Möhlin

Areal hinter dem Bahnhof: Die Grünen und der Bauernverband warnen vor Mega-Einzonung

Für 480000 Franken soll eine Testplanung zeigen, wie das Areal entwickelt werden kann.

Für 480000 Franken soll eine Testplanung zeigen, wie das Areal entwickelt werden kann.

Die Grünen sind gegen eine Testplanung und wollen einen Rückweisungsantrag stellen. Rückendeckung bekommen sie von den Bauern.

Das Geschäft polarisiert: Am 3. September stimmt der Souverän in Rheinfelden und Möhlin je über einen Kredit für die Testplanung eines 12,5 Hektaren grossen Areals ab. Mit diesem In­strument wollen die beiden Gemeinden sowie die Schweizer Salinen – alle drei sind am Areal beteiligt – klären, wie das Gebiet hinter dem Bahnhof Möhlin in den nächsten 25 bis 30 Jahren entwickelt werden könnte.

Pikant dabei: Mit einem Teil des Areals haben sich die beiden Gemeinden als Standort der neuen Kantonsschule im Fricktal beworben. Diese soll 2028 in Betrieb gehen.

Und eben: Das Geschäft polarisiert. Während der Tenor der bisherigen Stellungnahmen der Parteien mehrheitlich positiv war im Sinne von: «Lasst uns abklären, was möglich ist und was Sinn macht» (die AZ berichtete), kommt nun harsche Kritik von den Grünen – und dem Bauernverband Aargau.

Der Bauernverband warnt vor einer schnellen Überbauung und leerstehenden Wohnungen. Er verweist auf den Leerwohnungsbestand, der sich im Aargau in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt habe. Auch der Bezirk Rheinfelden bilde da keine Ausnahme.

Die bauliche Entwicklung geht damit schneller voran als die Bevölkerungsentwicklung», so Geschäftsführer Ralf Bucher. Vor diesem ­Hintergrund warnt der Bauernverband vor einer «unnötigen Mega-Einzonung» und weist daraufhin, dass rund die Hälfte des Areals derzeit «bestes Ackerland» sei. Gerade die Coronakrise habe die Bedeutung der Ernährungssicherheit gezeigt, so Bucher weiter. Diese werde mit einer solchen Einzonung weiter geschwächt.

Der Verband ist dabei nicht generell gegen eine Testplanung. Nur der Zeitpunkt erscheint ihm falsch. «Wer jetzt eine Testplanung macht, forciert die Einzonung des Gebiets und damit die Überbauung und den damit verbundenen Verlust des höchst produktiven Möhliner und Rheinfelder Ackerbodens.»

«Nur Mittelschule» in die Testplanung aufnehmen

Auch für die Grünen Möhlin und Rheinfelden zeigt der steigende Leerwohnungsbestand, dass derzeit vielerorts Landreserven, die für die Nahrungsmittelproduktion erhalten werden sollten, «unumkehrbar überbaut werden», wie die beiden Ortsparteien in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben.

Mit der geplanten Überbauung des Gebiets Leigrube stehe der Gemeinde Möhlin in den kommenden Jahren ein weiteres Bevölkerungswachstum bevor, und auch im Bata-Areal gebe es noch eingezontes Bauland. «Die Grünen lehnen deshalb eine Entwicklung des Gebietes für die Ansiedelung von 1400 bis 2000 Personen ab, auch wenn diese erst in fünf bis zehn Jahren ­beginnen soll.»

Die Grünen ­beeilen sich, zu betonen, dass dies kein Nein zu einer Mittelschule auf diesem Areal sei. Sollte der Kanton das Areal für geeignet halten, würden auch die Grünen zustimmen. «Deshalb unterstützen die Grünen – für den Fall, dass eine Rückweisung abgelehnt wird – den Antrag der SP, dass in der Testplanung auch eine Variante ‹Nur Mittelschule› geprüft werden soll.»

Die beantragte Rückweisung begründen die Grünen damit, dass für den Meinungsbildungsprozess «für einen solch gewichtigen Entscheid» – nicht zuletzt wegen Covid-19 – nicht genügend Zeit eingeräumt wurde. Es seien in der Bevölkerung noch viele Fragen offen.

SVP und FDP sind für die Testplanung

Anders tönt es bei den Bürgerlichen. Die SVP Möhlin stimmt der Testplanung «nach intensiver Diskussion» zu, wie die Partei in einer Mitteilung schreibt. Aus Sicht der Partei würde sich zum einen eine Mittelschule auf dem Gemeindegebiet «als erheblichen Vorteil für die Gemeinde» erweisen.

Zum anderen habe die Gemeinde ein grosses Interesse daran, mitzubestimmen, was an ihrer Gemeindegrenze durch die Stadt Rheinfelden gebaut werde. Die SVP Möhlin begrüsst deshalb die Testplanung als eine saubere Entscheidungsgrundlage. Der Kredit – insgesamt kostet die Testplanung 480'000 Franken – werde zudem von drei Parteien getragen. An der Finanzierung beteiligen sich neben den beiden Gemeinden auch die Schweizer Salinen.

Die FDP Möhlin spricht von einer gemeinsamen, vorausschauenden Planung. «Durch die Testplanung sollen Entwicklungsmöglichkeiten in den kommenden Jahrzehnten aufgezeigt und dabei angestrebt werden, die heute bestehende Industriezone in ein gemischt genutztes Wohn- und Arbeitsplatzquartier zu überführen», hält die Partei in einer Mitteilung fest.

Und, ja, auch die FDP Möhlin begrüsst das Bestreben der Gemeinden Möhlin und Rheinfelden, als Standort für die künftige Kantonsschule Fricktal gewählt zu werden. «Dass für den Grossen Rat ein sinnvolles Gesamtkonzept zur künftigen Entwicklung des Areals ein wichtiges Argument bei der Standortwahl sein dürfte, versteht sich von selbst», hält die Ortspartei fest.

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