Frick

Asylunterkunft im A3-Werkhof schliesst im Frühling ihre Türen

Die Asylunterkunft im ehemaligen A3-Werkhof in Frick wird von Mitarbeitern der ORS Service AG betreut.  (Bild: Severin Bigler)

Die Asylunterkunft im ehemaligen A3-Werkhof in Frick wird von Mitarbeitern der ORS Service AG betreut. (Bild: Severin Bigler)

Der Betrieb läuft seit der Eröffnung 2017 ohne grössere Zwischenfälle – aktuell leben 122 Personen in der Unterkunft. Im März soll sie geschlossen und die Bewohner im Kanton verteilt werden.

Es bleibt dabei: Die kantonale Asylunterkunft im ehemaligen A3-Werkhof in Frick wird Ende März 2020 wie geplant nach dreijährigem Betrieb geschlossen. Dies bestätigt das zuständige Departement auf Anfrage der AZ. Ein Gesuch bei der Gemeinde, die Unterkunft länger zu betreiben, wird es somit nicht geben.

Die Bewohner werden nach der Schliessung auf andere Unterkünfte für Einzelpersonen im ganzen Kantonsgebiet verteilt. «Welche das sein werden, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht definiert werden und ist abhängig vom Platzangebot im Februar respektive März 2020», sagt Pia Maria Brugger Kalfidis, Leiterin der Unterabteilung Asyl beim Kantonalen Sozialdienst.

Aktuell leben 122 Personen in der Unterkunft. Dies entspricht einer leicht unterdurchschnittlichen Auslastung, wie eine Auswertung der Belegungszahlen mit Stichtag 30. respektive 31. eines Monats zeigt. Danach leben seit Mai 2017 zwischen 120 und 150 Personen in der Unterkunft. Im Schnitt waren es rund 135.

Bei den meisten – aktuell 79 – handelt es sich um Personen im laufenden Asylverfahren (Status N). 20 haben den Status F, sind also vorläufig aufgenommen, und bei 23 Personen handelt es sich um Ausreisepflichtige. Insgesamt lebten Ende August 964 Asylsuchende mit Ausweis N im Aargau; 731 in kantonalen und 233 in kommunalen Unterkünften.

Mit dem Betrieb der Asylunterkunft in Frick ist der Kanton zufrieden. Der Betrieb laufe seit der Eröffnung sehr gut, sagt Brugger. Die Unterbringungsform wie auch das Betreuungsmodell hätten sich bewährt. Durch die eingesetzte Begleitgruppe sei der Informationsaustausch mit allen Partnern immer gewährleistet gewesen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Blaulichtorganisationen sei «eng, sehr kooperativ und vertrauensvoll» gewesen.

Dies bestätigt Gemeindeammann Daniel Suter. Sowohl der Betreiberfirma ORS als auch den zuständigen kantonalen Behörden sei eine gute Kooperation mit der Gemeinde wichtig. «Die Anliegen der Gemeinde wurden jederzeit sehr ernst genommen.»

Kanton blick auf «sehr ruhigen Betrieb» zurück

Suter zieht ebenfalls eine positive Bilanz. Die Lage der Unterkunft habe sich als ideal erwiesen, sagt er und verweist auf die Einkaufsmöglichkeiten sowie die Postautohaltestelle in unmittelbarer Nähe. «Damit befindet sich die Unterkunft zwar mitten in Frick, aber dennoch nicht in der Nähe sensibler Anlagen wie zum Beispiel bei einem Schulareal.»

Probleme mit der Unterkunft gab es selten. «Grundsätzlich blicken wir auf einen sehr ruhigen Betrieb zurück», so Brugger. Vereinzelte Probleme und Streitigkeiten gebe es beim Betrieb einer Asylunterkunft dieser Grösse immer. «Glücklicherweise handelte es sich dabei vor allem um Bagatellfälle.»

Dementsprechend wenig Rückmeldungen aus der Bevölkerung gibt es heute noch. «Je länger die Unterkunft in Betrieb war, je weniger Rückmeldungen sind bei der Gemeinde und beim Kantonalen Sozialdienst eingegangen», sagt Brugger. Wie überall habe sich auch in Frick nach der Eröffnung der Unterkunft die Bevölkerung rasch an die neue Situation gewöhnt.

«Erfreulich war die hervorragende Unterstützung durch Freiwillige», lobt Brugger. Die Bewohner hätten so von zahlreichen Angeboten profitieren können. Für Suter zeigt das grosse Engagement der freiwilligen Helfer, dass die Unterkunft von der Fricker Bevölkerung mitgetragen wurde.

Bleibt eine Frage: Was passiert mit dem ehemaligen Werkhof, der dem Kanton gehört, nach dem Auszug der Asylunterkunft? Ursprünglich war angedacht, das Areal als Lagerstätte für das kantonale Katastrophen Einsatzelement (Stichwort: Beaver-Schläuche) zu nutzen.

Gemeinderat wünscht sich eine gewerbliche Nutzung

Dagegen sprachen sich der Fricker Gemeinderat und der Planungsverband Fricktal Regio früh und pointiert aus – und Suter bleibt dabei. Das Material des Einsatzelementes müsse an einem zentral gelegenen und gut zugänglichen Standort eingelagert werden, räumt er ein. «Das Areal des ehemaligen Werkhofs an dieser hervorragenden Lage ist jedoch zu wertvoll, um für ein solches Lager eingesetzt zu werden», ist der FDP-Grossrat überzeugt.

Suter wünscht sich für das Areal «eine Nutzung mit hoher Wertschöpfung, etwa als Produktions- oder Forschungsstandort». Man würde sich, so der Gemeindeammann, «über ein Gewerbe mit vielen Arbeitsplätzen» freuen.

Laut Claudia Penta, Leiterin Kommunikation im Departement Finanzen und Ressourcen, das für die kantonalen Immobilien zuständig ist, ist die weitere Nutzung noch offen. Grundsätzlich sei der Werkhof Frick als Standort für das kantonale Katastrophen Einsatzelement nach wie vor denkbar. «Die entsprechenden Planungen wurden jedoch sistiert.» Es werde derzeit geprüft, ob das Einsatzelement seinen Hauptstandort auf dem Zeughausareal in Aarau behalten könne.

Auf den Wunsch der Gemeinde nach einer gewerblichen Nutzung angesprochen, meint Penta: «Die Gemeinde ist Planungsbehörde. Sie nimmt nach Möglichkeit Rücksicht auf die Bedürfnisse der jeweiligen Grundeigentümer.» Da der Kanton auch öffentliche Aufgaben zu erfüllen habe, müsse die weiterführende Nutzung mit dem Gemeinderat besprochen werden.

Einen Verkauf des ehemaligen Werkhofs beabsichtigt der Kanton «zurzeit» nicht. Eine allfällige Veräusserung könne erst nach Klärung der Fragen ins Auge gefasst werden, so Penta.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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