Frick
Bedrohte Artenvielfalt: Ist das Fricktal bald zugebaut?

In Frick fand eine Diskussionsrunde zum Thema Artenvielfalt statt. Es wurde lebhaft über die zunehmende Bautätigkeit und den immer kleiner werdenden Lebensraum für Tiere und Pflanzen gesprochen.

Patricia Streib
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Aargauer Zeitung

Die Liste der anzupackenden Probleme ist lang, verantwortlich für eine intakte Natur und Landwirtschaft ist letztlich jeder Einzelne («die Natur fängt vor der eigenen Haustür an») und obwohl mehrere Zeiger bereits auf fünf vor zwölf stehen, wurde auch schon einiges erreicht. Dies waren die Hauptpfeiler und Fazite der gut besuchten donnerstäglichen Diskussionrunde in Frick zum Thema «Artenvielfalt am Ende: Ist das Fricktal bald zugebaut?»

Die katholische Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer-Bewegung Sektion Fricktal (KAB) und die Erwachsenenbildung Fricktal «Bildung Mobil» hatten gleich mehrere hochkarätige Fachleute aufgeboten: Meinrad Bärtschi, Abteilung Landschaft und Gewässer Gansingen, Hansueli Bühler, Präsident der Regionalplanung Fricktal, Grossrat und Gemeindeammann Stein, Peter Güntert, alt Grossrat und ehemaliger Gemeindeammann Mumpf sowie den Wiler Landwirt Stefan Zumsteg. Moderiert wurde der Anlass von Peter Bircher aus Wölflinswil.

Das Wachstum wird weitergehen

Zum Einstieg warteten die Referenten und der Moderator mit imposanten Zahlen und Fakten auf: Peter Bircher berichtete, dass die Schweiz europaweit am meisten «Einzelhaushalte» aufweise und dass die Anzahl der Insektenarten weltweit auf über 7 Millionen geschätzt werde (zum Vergleich: Wirbeltiere gibt es 48000). Dass neben der Region Baden das Fricktal in den letzten gut hundert Jahren einen enormen Bevölkerungszustrom und ein ungebremstes Wachstum, das noch weiter andauern werde, erfahren habe, wurde von Hansueli Bühler berichtet. Die Gründe lägen zum einen in der günstigen Lage zwischen Basel und Zürich sowie der attraktiven Verkehrsanbindung, zum anderen am Angebot von Industrieland und an Landpreisen, «die man noch bezahlen kann».

Verschwundene Tierarten

Der Gansinger Meinrad Bärtschi erklärte im Anschluss den Begriff Biodiversität. Diese beinhaltet im Gegensatz zur Artenvielfalt nicht nur die Anzahl der Pflanzen und Lebewesen, sondern ist zudem eine aussagekräftige Grösse im Bezug auf das gesamte Ökosystem (Lebensräume). «Im Moment», so Bärtschi, «halte der Schwund an Biodiversität» immer noch an und zusammen mit Peter Güntert liess er eine lange Liste der Tiere folgen, die bereits schon aus dem Fricktal verschwunden sind: Steinkauz, Wiedehopf, Laubfrosch, Hermelin und Wiesel – um nur einige zu nennen. In Bezug auf die Landwirtschaft kristallisierte sich heraus, dass die Landwirte durch die intensive Bewirtschaftung sowie den Einsatz von Pestiziden der Natur zwar schaden, sie aber auch durch den enormen Preisdruck oftmals fast dazu gezwungen werden.

In diesem Zusammenhang wurde auch von verschiedener Seite die Besorgnis laut, dass aufgrund von Zeitdruck und mangelnder Verfügbarkeit von temporären Arbeitskräften immer mehr Hochstammgürtel rund um die Gemeinden im Fricktal verschwinden könnten.

Ökologie im Siedlungsraum

Zur Lösung der Problematik im Siedlungsbereich wurde vor einiger Zeit ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) erstellt. Es sieht vor, «das Wachstum in die richtigen Bahnen zu lenken», erklärte Bühler. Ergänzend erklärte Bärtschi, dass Ökologie im Siedlungsraum durchaus möglich sei und es Arten gäbe, die sich gut ins Wachstum integrieren liessen. Nach Lösungen sehnten sich auch viele Fragende in der anschliessenden Diskussionsrunde. So sprach ein Teilnehmer das Phänomen an, dass einige Grossverteiler ihre Parkplätze nur in die Breite gebaut hätten, statt sie in der Höhe oder Tiefe anzulegen.

Ein anderer Gast gab seine Besorgnis über die Zukunft der Amphibien im Fricktal zum Ausdruck, und immer wieder wurden weitere bereits verschwundene oder vom Aussterben bedrohten Tiere und Pflanzen aufgezählt. Am Ende der Veranstaltung schloss Georges Spuhler vom KAB treffend mit dem Fazit, dass das Thema Artenvielfalt und Biodiversität äusserst komplex sei und es noch einiges zu tun gäbe.

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