Oeschgen
Circus Nock ist von seiner Tournee zurück – aber jetzt herrscht erst recht Hochbetrieb

In dieser Woche ist der Circus Nock von seiner 155. Tournee im Winterquartier in Oeschgen zurückgekehrt. Aber Ruhe kehrt noch lange nicht ein. Jetzt wird gewaschen, gebügelt, gehämmert und geflickt.

Thomas Wehrli
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«Es war eine erfolgreiche Tournee»: Seit dieser Woche sind Franziska Nock und die Zirkusfamilie zurück in Oeschgen. zvg

«Es war eine erfolgreiche Tournee»: Seit dieser Woche sind Franziska Nock und die Zirkusfamilie zurück in Oeschgen. zvg

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Licht aus. Der Circus Nock ist von seiner 155. Tournee, einer «sehr erfolgreichen», wie Zirkusdirektorin Franziska Nock sagt, seit dieser Woche zurück im Winterquartier.

Licht an. Von Winterruhe ist an der Circusstrasse in Oeschgen (noch) nichts zu spüren. Ein Mitarbeiter hängt kopfüber im Motorraum eines Lastwagens, um ihn porentief zu reinigen; ein anderer schrubbt das aufgespannte Vorzelt; aus der Halle tönt das dumpfe Geräusch eines Hammers, der in beeindruckender Regelmässigkeit auf ein Stück Blech niedersaust. Padamm, padamm, padamm.

Nur zwei Gesellen lassen sich von der Geschäftigkeit um sie herum nicht beeindrucken. Sie stehen nur da, in der Sonne, schauen beim Arbeiten zu und kauen seelenruhig auf ihrem Mittagessen herum: die beiden Nock-Kamele, die den unerwartet warmen Novembertag auf der Weide sichtlich geniessen.

Ein Tele-M1-Bericht zum Tournee-Auftakt:

Noch bis Ende nächster Woche herrscht im Winterquartier Hochbetrieb. Solange braucht es, bis alles gewaschen, gebügelt, geschrubbt, gefettet, gehämmert, geschraubt und geflickt ist. Dann kehrt Ruhe ein.

«Mit der Zeit ist es mir fast zu ruhig», sagt Franziska Nock. Bald schon kehrt bei ihr jeweils das Kribbeln zurück, das Verlangen, auf Tournee zu gehen, die Vorfreude auf den einen Satz: Manege frei.

Für Franziska Nock ist das Unterwegssein ein wesentlicher Teil der Faszinationen am Zirkus. «Das Reisen gehört für mich zum Leben», sagt sie. «Ich kenne seit der Kindheit nichts anderes.»

Rückblick. Mit 65 Personen reiste der Circus Nock in diesem Jahr quer durch die Schweiz, zeigte sein Programm gut 250 Mal, baute das Chapiteau – 78 Meter breit, 12,5 Meter hoch, 30 Tonnen schwer – an 47 Orten auf und wieder ab. Sechs bis sieben Stunden dauert der Aufbau, am Anfang etwas länger, bis das Team eingespielt ist und jeder wieder Handgriff sitzt.

Die beiden Nock-Kamele auf ihrem Weg vom Stall zur Weide.

Die beiden Nock-Kamele auf ihrem Weg vom Stall zur Weide.

Nadine Pfeifer
Franziska Nock mit den Ponys.

Franziska Nock mit den Ponys.

Nadine Pfeifer

Auch das Programm erhält in den ersten Wochen seinen Feinschliff. «Das Programm für die nächste Saison steht zwar bereits gut ein halbes Jahr vorher», erzählt Nock. «Doch wie der Ablauf am besten funktioniert, sehen wir erst, wenn wir auf Tournee sind.»

In dieser Saison war für Franziska Nock das fliegende Doppeltrapez eines der Highlights, das Clown-Duo Gaston & Roli ein zweites. Zum fünften Mal in Folge waren die beiden Clowns mit dem Circus Nock unterwegs, waren Teil der grossen Zirkusfamilie – und werden es nicht mehr sein. Sie hören auf. Die Clownerie hängen die beiden zwar nicht ganz an den Nagel, doch auf grosse Tournee wollen sie nicht mehr gehen. «Es war ein emotionaler Moment, als wir Gaston & Roli verabschiedet haben», erzählt Franziska Nock. In Luzern, am letzten Sonntag, als das letzte Mal für diese Saison die Lichter erloschen.

233 Tage unterwegs

Der letzte Vorhang. «Das ist für mich jeweils auch ein trauriger Moment», sagt Nock. Denn dann heisst es: Abschied nehmen. Von den Menschen, mit denen man 233 Tage unterwegs war; vom Programm, das man in dieser Ausgestaltung nie mehr sehen wird; vom Applaus, der erst in viereinhalb Monaten wieder aufbranden wird.

Mehr als 150 000 Zuschauer haben das diesjährige Programm gesehen. «Es ist anspruchsvoller geworden, die Menschen für den Zirkus zu begeistern», sagt Nock. Heute sei das Freizeitangebot viel grösser als noch vor 10, 20 Jahren. «Man muss sich von den anderen abheben, um Erfolg zu haben», weiss sie. Das gelingt der 12-köpfigen Zirkusfamilie aus Oeschgen seit 155 Jahren bestens.

Franziska und ihre Schwester Alexandra führen das Familienunternehmen in der siebten Generation. Die achte ist mit Francesco, Brandon, Brian, Leandro, Emily und Milan bereits am Heranwachsen. Sie sind Garant dafür, dass es auch in Zukunft heisst: Manege frei. Das nächste Mal am 12. März 2016, auf dem Ebnet, in Frick.

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