Corona gibt den Rhythmus vor

Die Pandemie zwingt die Tanzschule Dance Tower in Gipf-Oberfrick zu einer neuerlichen Verschiebung ihrer Bühnenshow.

Hans Christof Wagner
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Auf den Live-Auftritt müssen die Tänzer aus Gipf-Oberfrick derzeit verzichten.

Auf den Live-Auftritt müssen die Tänzer aus Gipf-Oberfrick derzeit verzichten.

Bild: zvg

Als im März 2020 der Lockdown kam, dachten die Häseli-Brüder Luca und Nicolas, Geschäftsführer der Tanzschule Dance Tower in Gipf-Oberfrick, noch: Bis November ist es ja noch weit, bis dahin ist sicher alles wieder «normal». Bis dahin können wir die grosse Show machen, in der die Gruppen wie gewohnt ihr Können zeigen.

Doch das Virus zwang nicht nur dazu, den Termin 20. bis 22.November zu canceln. Auch der ursprünglich anvisierte Ersatztermin Ende März 2021 ist den Fricktaler Hip-Hoppern noch zu heiss. «Wir sind davon ausgegangen, dass die Verschiebung der Show um vier Monate ausreichen würde», sagt Häseli. Doch diese Annahme wurde von der epidemiologischen Lage in der Schweiz überrollt. Unvorstellbar, für den Event aktuell bei den Behörden eine Genehmigung zu bekommen, auch nicht mit nur einem Drittel der sonst üblichen Zuschauer. «2018, bei der letztmaligen Show, waren es in der Mehrzweckhalle in Gipf-Oberfrick an den drei Abenden je 600 Zuschauer», erinnert sich Häseli.

Jetzt müssen die Fans von Hip-Hop und Breakdance sogar ein ganzes Jahr Geduld haben. «Mit dem November 2021 als neuem Show-Termin dürften wir auf der sicheren Seite sein», glaubt Luca Häseli. Wermutstropfen: Das Fricktaler Sinfonieorchester, 2018 noch mit von der Partie, könne aus terminlichen Gründen im Herbst 2021 keinen Live Sound zur Show abliefern. Häseli: «Wir haben schon ein paar Ideen für Alternativen mit Bands. Notfalls muss es Play-back gehen, aber live ist halt immer cooler.»

Lockdown bei den Proben für «Darf ich bitten?»

Mitten in den Proben für die SRF-Fernsehshow «Darf ich bitten?» erreichte die Häseli-Brüder die Nachricht vom Lockdown und dass es sich damit auch in Gipf-Oberfrick zunächst ausgetanzt hatte. Doch das gesamte Team blieb nicht untätig, produzierte Lehrfilme auf Youtube, verwandelte die Tanzschule in ein Filmstudio. So ging es bis Juni. Seitdem dürfen die Kleinen unter 16 – das Gros der Schüler – wieder wie immer proben. Nur die Jugendlichen über 16 und die Erwachsenen samt Lehrer tragen Masken und trainieren in Gruppen mit höchstens 14 Personen. Häseli: «Die Maske war am Anfang gewöhnungsbedürftig, gerade wenn man ausser Puste ist. Aber jetzt spüren sie die meisten schon gar nicht mehr.» Als im Juni das Parkett unter den Moves der Schüler wieder zu beben begann, war alles auf die Show im November ausgerichtet. «Das Drehbuch war geschrieben, die meisten Tänze waren einstudiert», berichtet der Dance-Tower-Co-­Geschäftsführer. Der nimmt die Verschiebung sportlich: «Noch mehr Zeit, besser zu werden.»

Kinderzimmer gegen das Tanzstudio eintauschen

Aber ist es ohne die Aussicht auf einen baldigen Auftritt, nicht schwer, die Motivation im Training hochzuhalten? «Ja», räumt Häseli ein. «Die Enttäuschung ist da, aber die Dankbarkeit darüber, im Moment überhaupt tanzen zu dürfen, wiegt das wieder auf.» Und doch: Ganz spurlos ist die Krise am Unternehmen nicht vorbeigegangen. Abmeldungen aus Angst vor Ansteckungen habe es gegeben. Und wenn alle Stricke reissen und mit einem neuerlichen Lockdown der Vorhang wieder fällt? Dann wäre eine Option, dass die Schüler das Kinderzimmer zu Hause gegen das Tanzstudio eintauschen – beim Online-Training live im Internet.

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