Region Fricktal

Bis zu einem Jahr mehr Ferien: Umfrage in 32 Gemeinden zeigt erstaunliche Unterschiede

Wie lange man sich im Laufe des Berufslebens unter Palmen legen kann, hängt vom Arbeitgeber ab. Der Unterschied beträgt bis zu 230 Tage.

Wie lange man sich im Laufe des Berufslebens unter Palmen legen kann, hängt vom Arbeitgeber ab. Der Unterschied beträgt bis zu 230 Tage.

Wie viel Ferien jemand hat, hängt vom Arbeitgeber ab. Eine AZ-Umfrage zeigt: In 46 Berufsjahren beträgt der Unterschied bis zu 46 Wochen.

Nach den Ferien ist vor den Ferien – und so beginnt manch einer bereits zu planen, wo es im Herbst oder Winter hingeht. Wie oft jemand verreisen kann, hängt an verschiedenen Parametern – unter anderem daran, wie viel er verdient und wo er arbeitet. Denn die Ferien sind, gut schweizerisch, von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden.

Das Gesetz gibt lediglich den Minimalrahmen vor: Er beträgt ab dem vollendeten 20. Altersjahr vier Wochen; davor – also meist während der Lehrzeit – haben Arbeitnehmer Anspruch auf fünf Wochen. Viele Arbeitgeber gewähren ihren Angestellten mehr Ferien. Meist ist der Anspruch nach Altersklassen abgestuft.

Wie unterschiedlich die Regeln sind, zeigt schon eine Umfrage unter den 32 Fricktaler Gemeinden. Fast jede Verwaltung hat eine eigene Regelung. Und diese unterscheiden sich zum Teil massiv, wie ein Rechenbeispiel der AZ zeigt.

Nehmen wir an, Hansli Muster macht eine Verwaltungslehre in einer Gemeinde. Der Job gefällt ihn super. Nur dass er von seinem Wohnort 20 Kilometer an den Arbeitsort pendeln muss, missfällt ihm etwas. Doch was solls.

Eines Tages, er hat die Lehre längst abgeschlossen und ist inzwischen zum Hans mutiert, wird in seiner Wohngemeinde eine Stelle auf der Verwaltung frei, wie er in der Zeitung liest. Er bewirbt sich – und bekommt die Stelle.

Nie hätte Hans, damals 20, gedacht, dass er bis zu seiner Pensionierung auf der gleichen Gemeindekanzlei arbeiten wird. Doch es stimmt für ihn einfach alles und so wird der «Herr Hans», inzwischen zweifacher Grossvater, mit 65 und damit nach 46 Dienstjahren pensioniert.

Der Ferienvergleich der AZ zeigt nun: Je nach Gemeinde, bei der Hans angestellt war, hat er in den 46 Jahren fast ein Jahr mehr gearbeitet als in einer anderen Gemeinde. In Oberhof und Wölflinswil beispielsweise hatte Hans in den 46 Jahren 1030 Tage Ferien; das entspricht knapp vier Jahren Ferien. In Obermumpf dagegen hatte er in all den Jahren 1260 Tage Ferien, also fast fünf Jahre. Ganz genau beträgt der Unterschied 46 Wochen.

In Laufenburg können die Angestellten insgesamt 1150 Tage beziehen – es sei denn, sie gehören der vierköpfigen Geschäftsleitung an. Dann stehen ihnen in den 46 Jahren 1380 Tage zu. Stünden, muss man wohl besser sagen, denn mit 20 schafft es kaum einer gleich in die Geschäftsleitung – auch unser Hansli nicht, auch wenn er den klar besten Lehrabschluss hingelegt hat.

Einfach bis hochkomplex

Wer in Frick arbeitet, kommt in 46 Dienstjahren auf 1180 Tage, in der Nachbargemeinde Ueken sind es 1230 – also zehn Wochen mehr. Wer sich in Kaisten auf der Verwaltung eingenistet hat, kommt auf 1143 Tage; in Magden sind es fast 100 – oder 20 Wochen – weniger.

Die Umfrage unter den Gemeinden zeigt auch, dass die Ferienregelungen in ihrem Komplexitätsgrad grosse Unterschiede aufweisen. Wallbach etwa hat ein ganz einfaches System; hier haben alle Arbeitnehmer durchgehend bis zur Pensionierung Anspruch auf fünf Wochen Ferien. Eiken und Münchwilen dagegen haben eine kleinteilige Abstufung, in welcher der Ferienanspruch im Laufe der Jahre nicht weniger als zwölf Mal ändert.

Bis zum 20. Altersjahr hat ein Arbeitnehmer in Eiken oder Münchwilen Anspruch auf 25 Tage, im 21. bis 40. Altersjahr sind es 20 Tage. Im 41. und 42. Altersjahr gibt es dann für die Arbeitnehmer 21, im 43. und 44. Altersjahr 22, im 45. und 46. Altersjahr 23 Tage. Vom 47. bis 49. Altersjahr sind es 24 Tage, im 50. Altersjahr 25. Dann steigt der Ferienanspruch wieder, einem Staccato gleich, im Zwei-Jahres-Schritt um einen Tag an, sodass die Arbeitnehmer mit 57 bis 59 Jahren 29 Ferientage zugute haben. Ab dem 60. Lebensjahr sind es dann 30 Tage. Beide Gemeinden überarbeiten derzeit allerdings ihre Personalreglemente.

Unser Hans «Hansli» Muster hat in einer Gemeinde gearbeitet, die im Mittelfeld liegt. Das stört ihn nicht. Was er aber mit den zusätzlichen Tagen gemacht hätte, weiss er hingegen genau: Ferien.

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