Grossratswahlen

Bezirk Rheinfelden: Der Kampf um den zweiten FDP-Sitz ist parteiintern heiss

Der Kampf um den zweiten FDP-Sitz wird spannend. Gut im Rennen: Astrid Zeiner und Manuel Mauch.

Der Kampf um den zweiten FDP-Sitz wird spannend. Gut im Rennen: Astrid Zeiner und Manuel Mauch.

Derweil möchte die CVP ihren vor acht Jahren verlorenen Sitz zurück – und sagt sich: Warum nicht auf Kosten der Liberalen?

Die FDP hat den Abgang eines Schwergewichts zu verkraften: Franco Mazzi (60), Stadtammann von Rheinfelden, tritt nicht mehr zu den Wahlen an. Der Verzicht erfolge «im Rahmen einer mehrjährigen Personalplanung», liess die Partei Anfang Monat verlauten.

Bernhard Scholl (69) dagegen will es nochmals wissen – und der ruhige Schaffer und Grossratspräsident von 2018 wird es auch klar schaffen. Diesmal. Denn wie unberechenbar die Wahlen sein können, erlebte der Möhliner 2012. Als Bisheriger trat er damals an, wurde aber von Franco Mazzi überholt. Er verlor seinen Sitz, kehrte dann ein Jahr später nach dem Rücktritt von Hansueli Bühler nach Aarau zurück.

Der Kampf um den zweiten FDP-Sitz dagegen ist offen. Die Liste sei «breit gefächert», sagt Bezirksparteipräsident Manuel Mauch (41). Er selber geht als Nummer zwei ins Rennen und hat wie Astrid Zeiner (50) gute Chancen, in den Grossen Rat einzuziehen.

Immer vorausgesetzt, die FDP kann ihren zweiten Sitz behalten. Derzeit spricht zwar wenig dagegen – die Liberalen konnten ihren Wähleranteil bei den letzten beiden Grossratswahlen jeweils um gut ein Prozent erhöhen.

Doch die CVP will alles daransetzen, den vor acht Jahren an die GLP verlorenen Sitz zurückholen – auf welche Kosten ist Bezirksparteipräsident und Fraktionschef Alfons P. Kaufmann dabei egal. Seine Rechnung: Bei den Nationalratswahlen 2019 habe die CVP im Bezirk zugelegt. Gelinge dies nochmals im Umfang von eins bis zwei Prozenten, «kann es reichen». In der Pole-Position bei einem Sitzgewinn stehen Thomas Henzel (55) und Marion Pfister (45).

Die Ziele muss man bekanntlich hoch ansetzen. Dass es der CVP wirklich für den zweiten Sitz reicht, scheint derzeit nicht allzu wahrscheinlich. Die SVP dagegen wird ihre drei Sitze halten können und vermutlich mit der gleichen Mann- respektive Frauschaft wie bisher nach Aarau reisen. Keine Sorgen um eine Wiederwahl muss sich die politerfahrene Kathrin Hasler (64) machen, die viele Jahre auch Hellikon als Gemeindeammann führte.

Gesetzt ist auch Senkrechtstarterin Désirée Stutz (39), die seit 2017 im Grossen Rat sitzt und der grössten Fraktion bereits vorsteht. Andy Steinacher (57) rutschte im Herbst für Daniel Vulliamy nach. Er kann als Landwirt und Präsident der Aargauer Obstproduzenten auf die Bauern zählen. Sein einziges Handicap ist, dass er aus dem kleinen Schupfart kommt und damit eine kleinere Hausmacht hat als Jean Frey (68), seit zwei Jahren Gemeinderat in Kaiseraugst, der drittgrössten Gemeinde im Bezirk und Nummer vier auf der Liste.

Béa Bieber kann vom ­Bisherigen-Bonus profitieren

Erst wenige Wochen im Amt ist Béa Bie­ber (60). Die GLP-Frau aus Rheinfelden erbte im Mai den Sitz von Politdinosaurier Roland Agustoni, der mit 65 sagte: Jetzt ist Schluss. Der Wechsel noch innerhalb der laufenden Amtsperiode ist sicher klug gewählt, denn so kann Bieber mit einem Bisherigen-Bonus antreten. Bieber muss sich kaum Sorgen um ihre Wiederwahl machen – ausser die GLP bricht dramatisch ein. Denn Bieber ist in der Region gut verankert und war 20 Jahre Stadträtin in Rheinfelden.

Ein Einbruch der Grünliberalen ist nicht zu erwarten – auch wenn Agustoni natürlich über die Parteigrenzen hinaus Stimmen sammelte. Agustoni politisierte viele Jahre für die SP im Grossen Rat, bevor er 2010 mit einigem Getöse in die neugegründete GLP wechselte. Den zweiten Sitz konnten die Sozialdemokraten dennoch halten – und auch im Oktober dürften es klappen. Nach einem Einbruch 2012 kam die SP, die in Rheinfelden traditionell stark ist, 2016 wieder auf knapp 21 Prozent.

Keine Sorgen um die Wiederwahl machen muss sich Claudia Rohrer (53), Co-Präsidentin der SP-Fraktion. Sie hat in Aarau Format bewiesen. Werner Erni (56) sitzt zwar erst seit gut einem Jahr im Parlament – er rutschte für Peter Koller nach – doch hat er mit Möhlin eine grosse Hausmacht im Rücken. Seine schärfste parteiinterne Konkurrentin ist Carole Binder-Meury (50) aus Magden, die im letzten Jahr einen frischen Nationalratswahlkampf hingelegt hat.

Stetig abwärts ging es in Sachen Wähleranteil in den letzten acht Jahren bei den Grünen. 2009 holte die Partei 12,91 Prozent. 2012 waren es noch 9,18 und 2016 gar nur noch 6,79 Prozent. Muss also Andreas Fischer (43) um seinen Sitz bangen? Wenn die Partei weiter einbricht, dann ja. Aber damit ist nicht zu rechnen – auch wenn die Coronakrise derzeit das lange Zeit dominante Thema, den Klimawandel, überlagert.

Die SVP schaffte nach einem Einbruch 2012 bei den letzten Wahlen wieder den Sprung über die 30-Prozent-Marke. Die FDP landete bei 16,86 Prozent. Bei der CVP ging es bei den letzten beiden Wahlen im Zwei-Prozent-Rhythmus abwärts, von 15,91 (2009) auf 11,63 (2016) Prozent.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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