Fahrplan

Damit der Zug nicht mehr vor der Nase wegfährt

Die Postautos von und nach Aarau konnten die Anschlüsse nicht mehr immer gewährleisten.

Die Postautos von und nach Aarau konnten die Anschlüsse nicht mehr immer gewährleisten.

Mit Fahrplan-Anpassungen sollen Anschlüsse in Frick und Aarau besser gewährleistet werden – die Nachtbusse ins Mettauertal bleiben bestehen.

Da ist der Ärger vorprogrammiert: Das Postauto steckt im Verkehr fest, kommt nicht rechtzeitig am Bahnhof an – und der Zug ist weg. Dies passiert auf den Buslinien von Frick nach Aarau gerade in der morgendlichen und abendlichen Rushhour immer wieder, wie die Verantwortlichen bei der Vorstellung des neuen Fahrplans einräumen mussten.

Neben der Zunahme des Verkehrs sorgen steigende Fahrgastzahlen – und damit längere Ein- und Aussteigezeiten – dafür, dass «die Fahrplanstabilität litt», wie es in den Unterlagen zum Fahrplanwechsel im Dezember formuliert ist.

Fahrwege und Haltepolitik werden angepasst

Das soll sich mit dem Fahrplanwechsel nun wieder ändern. Dazu werden die Fahrzeiten im Fahrplan verlängert, die Fahrwege angepasst – die Schnellkurse über die Staffelegg und das Benkerjoch verkehren künftig via Sauerländertunnel – und die Haltepolitik angepasst. So werden mehrere Haltestellen im Raum Aarau/Küttigen je nach Fahrtrichtung nur noch zum Aus- oder Einsteigen angefahren und die Haltestelle beim Aarepark wird gar nicht mehr bedient.

Die Kurse über die Staffelegg verkehren im 30-Minutentakt. Die Schnellkurse von und nach Aarau halten nur noch an den beiden Bahnhöfen sowie in Frick Unter- und Oberdorf; die bisherigen Haltestellen in Herznach, auf der Staffelegg sowie in Aarau beim Rathaus und beim Holzmarkt fallen weg.

Die Benkerjoch-Linie verkehrt im Stundentakt. Beim Schnellkurs wird Wittnau wie bislang nicht angefahren. Zudem fallen in beide Richtungen der Halt in Wölflinswil Mühlmatt sowie alle Stationen zwischen Oberhof und Aarau Bahnhof weg.

Damit dürfte sich ein Problem entschärfen, das Bernhard Scholl (FDP) in einer Interpellation anspricht, die er am Dienstag im Grossen Rat eingereicht hat. Scholl will in der Anfrage unter anderem wissen, was der Regierungsrat unternimmt, um die Anschlüsse im Bahnhof Aarau zu verbessern.

Unteres Fricktal besser Richtung Osten anbinden

Hauptgrund für Scholls Anfrage ist indes ein anderer. Der FDP-Politiker zeigt auf, dass die Anbindung aus dem Wegenstettertal Richtung Basel sehr gut ist und denn auch stark nachgefragt wird, jene in Richtung Osten – also in Richtung Frick – jedoch nicht. Das Umsteigen in Möhlin nach Osten sei überhaupt nicht gewährleistet, schreibt Scholl.

«Die Ausrichtung des Taktfahrplans ganz nach Basel führt dazu, dass – bis auf eine Ausnahme morgens – die Benutzung des öffentlichen Verkehrs aus dem Möhlintal Richtung Osten unmöglich oder nur mit umständlichem und zeitraubendem Umsteigen machbar ist.» Dasselbe Problem ergebe sich für Reisende aus Aarau und Brugg; die Anschlüsse seien nur auf die IR-Züge ausgerichtet.

Die Folge: Wer aus dem unteren Fricktal und insbesondere aus dem Wegenstettertal Richtung Frick und Aarau will oder muss, benutzt den öffentlichen Verkehr nicht oder nur, wenn es nicht anders geht. Die Situation hält Scholl auch aus regionalpolitischer Sicht für bedenklich. «Basel ist problemlos erreichbar aus dem unteren Fricktal, die Zentren im Kanton Aargau dagegen nicht.»

öV-Angebot im unteren Fricktal in Richtung Osten kaum vorhanden

In seiner Interpellation will er nun wissen, ob sich der Regierungsrat bewusst sei, dass das ÖV-Angebot im unteren Fricktal in Fahrtrichtung Osten – speziell aus dem Wegenstettertal – «praktisch nicht existent» sei und fragt, welche Möglichkeiten der Regierungsrat sieht, das Busangebot zu verbessern. Zumindest in den Stosszeiten sollten seiner Ansicht nach mehrere Postautoanschlüsse in Möhlin an die S1 in Richtung Frick ermöglicht werden.

«Mit dem Angebot würde auch die Nachfrage steigen und damit den motorisierten Individualverkehr entlasten», ist Scholl überzeugt. Wissen will Scholl auch, wie die Postautoanschlüsse in Frick an die S1 in Richtung Basel verbessert respektive ermöglicht werden können.

Gute Nachricht gibt es dafür von der Fahrplanfront für die Nachtschwärmer aus dem Mettauertal, die am Freitag und Samstag zu später – oder besser: früher Stunde vom Ausgang nach Hause gelangen wollen. Die Spätbusse ab Brugg bleiben bestehen und das Angebot wird stärker auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt.

Nachtbus um 00.35 Uhr wird kaum benutzt

Dass die Gemeinden an den Spätbussen festhalten, ist gar nicht so selbstverständlich, wie aus einer Mitteilung des Gemeinderates von Mettauertal hervorgeht. Die Auswertung des Spätangebots für 2018 sei ernüchternd ausgefallen, heisst es darin. «Die Nutzungszahlen stagnieren seit der Einführung und sind seit 2014 eher rückläufig.» So wurde der 00.35-Uhr-Kurs am Freitag im ganzen Jahr lediglich von 42 Personen benutzt.

Der Gemeinderat habe sich deshalb «ernsthaft Gedanken gemacht», auf das Angebot künftig zu verzichten. «Bei den vorliegenden Zahlen kann davon ausgegangen werden, dass das Bedürfnis gering ist und die Kosten von jährlich knapp 6000 Franken nicht gerechtfertigt sind», schreibt der Gemeinderat weiter.

Nach weiteren Abklärungen bei den vorwiegend jugendlichen Nutzern der Nachtbusse stellte man jedoch fest, dass das Angebot durchaus gefragt ist, die Jugendlichen aber später als früher unterwegs sind und dass die Anschlüsse zudem nicht optimal auf die SBB-Verbindungen abgestimmt sind.

Das Nachbus-Angebot, das im Juni 2010 vom Souverän bewilligt wurde, wird deshalb beibehalten, allerdings modifiziert. So wird der 00.35-Uhr-Kurs gestrichen. Dafür fährt ein neuer Kurs um 01.45 Uhr ab Brugg ins Mettauertal; er kommt um 02.25 in Etzgen an. Der 02.45-Uhr-Kurs wird beibehalten.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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