Fricktal

Auge in Auge — Schweizumrunder Roland Gröflin über tierische Begegnungen und purzelnde Pfunde

Bald geschafft: Roland Gröflin am Dienstag auf der Etappe zum Simplon Pass.

Bald geschafft: Roland Gröflin am Dienstag auf der Etappe zum Simplon Pass.

Die tierischen Begegnungen auf den meist einsamen Touren gehören für den Rheinfelder zu den Highlights. Gröflin will am letzten Ruhetag Kräfte für die zweite Halbzeit tanken.

Auge in Auge. Auf 3200 Metern. Schweizumrunder Roland Gröflin hatte auf der Etappe von Saas Fee nach Zwischbergen am Montag den höchsten Punkt erreicht, als er plötzlich vor ihm stand. Der Steinbock. «Wir erschraken beide und blieben einen Moment wie angewurzelt stehen», sagt Gröflin. Dann zogen beide von dannen. Gröflin in Richtung Tagesziel, der Steinbock in unbekannte Richtung.

Diese Momente, wenn es auf den meist einsamen Touren zu einer tierischen Begegnung kommt, mit einem Steinbock oder eine Schar Gämse, gehören für den Rheinfelder zu den Highlights seiner Tour. Neben der Natur. Seinem Team. Seiner gewaltigen Leistung.

Die Etappe am Montag war mit rund 80 Leistungskilometern nicht nur eine der «Big 6» seiner 61 Etappen, sondern auch jene, die ihn an den höchsten Punkt seiner Tour entlang der Schweizer Grenze führte. Auf 3268 Meter. Es sei in dieser Höhe bereits recht kühl, erzählt er. 6 bis 8 Grad Celsius. «Da laufe ich dann schon mit Kappe und Handschuhen.»

Mit gebührender Vorsicht unterwegs

Auch Schnee liegt auf dieser Höhe. Am Montag war Gröflin froh darum, denn der recht steile Abstieg führte über eine Steinwüste. Daneben ein Schneefeld. «Ich konnte wählen, ob ich auf den Steinen laufe und so kaum vorwärtskomme, oder das Schneefeld nehme.»

Er nahm das Schneefeld und slidete auf ihm in Richtung Tal. Mit gebührender Vorsicht und in Erinnerung an den Sturz vor gut einer Woche. Diesen hat Gröflin gut weggesteckt. «Ich spüre den Sturz zwar noch, aber ich konnte die Tour zum Glück wie geplant fortsetzen.» Und: «Es ist bislang bei diesem einen Sturz geblieben.» Dabei soll es auch weiterhin bleiben.

Am Montagnachmittag, als Gröflin mit der AZ telefoniert, ist er mit seinem Staff – neben seiner Frau begleitet ihn Mosh Mangha als Betreuer – unterwegs. Die beiden sind ihm entgegengekommen, und gemeinsam laufen sie Richtung Tagesziel in Zwischenbergen.

Wenn der Camper zu lang ist

Für einmal erwartet Gröflin hier nicht der Camper – er ist mit acht Metern so lang, dass er nur schwer an den Zielort hätte manövriert werden können. Deshalb übernachten Gröflin und sein Team in einem Hotel. «Gezwungenermassen», wie er schmunzelnd hinzufügt. Denn das Campen haben er und sein Team, alles Camping-Neulinge, nach anfänglichen Schwierigkeiten nun im Blut. «Es macht Spass, auch wenn wir nicht sehr viel davon haben.» Denn länger als eine Nacht bleiben die drei jeweils nicht an einem Ort.

Mit einer Ausnahme: Nach der Etappe am Mittwoch vom Simplon Pass nach Binn – eine weitere Big-6-Etappe mit mehr als 70 Leistungskilometern – schaltet Gröflin im Binntal den zweiten und letzten Ruhetag auf seiner zweimonatigen Tour rund um die Schweiz ein. Am Tag darauf, am Freitag, folgt dann bereits die nächste Big-6-Etappe von Binn nach Bosco/Gurin.

Den Ruhetag will Gröflin vor allem für eines nutzen: um auszuruhen und Kräfte für die zweite Tour-Halbzeit zu tanken. Vor den schweren Etappen «habe ich jeweils einen gesunden Respekt», sagt der 56-Jährige. «Der bisherige Verlauf der Tour gibt mir aber ein gutes Gefühl.»

Gewichtsverlust von einem halben Kilo pro Woche

Aufpassen muss er, wie jeder Extremsportler, auf sein Gewicht. Es sei nicht leicht, die tagsüber verbrauchten Kalorien am Abend wieder zu decken, sagt er. Besonders nach einer langen Etappe, wenn er erst gegen 17 Uhr im Ziel eintrifft, fällt es ihm schwer, zweimal innert kurzer Zeit zu essen. Zumal es bei Gröflins im Camper bereits gegen 21 Uhr heisst: Zapfenstreich.

Erstmals ist Gröflin nun unter 70 Kilogramm gerutscht. Ein Grund zur Beunruhigung? Gröflin winkt ab. «Wir haben einen Gewichtsverlust von einem halben Kilogramm pro Woche einkalkuliert.» Bislang habe er diesen Wert nie ausgereizt, das Gewicht sei relativ stabil.

Auf ein stabiles Hoch hofft Gröflin auch für den zweiten Teil seiner Tour. Wettertechnisch und konditionell.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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