Frick
Bronze an Informatik-Olympiade: Er sagt den Computern, was sie zu tun haben

Sebastian Philipp aus Frick holte an der Informatiker-Olympiade Bronze. Im Selbststudium hat er sich fundierte Kenntnisse der Informatik angeeignet. Stundenlang kann er am Computer sitzen und über einem Problem brüten.

Nadine Böni
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Sebastian Philipp holte an der Informatiker-Olympiade Bronze. nbo

Sebastian Philipp holte an der Informatiker-Olympiade Bronze. nbo

Nadine Böni

Sebastian Philipp brachte seine Mutter ab und zu ins Schwitzen. Schon von klein auf habe ihr Sohn alles hinterfragt, sagt Vera Naef. «Physikalische Gesetze, chemische Prozesse, die Funktionen des Computers – er wollte immer alles verstehen und hörte erst auf zu fragen, wenn ihm eine Antwort genügte.» Und wenn die Mutter keine Antwort wusste, fand er sie selbst.

Sebastian Philipp lächelt und zuckt mit den Schultern, als er das hört. Mittlerweile ist er 18. Noch gut kann er sich an einen Moment erinnern, als ihm sein Vater die «absoluten Grundlagen» der Funktionen seines Computers zeigte. «Vielleicht war ich acht oder neun Jahre alt. Von da an hat es mich gepackt», sagt Philipp.

2000 Stunden für Maturarbeit

Im Selbststudium hat er sich fundierte Kenntnisse der Informatik angeeignet. Stundenlang kann er am Computer sitzen und über einem Problem brüten. Steht er irgendwo an, fragt er in Internetforen nach oder bei Lehrern. Aufgeben ist nicht sein Ding.

Als Maturarbeit programmierte Philipp ein Jump & Run-Spiel – in 3-D notabene. 2000 Stunden Arbeit stecken dahinter. Aber, wie er da so am Wohnzimmertisch sitzt und mit einem Lächeln erzählt und erklärt, da wird klar, dass er sich nicht zum enormen Aufwand zwingen musste.

Trainingslager in Davos

An der Schweizer Informatik-Olympiade Ende April holte Sebastian Philipp eine der Bronzemedaillen – obwohl viele Problemstellungen Neuland waren für ihn. Die Aufgaben in der ersten Runde habe er hauptsächlich mit Ausprobieren gelöst, erzählt Philipp. Nichtsdestotrotz qualifizierte er sich so für die zweite Runde und damit für ein einwöchiges Trainingslager in Davos.

Dass es ihm zum Schluss nicht ganz nach vorne reichte, macht ihm nichts aus. Die Gewinner der Olympiade reisen an die Internationale Informatik-Olympiade nach Almaty, die grösste Stadt in Kasachstan. «Die Reise wäre sicher interessant gewesen – das Hauptziel war für mich aber von Anfang an, etwas Neues zu lernen», sagt Philipp.

Das hat er tatsächlich. Zum ersten Mal musste er sich nämlich im Detail mit der mathematischen Seite der Informatik auseinandersetzen. «Vereinfacht gesagt, geht es darum, ein mathematisches Problem mit dem Computer zu lösen», erklärt Philipp.

Als Beispiel nennt er die Aufgabe, verschiedene Städte auf einer Route miteinander zu verbinden, ohne dass eine Stadt zweimal besucht werden muss. «Ich muss dem Computer mit einer speziellen Sprache ganz genau sagen, was er zu tun hat», so Philipp. Algorithmen implementieren, heisst das in der Fachsprache. Seine Mutter lacht und sagt: «Mir kommt das manchmal vor wie Hieroglyphen.»

Bald an die Universität

Die Aufgaben, die er an der Olympiade nicht lösen konnte, beschäftigen Sebastian Philipp noch immer. Er will sie lösen, egal, wie viele Stunden er daran sitzen muss. Will die Antworten auf die Fragen wissen. Und fast nebenbei – so wirkt es – bereitet er sich auf die Matur-Prüfungen in zwei Wochen vor. Im Sommer beginnt Philipp ein Informatik-Studium an der Universität in Basel. Er freut sich bereits darauf. «Auch, weil ich hoffe, dass die Kollegen im Studium dann verstehen,wovon ich spreche, wenn ich etwas erkläre oder frage», sagt er.

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