Littering
Autoreifen, Bierfässer, Surfbretter – In den Rhein-Rechen zeigt sich, was Menschen im Fluss entsorgen

Seit letztem April sind 120 Freiwillige unterwegs und sammeln Abfall in Schweizer Gewässern. In einer zentralen Datenbank wird gespeichert, was wo gefunden wurde. Im Aargau sind sie nicht aktiv. Hier hätten sie aber auch einiges zu finden.

Marc Fischer
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Verpackungen, Scherben, Zigaretten: Oft werden Abfälle in Flüssen und Seen entsorgt – auch Energiedienst findet in den Rechen einiges an Unrat. Swiss Litter Report

Verpackungen, Scherben, Zigaretten: Oft werden Abfälle in Flüssen und Seen entsorgt – auch Energiedienst findet in den Rechen einiges an Unrat. Swiss Litter Report

Swiss Litter Report

Die Freiwilligen «Gewässerputzer» speisen über die «Marine Litter Watch App» in die zentrale Datenbank der Europäischen Umweltagentur ein, was sie wo gefunden haben. Nun haben sie im Swiss Litter Report erste Resultate publiziert: In den ersten neun Monaten der Aktion haben sie an 112 Standorten knapp 80'000 Abfallgegenstände eingesammelt, kategorisiert und entsorgt.

Jahreszeit lässt sich ablesen

Die Karten und Listen der Abfall-Sammler vom Swiss Litter Report zeigen, dass sie den Weg ins Fricktal nicht gefunden haben. Doch auch hier hätten sie wohl einiges zu tun. «Wir finden regelmässig Abfälle im Rechengut der Wasserkraftwerke», sagt Alexander Lennemann, Leiter Kommunikation bei der Energiedienst Holding AG. Da die Rechen an den Kraftwerken Abstände von 10 bis 15 Zentimetern aufweisen, bleiben kleinere Abfallgegenstände nicht im Rechen hängen.

Eine Statistik zu den Müllfunden im Rhein führt Energiedienst ebenso wenig wie der Kanton. Lennemann schätzt aber, dass der Anteil des Abfalls, der sich unter das natürliche Geschwemmsel wie Äste oder ganze Bäume mischt, in den letzten Jahren gleich geblieben ist.

Und auch wenn der Anteil des Mülls im Vergleich zum Geschwemmsel nur «im Promillebereich» liegt, ist die Liste der Gegenstände, die im Rechen hängen bleiben, dennoch lang. «Autoreifen, Biertischgarnituren, Surfbretter, Boote, Bierfässer, viele Bälle, Flaschen, aber auch gelegentlich Kadaver», zählt Lennemann auf – und ergänzt: «Auffallend ist, dass man anhand des gefunden Abfalls fast die Jahreszeit bestimmen kann. Im Frühjahr sind es Winterreifen und im Sommer Bälle, die wir vermehrt rausholen.» Energiedienst entsorge die Abfälle dann jeweils ordnungsgemäss.

Weiter rheinabwärts, in Basel, sind mehrere Abfallsammler des Swiss Litter Reports unterwegs – und sie finden einiges an Müll. An einem Tag im Juni etwa trug ein Sammler an einer Stelle beim Tinguely-Museum alleine über 1100 Glas- oder Keramikstücke, 336 Metall- und knapp 3000 Plastikgegenstände, wobei unter Letzteren auch die 2630 Zigarettenstummel verbucht sind. Auch grössere Müllgegenstände werden in Basel oft im Rhein entsorgt. An der letztjährigen «Ryybutzete» holten Taucher acht Tonnen Müll aus dem Fluss.

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Das fischten die Taucher an der «Ryybutzete» 2017 aus dem Rhein

 Ohne den Einsatz und die Freude der 150 Helfer wäre keine Ryybutzete durchführbar.
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 Funde wie diese zwei Velos und das Trottinett gehören bei den Ryybutzeten schon fast zum Standard.
 Die gefundenen Gegenstände werden an Land in grossen Abfallmulden gesammelt.
 Die Arbeit dauerte den ganzen Samstag. Sauber gefischt ist der Rhein dennoch noch lange nicht.
 Dieses Jahr machte die starke Strömung des Rheins den Tauchern das Leben schwer.
Ryybutzete
 Die Taucher des Basler Tauchclubs Wasserfrösche gehen gut ausgerüstet auf Schatzsuche.

Ohne den Einsatz und die Freude der 150 Helfer wäre keine Ryybutzete durchführbar.

Martin Töngi

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Doch nicht nur in grossen Flüssen wird Abfall entsorgt. Auch kleinere Bäche sind vor diesem Problem nicht gefeit. In Zeiningen etwa stehen seit Jahren Freiwillige im Einsatz, um an der Bachputzete «ihren» Bach sauber zu halten. Auch in Eiken oder Hornussen wurden schon ähnliche Anlässe durchgeführt.

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