Gefährliche Keime

AKW Leibstadt: Trotz Chemie-Einsatz wieder mehr Bakterien im Kühlwasser

Das Atomkraftwerk Leibstadt (Archiv)

Das Atomkraftwerk Leibstadt (Archiv)

Trotz der umstrittenen chemischen Reinigung im Juni ist die Zahl der gefährlichen Legionellen-Keime im Kühlwasser des AKW Leibstadt (KKL) wieder gestiegen. Die Desinfektion mit Javelwasser soll deshalb regelmässig wiederholt werden.

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Die Konzentration von Legionellen-Keimen habe sich in den vergangenen Wochen wieder erhöht, teilte das AKW Leibstadt mit. Die AKW-Betreiberin will deshalb wie bereits früher angekündigt das Kühlwasser regelmässig mit Javelwasser desinfizieren. Ein entsprechender Antrag an das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) war am 20. Oktober eingereicht worden.
Der Einsatz von Javelwasser ist gemäss KKL eine anerkannte Methode. Auf diese Weise würden Keime und Bakterien auch in anderen Industrieanlagen mit Kühlsystemen oder in Schwimmbädern bekämpft.

Für den Rhein und die Gesundheit des Menschen stelle dies keine Gefahr dar, teilt das KKL weiter mit und verweist auf einen unabhängigen Bericht der BMG Engineering, der am Montag veröffentlicht wurde.

«Keine Gefahr für Mensch und Natur»

BMG kommt zum Schluss, dass die umstrittene Desinfektion im Juni dieses Jahres unter «kontrollierten Bedingungen erfolgt ist» und während der Behandlung des Kühlwassers «keine Chemikalien in den Rhein gelangten». Nach der Behandlung seien die aktiven Biozide in ökologisch unbedenkliche Stoffe umgewandelt und während einer Woche in den Rhein abgegeben worden.

Die Risikoabschätzung für den Rhein hat laut dem 80-seitigen Bericht gezeigt, dass «keine Gefährdung für Wasserlebewesen vorlag» und selbst beim langfristigen Konsum von nicht aufbereitetem Rheinwasser «keine Gefährdung für die menschliche Gesundheit bestanden hätte».

Insgesamt wurden 16 Tonnen Desinfektionsmittel behandelt und dosiert in den Rhein geleitet. Das AKW Leibstadt bezieht sein Kühlwasser aus dem Rhein.

Kritik aus Deutschland und Basel

Die Reinigungsaktion im Juni hatte heftige Proteste ausgelöst. Deutsche Behördenstellen kritisierten vor allem die verspätete Information durch die Schweiz. Denn rund eine Woche nach der Desinfizierung im AKW Leibstadt hatte die Schadstoffwelle im Rhein das Bundesland Nordrhein-Westfalen erreicht.

Kritik hagelte es auch aus Basel: Die Basler Regierung kritisierte das ENSI wegen der mangelnden Information. Es sei «inakzeptabel», dass die Behörden in Basel und weiter rheinabwärts nicht früher über die geplante Ableitung informiert worden seien, hielt die Regierung in einer Antwort auf eine Interpellation aus dem Grossen Rat fest.

Der Bericht zum Überwachungsprogramm empfiehlt nun, die Abläufe und Verantwortlichkeiten festzulegen – insbesondere bei der Kommunikation. (pi)

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