Jeden Tag frequentieren Tausende Kunden die Einzelhandelsgeschäfte im Laufenpark in Laufenburg/Baden und sorgen dort für Millionenumsätze. Viele von ihnen kommen aus der Schweiz. Lange Staus am Grenzübergang sind zu Stosszeiten und besonders am Wochenende an der Tagesordnung. Nur einen Steinwurf östlich vom 2004 eröffneten Zollübergang präsentiert sich ein ganz anderes Bild.

Hier zerfällt und verrottet seit Jahren das ehemalige Sägewerk des Waldshuter Büromöbelherstellers Sedus. Seit 1997 steht es leer. Die Fenster sind eingeschlagen, Teile des Dachs eingefallen. Inzwischen hält das Landratsamt das zerfallende Gebäude für eine öffentliche Gefahr und hat die Eigentümer aufgefordert, unverzüglich Sicherungsmassnahmen zu ergreifen.

Eigentümer aus Baumarktbranche

Doch wer sind die Eigentümer? Das Areal befindet sich seit mindestens fünf Jahren im Eigentum einer Gesellschaft, an der die Betreiber von Obi-Märkten am Hochrhein, im Hegau und im Bodenseeraum beteiligt sind. Diese haben Bürgermeister Ulrich Krieger jetzt versprochen, ein Konzept vorzulegen, das einen Baumarkt an dieser Stelle vorsieht.

Im Laufenburger Grundbuch ist nach Auskunft der Stadtverwaltung die JeLau Projektentwicklungsgesellschaft eingetragen. Sie besteht aus fünf Personen: Ulrike und Ulrich Müller, Michael Schelle, Albert Gebhardt und Alexandra Ruch. Die Namen Schelle, Gebhardt und Ruch sind in der Baumarkt-Branche überregional bekannt.

Schelle und Gebhardt sind Geschäftsführer des 2008 eröffneten Obi-Markts in Waldshut-Tiengen. Die Familie Ruch betreibt seit 1976 im Hegau und am Bodensee Baumärkte unter Obi-Flagge, aber auch kleinere unter dem Namen des eigenen Unternehmens FX Ruch. Von keinem der drei waren Auskünfte zu ihren Plänen für das Laufenburger Areal zu erhalten.

Die Dampfsäge ist 2007 vom Ehepaar Müller über seine Firma Linea Gewerbebauten von Sedus erwoben worden. Im Hintergrund stand ein erwartetes Investment der Baumarkt-Kette Globus, die dort einen Baumarkt errichten sollte. Doch das Geschäft platzte noch im selben Jahr. Kurz danach holten die Müllers sich neue Partner ins Boot und veräusserten die Laufenburger Immobilie an die gemeinsame Gesellschaft.

Der Insolvenzverwalter ihrer inzwischen insolventen Firma Linea sagt: «Die Linea hat das Grundstück schon vor Jahren verkauft.» Der seit 2009 amtierende Laufenburger Bürgermeister Krieger erklärt: «Mein Ansprechpartner für Verhandlungen war von Beginn an die Firma JeLau.»

Ergänzung des Angebots

Ein Baumarkt auf dem Dampfsäge-Areal als Ergänzung zum Einkaufsangebot im Laufenpark – das ist das erklärte Ziel aller Kräfte im Laufenburger Rathaus. Der 2006 gegen viel Widerstand aus den Nachbarstädten Bad Säckingen und Waldshut-Tiengen durchgeboxte Bebauungsplan sieht dort eine Sondernutzung Baumarkt vor. Dessen Grösse ist allerdings auf 5300 Quadratmeter begrenzt. Die meisten modernen Baumärkte in der Region umfassen das Doppelte.

Die Eigentümer des Areals schlugen der Stadt deshalb immer wieder andere Nutzungen vor: mal Fachmärkte, mal ein Fast-Food-Restaurant. Dazu Krieger: «Wir haben zu jeder Zeit klar gemacht, dass wir einen Baumarkt wollen und an diesem unbedingt festhalten.» Die sture Haltung scheint nun Wirkung zu zeigen. Krieger über den neuesten Stand der Gespräche: «Wir haben vereinbart, dass JeLau ein tragfähiges Konzept erarbeitet und es uns vorstellt.» Noch aber, so Krieger, liege das Papier nicht vor.