Bildung
Aus 3 wird 1: Jetzt ist klar, wo der Regierungsrat die Mittelschule Fricktal bauen will

Frick, Stein und Rheinfelden haben um den Standort der künftigen Mittelschule im Fricktal gebuhlt. Nun ist klar: Die Regierung will die neue Schule in Stein bauen. Sie schlägt dem Grossen Rat das Areal Neumatt Ost vor – und beantragt für den Landerwerb sowie die weiteren Planungsschritte 13,785 Millionen Franken.

Thomas Wehrli
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Auf dem Areal Neumatt Ost in Stein will der Regierungsrat die Fricktaler Mittelschule bauen.

Auf dem Areal Neumatt Ost in Stein will der Regierungsrat die Fricktaler Mittelschule bauen.

Zvg

Damit haben selbst etliche Grossräte nicht gerechnet: Der Regierungsrat schlägt dem Grossen Rat nur eines der drei Areale für den Bau der Mittelschule im Fricktal vor, das Areal Neumatt Ost in Stein. Gerechnet haben viele damit, dass die Regierung aus den drei Bewerbern – Frick, Stein und Rheinfelden – einen streicht und mit einem Zweiervorschlag kommt. Frick war dabei so gut wie aus dem Rennen, denn zum einen schneidet der Standort im Ebnet in der Gesamtbewertung des Kantons klar am schlechtesten ab, zum anderen hat sich keine Kantonalpartei in der Vernehmlassung für den Standort im oberen Fricktal ausgesprochen.

Der Standort Frick – im Bild oben – hatte auch deshalb einen schweren Stand, weil hier aktuell ein Unternehmen wirtschaftet und dieses zuerst hätte zügeln müssen.

Der Standort Frick – im Bild oben – hatte auch deshalb einen schweren Stand, weil hier aktuell ein Unternehmen wirtschaftet und dieses zuerst hätte zügeln müssen.

Paul Gürtler

Dass nun aber auch Rheinfelden aus dem Rennen ist, erstaunt doch etwas. Denn in der Anhörung sprachen sich doch drei der acht Kantonalparteien (SP, Grüne, GLP) für Rheinfelden aus und auch in der Bewertung des Kantons schnitt das «Engerfeld» nur unwesentlich schlechter ab. Auf den Einer-Vorschlag angesprochen, sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) an der Medienkonferenz:

«Wenn eine Botschaft ans Parlament geht, darf zu Recht erwartet werden, dass sie einen klaren Antrag enthält. Für uns war immer klar, dass wir entscheiden werden.»

Der Standort Stein habe sich in der Gesamtabwägung als der Optimalste erwiesen, so Hürzeler weiter. Wobei: Der Einervorschlag muss noch nicht das Aus für die Rheinfelder Bewerbung bedeuten, denn der Grosse Rat kann den Standort durchaus zurück ins Rennen hieven, wenn er das will.

Rheinfelden zeigt sich kämpferisch

Dazu wird es vermutlich auch kommen, wie erste Rückmeldungen zeigen. Die SP hält am Standort Rheinfelden fest, wie die Fricktaler Grossrätin Carole Binder-Meury gegenüber der AZ bestätigt. Auch Rheinfelden zeigt sich kämpferisch. Stadtammann Franco Mazzi:

«Wir werden die Botschaft des Regierungsrates an den Grossen Rat im Detail analysieren und behalten uns vor, zu Handen der Beratung in den grossrätlichen Kommissionen und im Grossen Rates nochmals Fakten oder Argumente einzubringen.»
Der Standort in Rheinfelden neben der Autobahn. Kommt er im Grossen Rat zurück ins Rennen?

Der Standort in Rheinfelden neben der Autobahn. Kommt er im Grossen Rat zurück ins Rennen?

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Auch Hürzeler ist sich bewusst, dass es in den Kommissionsberatung und dann im Plenum Diskussionen um den Standort geben dürfte. «Wir haben sehr gute Argumente für Stein und werden diese in die Waagschale werfen», so der Bildungsdirektor. Ihm ist eines wichtig: «Dass der Prozess nicht verzögert wird.»

Erst recht, wenn sich der Grosse Rat für Rheinfelden entscheidet. Denn dann braucht es eine zweite Botschaft. Während Stein im Schulgesetz als Standort für eine Mittelschule seit 1981 verankert ist, müsste Rheinfelden erst noch im Schulgesetz verankert werden.

