachricht, meinte Hofmann, andererseits funktioniert das Netz dann nur mit einem massiven Antennenausbau, bei dem alle 100 bis 150 Meter eine Antenne gesetzt wird.

Weisse Zonen für elektrosensible Menschen schaffen

Hofmann machte sich stark für eine Selbstbestimmung im Bereich Mobilfunk, etwa durch eine Netzstärke, die eine Indoor-Outdoor-Trennung ermöglicht. Oder dafür, weisse Zonen für elektrosensible Menschen zu schaffen, wo diese ohne Strahlenbelastung leben können. Marianne Zellweger aus Rheinfelden schilderte ihr Schicksal als Betroffene von Elektrosensibilität. Jahrelang litt sie unter ungeklärten Schlafstörungen, Gedächtnisproblemen, Tinnitus und sogar Blackouts, bis sie das auf die Strahlung der WLAN-Netze zurückführte. Erholsamen Schlaf fand sie erst unter einem sie abschirmenden Baldachin.

Christine Koller von der IG verlas eine Stellungnahme einer weiteren Betroffenen aus Rheinfelden: Die Empfindlichkeit auf hochfrequente Felder bedeute ein Leben am Rande der Strahlungszonen, abseits von Ballungszentren, Menschenansammlungen, öffentlichen Gebäuden und dem öffentlichen Nahverkehr.

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