Elfingen

Auf dem Rütihof sind die Geissen los

Familie Wüthrich hat mit ihren Ziegenprodukten Erfolg. An der Spezialitätenmesse Authentica in Windisch werden sie ihre Produkte vorstellen. Vor allem bei älteren Leuten braucht es etwas mehr Überzeugungsarbeit, bis sie sich auf die Geissen Produkte einlassen.

Laura ist frech. Die Saanen-Ziege ist ein Gwunderfitz und inspiziert die Besucher auf dem Rütihof in Elfingen auf das Genaueste. Etwas an der Jacke knabbern, dann über die Kameralinse der Fotografin schlabbern und die Journalistin mit dem Kopf anstupsen. Fast etwas peinlich ist es Karin Wüthrich, dass sich ihre Ziege so untadelig benimmt. Immer wieder sagt sie: «Laura, haus jetzt!» Doch die lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Während Lauras Geissen-Gspänli das leckere Gras auf der Wiese geniessen – neidisch beobachtet von den Kühen im Stall –, muss Laura unbedingt dabei sein, wenn sich die Bauernfamilie Wüthrich fürs Foto bereit stellt.

Bei der Familie Wüthrich auf dem Bauernhof Rütihof in Elfingen

Bei der Familie Wüthrich auf dem Bauernhof Rütihof in Elfingen



Laura ist eine der 23 Saanen-Geissen der Familie Wüthrich vom Rütihof. Die Ziegen, die an Schwänli und Bärli aus der Heidi-Geschichte erinnern, liefern die Milch für die Produkte, die die Bauernfamilie selber herstellt. Sie Sie produziert direkt auf dem Hof Frischkäse. Auf einer anderen Wiese sind die 22 Buren-Ziegen zu finden. Die braun-weissen Tiere unterscheiden sich nicht nur in der Grösse und dem Aussehen von ihren weissen Kollegen, sondern auch bezüglich Verwendung. Die Buren-Geissen liefern das Weiden-Gitzi-Fleisch.

Die Herde wuchs rasch heran

Vor zehn Jahren entschieden sich Karin und Thomas Wüthrich für die Ziegenhaltung. Vier Buren-Ziegen kauften sie damals. Ein Jahr später kamen drei Saanen-Geissen dazu. Die Herde wuchs rasch auf über 20 Tiere heran. Mit der Umstellung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 kamen noch weitere Saanen-Ziegen dazu. Denn: «Ein Teil des Stalls war auf der Seite einen Zentimeter zu wenig breit, um darin weiterhin Kühe zu halten», erzählt Thomas Wüthrich. 12 Kühe weniger hat er seither im Stall. «Ziegen haben mich schon immer fasziniert», sagt Thomas Wüthrich. «Sie sind nicht 08/15, sind etwas Exotisches.»

Mit der Geburt der beiden Söhne Leo und Mario entschloss sich Mutter Karin, nicht mehr auswärts arbeiten zu gehen. «Ich hatte folglich Zeit, mich um weitere Ziegen zu kümmern», sagt sie. Mittlerweile bieten die Wüthrichs ihre Geissenprodukte erfolgreich an. Restaurants und Läden sind Abnehmer. Sogar sechs Coop-Filialen, unter anderem jene in Frick oder jene im Seebli-Center in Lupfig, kann Karin Wüthrich beliefern. «Coop hat uns von sich aus angefragt, ob wir Produkte liefern können», erzählt sie stolz.

Kämpfen gegen Vorurteile

Auch auf den Wochenmärkten in Brugg und in Baden ist die Familie anzutreffen. Zudem wird Karin Wüthrich an der Spezialitätenmesse Authentica im Kloster Königsfelden vor Ort sein mit den Geissenprodukten. «Wir erhoffen uns damit mehr Aufmerksamkeit», sagt Karin Wüthrich. «Wir möchten die Produkte einem grösseren Publikum bekannt machen.» Mit Degustationen wolle man den Vorurteilen gegenüber Geissen-Produkten entgegen halten. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass diese «böckele». «Vor allem bei älteren Menschen braucht es etwas Überzeugungsarbeit, bis sie merken, dass es gar nicht so schlimm ist», sagt Thomas Wüthrich. «Junge probieren gerne mal etwas Unbekanntes.»

So erfolgreich die Familie mit ihren Geissenprodukten ist – es gibt manchmal auch böse Überraschungen im Stall. Die letzten Monate waren besonders schlimm: die Hälfte der neugeborenen Ziegen ist gestorben. Die heimtückische Glangger-Krankheit hat die Buren-Gitzi dahingerafft. Die Kleinen bei den Saanen-Ziegen hat die Familie durchgebracht. «In diesen Zeiten geht man am Morgen nicht mehr gerne in den Stall», schildert Thomas Wüthrich. «Da weiss man nie, welch böse Überraschung auf einen wartet.» Trotzdem: Die Familie bereut nicht, dass sie vor zehn Jahren begonnen hat, auf Ziegenprodukte zu setzen.

Authentica Spezialitätenmesse im Kloster Königsfelden: Donnerstag, 21. April bis Samstag, 23. April von 10 bis 19 Uhr und Sonntag, 24. April von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 8 Franken.

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