Rheinfelden

Brand im Gehege tötet acht Schildkröten – Bezirksgericht verurteilt Mann wegen Tierquälerei

Eine falsche Wärmelampe setzte das Gehege der Schildkröten in Brand. (Symbolbild)

Eine falsche Wärmelampe setzte das Gehege der Schildkröten in Brand. (Symbolbild)

Ein Mann aus dem unteren Fricktal hatte offenbar Wärmelampen eingesetzt, die nicht zur Tierhaltung geeignet waren. Das Rheinfelder Bezirksgericht verurteilt ihn nun wegen Tierquälerei – verzichtet jedoch auf eine Strafe.

Mit dem qualvollen Tod von acht Schildkröten bei einem Brand im Mai 2019 musste sich am Freitag das Bezirksgericht Rheinfelden befassen. Beschuldigter war ein 38-Jähriger aus dem unteren Fricktal. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg: Geldstrafe bedingt von 20 Tagessätzen, eine Probezeit von zwei Jahren sowie eine Busse in Höhe von 250 Franken.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, gegen Artikel 26 des schweizerischen Tierschutzgesetzes verstossen zu haben: Tierquälerei durch Missachtung der Sorgfaltspflicht beim Bau eines Tiergeheges. Der Beschuldigte soll beim Bau eines Schildkrötengeheges im Frühjahr 2019 die Sicherheitsvorschriften bei der Installation von Frostwächtern – also elektrischen Heizöfen – und einer Wärmelampe missachtet haben. Die Lampe habe sich dadurch gelöst, sei in das mit Stroh ausgelegte Gehege gefallen und habe dieses in Brand gesetzt. Acht Schildkröten starben dabei, acht weitere verletzten sich.

«Ich kann mir den Ausbruch des Brandes nicht erklären», sagte der Beschuldigte bei der Befragung durch Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab. Der Darstellung der Staatsanwaltschaft widersprach er. Dennoch räumte er ein, vor der Installation der elektrischen Geräte deren Gebrauchsanweisung nur flüchtig gelesen zu haben. Darin ist laut Staatsanwalt aufgeführt gewesen, dass diese zur Tierhaltung als ungeeignet galten.

«Schildkröten gehörten praktisch zur Familie»

Der Beschuldigte stellte sich und seine Frau vor dem Bezirksgericht als sorgfältige und gewissenhafte Tierhalter mit mehr als zehn Jahren Erfahrung dar. «Die Haltung der Schildkröten war das Hobby meiner Frau. Sie gehörten praktisch zur Familie», sagte der Mann.

Die Ehefrau des Beschuldigten hätte eigentlich als Zeugin vor Gericht aussagen sollen. Aus medizinischen Gründen wurde aber davon abgesehen. Schon allein die Aussicht, vor Gericht wieder mit dem Geschehen vom Mai 2019 konfrontiert zu werden, habe bei ihr einen Zusammenbruch ausgelöst. Noch immer werde sie wegen der Erlebnisse psychologisch betreut.

Familie musste in anderes Dorf umziehen

Generell sei die ganze Familie durch den Brand des Tiergeheges im Mai 2019 traumatisiert worden. «Wir konnten es durch den Vorfall nicht mehr aushalten, den Garten zu betreten», so der Beschuldigte. Letztlich habe der Feuertod der Schildkröten dazu geführt, dass die Familie in ein anderes Fricktaler Dorf umgezogen ist. Dort hat sie ein Eigenheim erworben. «Um die Hypothek abzubezahlen, bin ich auf einen Nebenverdienst angewiesen», erklärte der 38-Jährige. Er habe die Chance, im Security-Bereich zu arbeiten. Doch bei einem Eintrag ins Strafregister, welche eine Verurteilung wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes mit sich brächte, sei ihm das verwehrt.

Darauf verwies auch seine Verteidigerin in ihrem Plädoyer. Sie forderte Freispruch für den Fricktaler aus Mangel an Beweisen, nach dem Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten. Das Bezirksgericht folgte deren Argumentation nicht und sprach den Mann wegen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz für schuldig. Allerdings erliess es ihm die Strafe gemäss Artikel 54 Strafgesetzbuch. Dennoch muss er die Verfahrens- und Anwaltskosten in Höhe von 2200 Franken selbst tragen. Und der Eintrag ins Strafregister bleibt ihm auch nicht erspart.

Meistgesehen

Artboard 1