Verkehr

Das Fricktal steht unter Strom: Die Zahl der E-Tankstellen nimmt laufend zu

Die Zahl der Elektroautos steigt und damit auch der Bedarf an Stromtankstellen.

Die Zahl der Elektroautos steigt und damit auch der Bedarf an Stromtankstellen.

Diese Woche gehen in Stein zwei weitere Stromzapfsäulen in Betrieb. Immer mehr Firmen springen auf den E-Lade-Zug auf.

Die Zukunft fährt elektrisch: Jeder zweite Schweizer überlegt sich, in den nächsten Jahren ein Elektroauto zu kaufen. Dies zeigt eine Studie des Touring Club Schweiz. Nach Gründen gefragt, die (noch) gegen einen Kauf sprechen, nennen 50 Prozent die hohen Anschaffungskosten und 44 Prozent das zu löchrige Netz an Ladestationen.

Die Netz-Löcher werden allerdings kontinuierlich gestopft. Allein im Fricktal sind in den letzten Jahren über ein Dutzend Ladestationen an stark frequentierten Orten in den Dörfern dazugekommen. Jüngstes Beispiel ist Stein. Hier nimmt die Gemeinde in dieser Woche in Zusammenarbeit mit der Evpass SA und der AEW Energie AG zwei Ladestationen – eine beim Saalbau, die andere beim Sportcenter Bustelbach – in Betrieb.

«Die Idee ist, dass Lenkerinnen und Lenker von Elektrofahrzeugen, die in unserem Dorf einen Termin haben, einkaufen gehen oder sich sportlich betätigen, die Akkus der Autos in der Zwischenzeit aufladen oder zumindest zwischenladen können», teilt die Gemeinde mit.

Die Idee stamme von Mitgliedern der Energiekommission, erklärt Gemeindeschreiber Sascha Roth auf Nachfrage. Der E-Mobilität gehöre die Zukunft, ist sich Roth sicher. «Nachdem wir im Dorf drei traditionelle Tankstellen haben, ist es nur logisch, dass auch ein Angebot an E-Ladestationen sinnvoll ist.» Es sei auch ein Beitrag der «Energiestadt» Stein an eine ökologische Fahrzukunft.

Die Gemeinde hat sich deshalb an den Kosten beteiligt. Dazu hat sie 54'000 Franken ins Budget 2019 eingestellt. «Aufgrund der Attraktivität des Standorts beim Saalbau wurde diese Anlage durch die Betreiberin vollfinanziert. Beim Standort Bustelbach erfolgt eine Teilfinanzierung durch die Gemeinde», so Roth.

Am Stromverkauf verdient die Gemeinde nicht mit; der Betrieb läuft über die Evpass SA.
Weitere Ladestationen sind in Stein laut Roth derzeit nicht geplant. «Jetzt sollen zuerst einmal Erfahrungen gesammelt werden», so Roth. Bereits Erfahrungen gesammelt hat man in Rheinfelden: Hier sind aktuell sieben öffentliche Ladestationen in Betrieb.

Bei zwei – jenen auf dem Schützenhausparkplatz – ist die Stadt mit an Bord. «Die Stadt stellt die Parkierungsflächen zur Verfügung, während die AEW Energie AG die Ladeinfrastruktur erstellt hat und diese betreibt», erklärt Stadtschreiber Roger Erdin.

«Als Energiestadt möchte Rheinfelden einerseits die Elektromobilität fördern. Andererseits glauben wir auch, dass wir damit einen Beitrag an die Standortattraktivität leisten können», so Erdin. Nutzer von E-Fahrzeugen sollten die Möglichkeit haben, während ihres Besuchs im Städtli ihren Akku wieder aufzuladen.

Von 77 auf 418 Ladungen in Rheinfelden

Diese Möglichkeit wird auch immer reger genutzt. Verzeichnete die AEW 2017 (ab Mai) erst 77 Ladungen, waren es im letzten Jahr 295 und in diesem bis am Montag bereits 418. Insgesamt betreibt die AEW Energie AG laut Valerie Schwere im Fricktal sechs öffentliche Ladepunkte in Kaiseraugst, Rheinfelden und Frick; die AEW-Tochter Evpass weitere vier in Stein. Ein weiterer Ausbau ist laut Schwere über Evpass angedacht.

Die Entwicklung beobachtet man in Rheinfelden genau. Man behalte die Auslastung der bestehenden Ladeplätze auf dem Schützenparkplatz im Auge und «wir werden die Infrastruktur auch innert kurzer Zeit ausbauen können, sobald die Elektroauto-Dichte und damit das Bedürfnis steigen», so Erdin.
Ebenfalls auf den E-Zug aufgesprungen ist die Gemeinde Frick.

Die AEW Energie AG habe an zentraler Lage eine Möglichkeit gesucht, um zwei Elektro-Ladeplätze zu realisieren, sagt Gemeindeschreiber Michael Widmer. Fündig wurde man auf dem Widenplatz, wo Autofahrer seit Oktober Strom tanken können.

Das Land stellte Konditor Markus Kunz zur Verfügung. «Wer in Frick mit einem Elektro-Fahrzeug parkiert, soll dieses vor Ort laden können», begründet Widmer das Engagement der Gemeinde. Für Detailhandel und Gewerbe sei es wichtig, dass solche Ladestationen zentral in der Nähe liegen, damit die Kunden diese nutzen könnten.

Es verwundert denn auch wenig, dass immer mehr Detailhändler und Firmen mit Kundenfrequenz auf den E-Lade-Zug aufspringen. Lidl etwa betreibt bei seinem Laden in Oeschgen E-Tanksäulen, beim A3-Center in Frick lässt sich beim Shoppen ebenfalls nachtanken und Raiffeisen setzt ihre Kunden – oder besser: deren Autos unter Strom.

Widmer sieht noch einen Zusatzeffekt: Elektrofahrzeuge hätten digitale Anzeigen, die anzeigen, wo die nächsten Ladestationen liegen. «Es ist daher als positiver Nebeneffekt gut denkbar, dass das örtliche Gastgewerbe davon profitiert, wenn Frick extra angefahren wird, um die Batterie aufzuladen.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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