Kaisten

Anstelle der Steuerfusserhöhung soll die Gemeinde auf die Apéros verzichten

Franziska Winter, Gemeindeammann von Kaisten und Christoph Grenacher, Einwohner von Kaisten

Franziska Winter, Gemeindeammann von Kaisten und Christoph Grenacher, Einwohner von Kaisten

Der Gemeinderat will den Steuerfuss um sechs Prozent erhöhen. Das ärgert Christoph Grenacher. Er fordert zum Sparen auf – und auf den Verzicht des Apéros nach der Gemeindeversammlung.

Kaisten hat ein Problem: «Die finanzielle Lage in Kaisten ist angespannt», erklärte Gemeindeammann Franziska Winter vor Wochenfrist im az-Interview. «Die laufenden Erträge decken zwar knapp die laufenden Aufwendungen, die Selbstfinanzierung ist jedoch zu schwach.»

Um künftig genügend Mittel für Investitionen zu haben, will der Gemeinderat den Steuerfuss um 6 auf 111 Prozentpunkte erhöhen. Das kommt nicht ganz überraschend; bereits vor einem Jahr sagte Winter an der Gmeind, eine Steuerfusserhöhung oder eine Verminderung des Aufwands seien unumgänglich.

Dass der Gemeinderat nun den «vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft», wie es in der Botschaft zur Gemeindeversammlung heisst, mit einer Steuerfusserhöhung begegnen will, ärgert Christoph Grenacher gewaltig. «Es gibt zwei Optionen: mehr Geld in die Kasse.

Oder weniger Geld aus der Kasse nehmen», schreibt der Kommunikationsprofi in einem Leserbrief. Mehr Geld in die Kasse sei natürlich einfacher. «Easy für alle: Man kann sich fast alles leisten, muss fast nie Nein sagen – als Frau Gemeindeammann, als Gemeinderat eckst du damit nicht an. Wir haben Geld. Wir sind Könige.»

Nein zu sagen, so glaubt Grenacher zu wissen, mögen Behördenvertreter dagegen weniger bis gar nicht. Weil derlei Entscheide «Haltung erfordern», sagt Grenacher in seiner bekannt bissig-schnörkellosen Art.

Man setze daher lieber auf Option 1: «Mehr Geld in die Kasse – damit klaglos alles bezahlt werden kann, was auf dem Wunschzettel steht.» Grenacher gefällt die zweite Option besser. «Prioritäten setzen, verzichten, weniger ausgeben, auch wenns dafür etwas mehr Ärger gibt.»

Und Grenacher wäre nicht Grenacher, wenn er nicht gleich einen konkreten Sparvorschlag mitliefern würde – oder besser: ein Sparvorschläglein. «Der Gemeinderat könnte mit gutem Beispiel vorangehen und den angekündigten offerierten Apéro nach der Gemeindeversammlung kippen», findet Grenacher.

«Nicht nur, damit symbolisch etwas klitzeklein mehr Steuergeld in der Kasse bleibt. Sondern dass die Beizen im Dorf nach der Gmeind auch etwas mehr verdienen. Und dafür etwas mehr Steuern zahlen.»

Winter wehrt sich gegen Kritik

Diese Pauschalkritik lässt Gemeindeammann Franziska Winter nicht gelten. «Bei der Budgetierung wurde die Möglichkeit einer Aufwandsenkung bei allen Positionen geprüft», sagt sie. «Ziel war eine zehnprozentige Senkung des direkt beeinflussbaren Aufwandes.» Dies sei bei den Positionen auch gelungen, nur: «Es ist jedoch eine Tatsache, dass die gebundenen Ausgaben, die von uns als Gemeinde nicht direkt beeinflusst werden können, den grössten Teil des Budgets ausmacht.»

Als Beispiel nennt Winter den Bildungsbereich, in dem die Besoldungsanteile des Kantons an den Kanton über 80 Prozent des Budgets für Kindergarten und Primarschule ausmachen.

Aufwand für Apéro reduziert

Von Grenachers Basal-Spar-Idee, den Apéro sausen zu lassen, hält Winter wenig. Der Apéro werde von den Stimmberechtigten geschätzt, sagt sie. «Er dient dem Austausch untereinander, aber auch mit dem Gemeinderat.

Deshalb möchten wir grundsätzlich daran festhalten.» Allerdings, so kann sie Grenacher beruhigen, habe man auch hier den Rotstift angesetzt. «Diese Aufwandoption wurde im Zuge der Budgetberatung ebenfalls reduziert.»

Winter ist sich bewusst, dass die Einwohner an der angekündigten Steuerfusserhöhung von 105 auf 111 Prozentpunkte wenig Freude haben. «Mit dem gegenwärtigen Steuerfuss können wir jedoch kaum die laufenden Kosten decken, geschweige denn, die nötigen Infrastrukturinvestitionen finanzieren», sagt sie.

Eine Erhöhung um 6 Prozentpunkte bringt der Gemeinde Mehreinnahmen von rund 300 000 Franken und «ist für einen mittelfristig stabilen Finanzhaushalt unabdingbar».

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