Laufenburg

«Alles, was unsere Altstadt belebt, ist positiv»

Roland Lenzin und Dora Freiermuth erstellten das Konzept für die Aktion «Freie Fenster Laufenburg».zvg

Roland Lenzin und Dora Freiermuth erstellten das Konzept für die Aktion «Freie Fenster Laufenburg».zvg

18 Jurapark-Gemeinden bespielen im Sommer die Schaufenster in Laufenburg – und setzen so die Aktion «Freie Fenster Laufenburg» fort.

Es ist eine sympathische Aktion, die der Jurapark Aargau in diesem Jahr erstmals lanciert. Während gut vier Wochen können sich die Mitgliedsgemeinden ab Mitte August in einem Schaufenster in Laufenburg präsentieren. Am Jurapark-Fest im September, das in diesem Jahr ebenfalls in Laufenburg stattfindet, kürt dann eine Jury das schönste Fenster, und die Siegergemeinde wird mit dem Gemeinde-Award ausgezeichnet.

Coole Idee, sagt auch eine Mehrheit der Jurapark-Gemeinden dazu; von den 28 Gemeinden machen 18 mit. Was sie im Schaufenster zeigen, ist ganz ihnen überlassen. Geschichte, Kultur, Brauchtum, Vereinswesen – alles ist möglich. Die einzige Vorgabe lautet: «Das Schaufenster gibt den Rahmen vor», so Markus Schmid, stellvertretender Geschäftsleiter des Juraparks Aargau (die AZ berichtete).

Der Jurapark nimmt damit eine Idee auf, die vor gut drei Jahren in Laufenburg entwickelt wurde. Hier sahen sich Stadt und «Forum Altstadt» mit der Situation konfrontiert, dass immer mehr Schaufenster leer stehen. Nicht wenige dieser architektonischen Zeugen einer geschäftigen Vergangenheit bieten inzwischen ein recht trostloses Bild. Dem wollte das Forum entgegenwirken und die Schaufenster neu beleben. Schliesslich sind sie eine Art Visitenkarte für das Tourismusstädtchen Laufenburg.

71 Schaufenster in der Altstadt

Im Auftrag des «Forum Altstadt» arbeiteten Dora Freiermuth und Roland Lenzin ein Konzept aus, das dann in einem Projektteam verfeinert und umgesetzt wurde. Dazu wurden auch sämtliche Schaufenster in der Altstadt dokumentiert – es sind deren 71 – und ein geeignetes Rayon für das Pilotprojekt gesucht. Die Wahl fiel auf die Fischergasse mit ihren elf Schaufenstern.

Das Projektteam fragte die Hausbesitzer an, ob sie ihre Schaufenster zur Verfügung stellen. Alle sagten zu – und dies erst noch honorarlos. «Daraufhin schrieben wir Künstler aus der Region an, denn wir wollten das Projekt regional verankern», blickt Dora Freiermuth, welche die künstlerische Leitung innehatte, zurück. «Alle waren sofort Feuer und Flamme für die Idee.» Als Thema gab man den Künstlern «Schaufenster» vor, «und wir waren erstaunt, wie unterschiedlich dieses Thema interpretiert und umgesetzt wurde».

Einen Monat lang bespielten die Künstler die Schaufenster. Neben der Vernissage, die im Rahmen der Kulturnacht 2017 stattfand, bildete der Anlass «Musik in der Gasse» den zweiten Event. «Uns war wichtig, dass wir neben der Vernissage nochmals eine Gelegenheit bieten, um zusammenzukommen», so Lenzin. Denn das verbindende Moment ist für ihn ein integraler Bestandteil der Projektidee.

«Das Pilotprojekt war ein Erfolg», ist sich Freiermuth sicher, und sie freut es, dass die Idee weitergeführt wird, künftig unter der Schirmherrschaft von Tourist Info Laufenburg. Hier ist das Projekt ihrer Ansicht nach «in besten Händen» und auch inhaltlich richtig angesiedelt, «denn es soll nicht primär ein kunstorientiertes Projekt sein, sondern verschiedenartigen Inhalten Raum geben», so Freiermuth.

Alle ein bis zwei Jahre

Künftig soll die Aktion «Freie Fenster Laufenburg» alle ein bis zwei Jahre durchgeführt werden. Den Besuchern und Besucherinnen des Städtchens sollen dabei jeweils für vier bis acht Wochen interessante Einblicke – man kann auch sagen Einsichten – geboten werden. «Mögliche Themen gibt es viele», sind Lenzin und Freiermuth überzeugt. Sie könnten sich zum Beispiel auch Themen wie «Holz» oder «die Farbe Rot» vorstellen. Dies wäre auch eine spannende Herausforderung für Schulen.

Die Fenster müssen dabei nicht immer von Künstlern gestaltet werden. «Es können auch die Altstadtbewohner selbst die Gestaltung übernehmen», so Freiermuth. Für wichtig erachtet sie jedoch, dass die Ausstellung kuratiert wird. So könne ein gemeinsamer Standard definiert werden.

Dass die Aktion Laufenburg guttut, steht für die beiden ausser Frage. «Alles, was unsere Altstadt belebt, ist positiv», finden sie und verweisen auf den eben erschienenen Projektbericht zu den «Freien Fenstern Laufenburg», der nicht weniger als 25 positive Wirkungen für die Stadt ausweist. Die Aufwertung der Gebäude gehört ebenso dazu wie die Stärkung der Identifikation der Bewohner mit der Stadt, die Erschliessung neuer Zielgruppen, die Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Stadt oder die Unterstützung des sanften Tourismus.

«Die Aktion ist auch eine Art Outdoor-Museum», sagt Lenzin. Menschen, die sonst vielleicht kaum je in ein Museum gehen, biete die Aktion die Möglichkeit, sich mit Kunst, Kultur und Brauchtum der Region auseinanderzusetzen. «Man wird beim Flanieren von Inhalten begleitet, die man sonst nie sehen würde», ergänzt Freiermuth. Für sie ist die Aktion deshalb auch «eine niederschwellige Möglichkeit, Raum zu beleben und Kunst zu erleben».

Dass die Aktion in diesem Jahr durch den Jurapark Aargau fortgesetzt und in Form eines Gemeinde-Awards umgesetzt wird, freut Lenzin und Freiermuth. «Eine gute Idee», finden sie. Bereits bei der Lancierung der «Freien Fenster Laufenburg» 2017 war klar, dass der Jurapark Aargau – er war auch der Hauptsponsor der damaligen Aktion – die Idee zwei Jahre später aufgreifen und weiterspinnen würde. Den Gemeinden im Jurapark bietet der Anlass die Gelegenheit, sich zu präsentieren und zu profilieren, der Stadt Laufenburg bringt es zusätzliche Besucher. Eine Win-win-Situation also, ist Freiermuth überzeugt.

Konzept vermarkten

Die Aktion soll nicht auf Laufenburg beschränkt bleiben. Freiermuth und Lenzin bieten ihr Konzept auch anderen Städten an. Man werde in einem ersten Schritt alle Aargauer Altstädte anschreiben und ihnen die Projektdokumentation zustellen. Je nach Resonanz ist auch vorstellbar, das Konzept schweizweit zu vermarkten.

Demnach darf mit Spannung erwartet werden, welche Wellen das anfangs kleine Pilotprojekt in der Fischergasse noch schlagen wird.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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