Er kennt den rund 700 Hektaren grossen Forst wie seine Westentasche. Seit 1979 ist Werner Habermacher für die Bewirtschaftung der Wälder in Wölflinswil, Herznach, Oberhof und Ueken verantwortlich. In gut zwei Monaten hängt der 63-Jährige die Motorsäge an den Nagel. «Es wird Zeit», sagt er und lässt den Blick über eine lichte Stelle im Herznacher Forst schweifen. Dort, wo Sturmtief Burglind im Januar mit den meterdicken Bäumen Mikado gespielt hat. 1800 Kubikmeter Holz – etwa 20 Prozent der Jahresnutzung – sind im Forstrevier dem Sturm zum Opfer gefallen. Habermacher zeigt mit dem Finger. «Hier im ‹Egg› hat der Sturm ordentlich getobt.»

Die umgestürzten Bäume mussten auf dem durchnässten Geläuf umständlich entfernt werden, erzählt Habermacher. «Der Boden war zu nass, um mit schwerem Gerät in den Wald hineinzufahren. So mussten wir die Bäume mit einem Seilzug vom Weg aus herausziehen.» Doch nicht nur der Sturm spielte Habermacher übel mit. «Durch die lange Trockenperiode hat der Borkenkäfer grosse Schäden verursacht», sagt er. Dies habe dazu geführt, dass viele Sägereien ausgelastet waren. «Sie sitzen jetzt teilweise auf einem Holzvorrat, der noch bis zum Sommer reicht», weiss Habermacher. So bliebe dem Forstbetrieb nur die Möglichkeit, das Käferholz günstig ins Ausland – etwa nach Österreich – für rund 40 Franken pro Kubikmeter zu exportieren. «Das lohnt sich jedoch kaum, die Rüstkosten betragen für einen Kubikmeter rund 50 Franken», sagt er.

In seinen fast 40 Jahren als Förster war Habermacher Zeuge von vielen politischen Eingriffen, welche die Waldbewirtschaftung zunehmend anspruchsvoller machten. Der Wegfall des Grenzschutzes für Holz Mitte der 1980er-Jahre hat dazu geführt, dass Holz plötzlich billig auf den Markt kam, über die halbe Welt transportiert wurde und so die Preise nach unten gedrückt wurden, erinnert sich Habermacher. «Anfang der 1980er-Jahre bekam man für einen Kubikmeter Fichte 200 bis 240 Franken. Heute sind es noch 80 bis 100 Franken. Das macht es nicht gerade leicht.» 

Der Druck auf den Förster steigt

Daneben sei die Anforderung, den Forst wirtschaftlich zu führen, gepaart mit dem Anspruch für sein ökologisches Gleichgewicht zu sorgen, ein Balanceakt, der zu einem immensen Druck geführt habe. «Gerade mit den tonnenschweren Maschinen ist die Verantwortung des Försters gewachsen», sagt Habermacher. Zudem sind er und das Forstteam verpflichtet, den Wald als Naherholungsgebiet erlebbar zu machen. «Wir müssen die Waldwege für die Spaziergänger instandhalten. Diese Leistung für die Allgemeinheit wird über den Holzverkauf finanziert», merkt Habermacher an.

Hoffen auf den nassen Frühling

Auch Urs Steck, Abteilungsleiter Wald und Landwirtschaft in Möhlin, sind «Burglind» und der Borkenkäfer in diesem Jahr sauer aufgestossen. «Der Schaden durch Burglind beträgt mit 3500 Kubikmetern die Hälfte der Jahresnutzung. Ebenso hat sich der Borkenkäfer an rund 3500 Kubikmetern Holz zu schaffen gemacht», so Steck, der für die Bewirtschaftung von rund 800 Hektaren Wald verantwortlich ist. Um das Sturm- und Käferholz aus dem Wald zu holen, habe man mehrere kleinere Holzschläge im Forst machen müssen, was dazu geführt habe, dass nun einzelne Abschnitte, die freistehen, etwas anfälliger «für starken Wind oder Sonneneinstrahlung sind».

Während Steck das Sturmholz auf dem Markt abgesetzt hat, sitzt er derzeit auf dem Käferholz. «Die Nachfrage nach Käferholz ist im Herbst zusammengebrochen, weil wir nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Mitteleuropa Borkenkäferschäden hatten», sagt er. Immerhin sei der Abtransport des Käferholzes aus dem Wald mit zwölf Franken pro Kubikmeter durch den Kanton vergütet worden.

Weil ältere Puppen und Käfer auch ohne Probleme den Winter überlebten, hofft Steck, dass es im Frühling und Sommer «so richtig schifft», damit die Bäume ihre Vitalität zurückgewinnen und die Käferpopulation durch den Pilzbefall eingedämmt wird und so das nächste Jahr ein besseres wird.