Rheinfelden

Autofahrer ist doch nicht schuld an Unfall: Obergericht spricht Beschuldigten frei

Der Unfall ereignete sich im März 2015 in Rheinfelden. (Symbolbild)

Der Unfall ereignete sich im März 2015 in Rheinfelden. (Symbolbild)

Im Zweifel für den Angeklagten: Das Aargauer Obergericht sprach einen Beschuldigten von den Vorwürfen der fahrlässigen Körperverletzung und der groben Verletzung der Verkehrsregeln frei. Es kassierte damit ein Urteil des Bezirksgerichts Rheinfelden.

Der Mann aus dem deutschen Rümmingen bei Lörrach soll am 5. März 2015 in Rheinfelden einen Verkehrsunfall verursacht haben. Ein Gutachter hatte ihm die Schuld an der Kollision mit einem entgegenkommenden Auto gegeben, dessen Fahrer durch den Aufprall ein Halswirbeltrauma erlitt. Der Beschuldigte habe, in einer Kolonne wartend, sein Auto nach links gelenkt, um die Kolonne zu überholen. So sei es zum Zusammenstoss gekommen.

Das Bezirksgericht Rheinfelden folgte dem Gutachter und verurteilte den Deutschen am 20. Februar 2019 zu einer bedingten Geldstrafe in Höhe von 9000 Franken wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Mit diesem Urteil wollte der Mann nicht leben und zog das Urteil ans Obergericht in Aarau weiter. Sein Ziel: Freispruch. Befragt von Oberrichterin Franziska Plüss unterstrich der Beschuldigte: «Ich wollte hundertprozentig nicht überholen.» Gemäss seiner Sicht der Dinge ist er erst durch einen Aufprall der hinter ihm fahrenden Autos in den Gegenverkehr geschoben worden.

Der Vorfall muss den Beschuldigten schwer getroffen haben. Vor Gericht berichtete er davon, eigens die Stelle bei einer Spedition in Möhlin gekündigt zu haben, nach 23 Jahren Betriebszugehörigkeit. «Ich konnte es nicht aushalten, jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit die Unfallstelle zu passieren», sagte er.

Zu viel «wahrscheinlich» im Gutachten

Der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Claude Schnüriger, legte vor dem Obergericht dar, warum aus seiner Sicht das dem Urteil von 2019 zugrunde liegende Gutachten für eine strafrechtliche Verurteilung seines Mandanten nicht ausreichend ist. «Darin ist viel von ‹wahrscheinlich› und ‹möglich› die Rede.» Auch hätten sich Zeugen mit ihren Aussagen in Widersprüche verstrickt.

Nach einer viertelstündigen Beratung erteilte das Obergericht den erhofften Freispruch in allen Anklagepunkten. Letztlich habe auch das Gutachten nicht hinreichend klären können, wie es zu dem Zusammenstoss gekommen sei, so Plüss. (hcw)

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