Und die Zeit drängt. Bereits ab Schuljahr 2025/26 kann der Kanton Basel-Landschaft aus Kapazitätsgründen keine Kantischüler mehr aus dem Fricktal aufnehmen. Und auch in Basel-Stadt wird der Platz knapp. Heute aber besuchen drei Viertel der Fricktaler das Gymnasium oder die Fachmittelschule in den beiden Basel.

Provisorium startet mit rund 120 Schülerinnen und Schülern

Das bedeutet: Ab Schuljahr 2025/26 bis zur Inbetriebnahme der neuen Schule braucht es eine Übergangslösung im Fricktal. Wie diese aussehen wird, ist derzeit noch nicht klar; eine entsprechende Vorlage an den Grossen Rat will die Regierung später vorlegen. Platz für ein Provisorium wäre sowohl in Stein als auch Rheinfelden vorhanden.

Der Kanton rechnet, dass das Provisorium im Schuljahr 2025/26 mit fünf Abteilungen und rund 120 Schülerinnen und Schülern der 1. Klasse starten wird. Jedes neue Schuljahr kommt dann ein Jahrgang dazu. Der Aufbau des Lehrkörpers mit Kleinpensen in einigen Fächern bedinge eine enge Zusammenarbeit mit anderen Mittelschulen im und ausserhalb des Kantons, sagte Kathrin Hunziker, Leiterin Abteilung Berufsbildung und Mittelschule, am Freitag.

Regierung nennt viele Gründe, die für Stein sprechen

Was aber hat den Regierungsrat veranlasst, sich auf Stein zu fokussieren? Es sei die Gesamtbeurteilung inklusive der Anhörungsergebnisse – insgesamt gingen 120 Stellungnahmen ein –, sagt Hürzeler. Grundsätzlich seien alle drei Standorte «machbar und valabel».

Für ihn sprechen aber viele Gründe für Stein. So die zentrale Lage im Fricktal, die gute Anbindung an den Öffentlichen Verkehr, das Potenzial und Grösse des Areals – die Schule mit 44 Abteilungen kann auf rund zwei Drittel der Parzelle errichtet werden, ein Drittel bleibt für spätere Erweiterungen – oder auch die Synergieeffekte mit der (Pharma-)Industrie im Sisslerfeld und der regionalen Leichtathletikanlage.

Zudem sei Stein sowohl ein Wohn- und wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt, so Hürzeler. Gelöst ist inzwischen auch die Frage, wie die Einzonung des knapp 40'000 Quadratmeter grossen Areals kompensiert werden kann. Eine geeignete Fruchtfolgefläche im Fricktal ist laut Hürzeler gefunden.

Landerwerb und Architekturwettbewerb

Wie geht es nun weiter? Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat in der Botschaft einen Kredit über 13,785 Millionen Franken für den Landerwerb, den Architekturwettbewerb und die weiteren Planungsschritte. Die Vorlage dürfte im September/Oktober in den Kommissionen beraten werden, vermutlich noch im November erfolgt die Beschlussfassung im Grossen Rat.

Im ersten Quartal 2022 ist, läuft alles rund, der Architekturwettbewerb geplant. Reto Baumann, stellvertretender Kantonsbaumeister, sagte dazu:

«Es ist einige Jahrzehnte her, dass wir eine Kantonsschule gebaut haben. Dies wird eine spannende und herausfordernde Aufgabe sein.»

Die Kosten für den Neubau dürften nach ersten Schätzungen bei rund 135 Millionen Franken liegen. Nicht einberechnet sind darin die Kosten für die nötige Übergangslösung.

Es bleibt also spannend. Während viele Fragen und selbst jene nach dem Standort bis nach der Beratung der Vorlage im Grossen Rat noch offen sind, ist derweil eines klar: Die neue Mittelschule Fricktal soll auf das Schuljahr 2029/30 eröffnet werden.

Neue Mittelschule fürs Fricktal wird in Stein AG gebaut.

Tele M1

Es sei denn, Einsprachen verzögern das Projekt – wie dies etwa beim Stadion in Aarau der Fall ist. Damit rechnet Hürzeler weniger. «Neumatt Ost ist nicht Torfeld», sagt der Bildungsdirektor. Er erachtet das Einspracherisiko bei einer Schule als «nicht sehr gross». Zudem habe es im Zeitplan noch etwas Luft. Und sollten alle Stricke reissen: Die Übergangslösung könnte auch noch etwas länger bestehen bleiben.

So wie es heute aussieht, können die Fricktaler im Sommer 2029 also als letzte Region endlich auch sagen: Hurra, die eigene Schule ist da.

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