Rheinfelden

Daniel Vulliamy arbeitete 40 Jahre für die Stadt – nun wird der Chrampfer pensioniert

Daniel Vulliamy hat heute seinen letzten Arbeitstag als Leiter Stabsdienste/Stadtmarketing.

Daniel Vulliamy hat heute seinen letzten Arbeitstag als Leiter Stabsdienste/Stadtmarketing.

Der Leiter Stabsdienste und Stadtmarketing, Daniel Vulliamy, arbeitete mehr als 40 Jahre bei der Stadt Rheinfelden. Im Hintergrund sorgte der Chrampfer mit viel Herzblut und Geschick für Bewegung. Bevor er in Pension geht, blickt er auf sein Schaffen zurück.

Heute könnte Daniel Vulliamy gut ein Auge mehr gebrauchen. Denn den heutigen Dienstag erlebt er mit einem weinenden und zwei lachenden Augen. Das Weinende, weil er nach über 40 Jahren bei der Stadt Rheinfelden, zuletzt als Leiter Stabsdienste und Stadtmarketing, in Pension geht. Das eine Lachende, eben weil er in Pension geht und noch viel vor hat. Das andere Lachende, weil er heute zugleich Geburtstag feiert. Seinen 64.

Die Stadt verliert mit Daniel Vulliamy einen nimmermüden Chrampfer, der sich mit viel Herzblut und ebenso viel Geschick für sein Rheinfelden, dieses «Juwel am Rhein», wie er das Zähringerstädtchen nennt, eingesetzt hat. Er selber blieb dabei gerne im Hintergrund. Vulliamy schmunzelt. «Das liegt in der Familie», erzählt er. Schon sein Vater habe einem bekannten Keramiker zugedient.

Dieses Sich-Zurücknehmen zu Gunsten des Ganzen wird deutlich, wenn er seinen Job umschreibt. «Das Wichtigste ist das Zudienen.» Es gehe nicht um die eigene Person, sondern um die Stadt. Zweitens müsse man organisieren können – und drittens ein Talent zum Improvisieren haben, falls etwas anders kommt als unter zweitens geplant.

Wakker-Preis-Übergabe, Tour-­de-Suisse und SRF-Sendung

Meistens klappte jedoch alles. Nach den Höhepunkten befragt, klaubt Vulliamy eine Liste hervor. Er hat sich auf das Gespräch gut vorbereitet; auch das ein Wesenszug des Neu-Pensionärs. Die lange Liste umfasst die Erarbeitung der Stadtgeschichte ebenso wie die Wakker-Preis-Übergabe, die Tour-­de-Suisse-Ankunft oder die SRF-Sendungen, die den Tagestourismus jedes Mal «erfreulich angekurbelt haben». Stadtmarketing pur mit Spassfaktor.

Verändert hat sich die Stadt seit seiner Lehre in den 1970er-­Jahren auf der Stadtverwaltung «gewaltig», sagt Vulliamy. Die Bevölkerungszahl hat sich fast verdoppelt, die Finanzen sind ein Segen, der öffentliche Verkehr ist top – und im Städtchen kann man seit der Schliessung der alten Rheinbrücke für den motorisierten Verkehr wieder atmen. «Das waren keine Zustände», erinnert er sich. Tausende Fahrzeuge stauten sich jeden Tag durch das Städtchen.

Heute ist die Altstadt verkehrsfrei und die Stadt «gut aufgestellt», sagt Vulliamy. Diesen guten Weg weiterhin zu gehen, den Balanceakt zwischen Altem bewahren und Neuem ermöglichen zu meistern, sieht er als eine der Herausforderungen. Dabei werde auch die neu geschaffene Stelle einer Citymanagerin helfen, ist er überzeugt. Nach einem Tipp für seinen Nachfolger befragt, überlegt er kurz, sagt dann: «Offen sein für Neues. Und mutig sein.»

Nächster Programmpunkt: Das Leben geniessen

Wichtige Menschen gab es in seinem Berufsleben viele. An einen, den leider viel zu früh verstorbenen Roland Brogli, erinnert er sich noch, als wäre es gestern gewesen. 1987, Brogli war neuer Stadtschreiber von Rheinfelden, fragte dieser ihn als Stellvertreter an. Er sagte Ja – «zum Glück», findet er heute. Die Zusammenarbeit mit dem späteren Regierungsrat sei eine Schule fürs Leben gewesen. Er habe damals schon gewusst: Brogli werde viel erreichen. «Er war ein visionärer Mensch.»

Und was ist seine «Vision» für den dritten Lebensabschnitt? Das Leben in vollen Zügen zu geniessen, sagt Vulliamy, lacht. Bei einem Seminar zur Pensionierung habe der Leiter geraten, die Zeit zwischen 60 und 70 als wichtige und aktive Lebensphase zu planen. Das war für ihn die Initialzündung, ein Jahr früher aufzuhören. Die politischen Ämter – Vulliamy war unter anderem 14 Jahre SVP-Grossrat – gab er bewusst früher ab.

Die Schweiz noch besser kennen zu lernen, hat sich Vulliamy weit oben auf seine To-­do-Liste gesetzt. Kulturell will er sich ebenfalls weiter engagieren und vermutlich wird er auch als «Wanderprediger» unterwegs sein und in anderen Gemeinden für die Stelle eines Sportkoordinators werben, was ebenfalls Teil seines Jobs war.

Der Sport, insbesondere der Fussball, begleitete ihn lange. Er pfiff Spiele in der zweiten Liga und war Schiedsrichterassistent in der Nationalliga A. Er lächelt. «Auch da brach mein zudienendes Moment durch.»

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Autor

Thomas Wehrli

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