Oberhof

Benkenstrasse wird von Motorradfahrern als Rennstrecke missbraucht – das nervt den Ammann

Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof, ist selber leidenschaftlicher Töfffahrer. Für Raser am Benken hat er kein Verständnis.

Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof, ist selber leidenschaftlicher Töfffahrer. Für Raser am Benken hat er kein Verständnis.

Manche Töfffahrer würden die beliebte Strecke in Oberhof bis zu zehn Mal rauf- und runterfahren und die Zeit stoppen, berichetet Ammann Roger Fricker.

Ein lautes Klacken verheisst nichts Gutes. Ein Motorradfahrer schaltet, etwas unsauber, einen Gang runter, dreht seinen Töff in den oberen Tourenbereich, schaltet, dreht ihn wieder hoch, schaltet erneut, dreht ihn nochmals hoch. «Der hat inzwischen garantiert deutlich mehr als die erlaubten 80 km/h drauf», sagt Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof und selbst leidenschaftlicher Töfffahrer. Oberhof liegt am Fuss des Benken, einer beliebten Töffstrecke.

Fricker schüttelt den Kopf. «Für solche Töfffahrer habe ich überhaupt kein Verständnis. Wer rennmässig fahren will, soll auf einen Rundkurs gehen.» Es sei absolut unverantwortlich, den Benken als Rennstrecke zu missbrauchen.

Fricker schaut zu seinem Motorrad, einem bärenstarken Tourer, fügt dann hinzu: «Oberhof liegt an einer schönen Panoramastrasse. Dass dies Töfffahrer anlockt, ist klar.» Damit haben er und die meisten Einwohner auch keine Probleme. «Aber bei Exzessen hört der Spass auf.» Fricker erzählt von Töfffahrern, die den Benken mit ihren Boliden bis zu zehnmal rauf- und runterjagen und dabei die Zeit stoppen.

Der Postautochauffeur und ehemalige SVP-Grossrat ist mit seiner Kritik nicht allein. In Oberhof, einem beschaulichen Dorf mit gut 600 Einwohnern, geben die Lärmemissionen der Töfffahrer immer wieder zu reden. «Sie waren auch schon Thema an der Gemeindeversammlung», sagt Fricker. In einem Sommer wie diesem, wo das Wetter den Töfffahrern in die Karten spielt, sei die Lärmbelastung «spürbar grösser». Ohnehin hat Fricker das Gefühl, dass der Motorradlärm in den letzten Jahren zugenommen hat.

Machen kann man gegen Fahrer, die zu stark am Gashebel drehen, wenig. Das einzige Mittel sind regelmässige Kontrollen. Am Benken führt die Kantonspolizei zum einen «normale» Kontrollen mit einem Radargerät durch. In diesem Jahr gab es laut Kapo-Mediensprecher Bernhard Graser bislang zehn solcher Kontrollen zwischen Küttigen und Wölflinswil. 68 Lenker waren zu schnell. Zum anderen setzt die Kantonspolizei am Benken gezielt auch ein Lasermessgerät ein. Bei dieser selektiven Messmethode geht es darum, Lenker zu erwischen, die massiv zu schnell unterwegs sind. Viermal stand die Kapo bislang in diesem Jahr mit dem Lasermessgerät an der Benkenstrasse. Sieben Fahrer wurden verzeigt – sechs davon waren mit dem Motorrad unterwegs. «Die gemessenen Geschwindigkeiten lagen zwischen 116 und 157 km/h», so Graser. Vier Lenkern wurde der Führerausweis auf der Stelle abgenommen.

«Die meisten fahren anständig»

Fricker schüttelt wieder den Kopf. «Das ist Wahnsinn und schadet all jenen Töfffahrern, die gesittet unterwegs sind.» Wichtig ist ihm, der sich selber als «gemütlich-zügigen Tourenfahrer» charakterisiert, dass man nicht alle Töfffahrer in den gleichen Topf wirft. «Die meisten fahren anständig und sind am Benken auch willkommen.» Dass dies einige Einwohner anders sehen, dass sie am liebsten ein generelles Töffverbot hätten, weiss er. «Eine solche Forderung geht zu weit. Ein gewisser Geräuschpegel gehört zum Leben. Was es da brauche, «ist ein gegenseitiges Aufeinander-Zugehen».

Fricker lacht. Wenn er mit dem Töff unterwegs sei und durch ein Dorf fahre, winke er den Leuten oft zu. «Fast alle winken zurück.»

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