Buchband

Das Laufenburger Siechenhaus zwischen zwei Buchdeckeln

Autor Reto Bucher (links) und Kantonsarchäologe Thomas Doppler präsentieren den neusten Band in der Reihe Archäologie im Aargau.

Autor Reto Bucher (links) und Kantonsarchäologe Thomas Doppler präsentieren den neusten Band in der Reihe Archäologie im Aargau.

Der Autor Reto Bucher stellt seinen neuen Band der Reihe Archäologie im Aargau vor. Auftrag der Archäologie sei es, Historisches freizulegen und zu dokumentieren, sagt der Kantonsarchäologe Thomas Doppler.

Die Ausbreitung der gefürchteten Lepra erreichte im Spätmittelalter ihren Höhepunkt. Menschen, die von der damals unheilbaren Krankheit befallen waren, wurden von der gesunden Gesellschaft ausgeschlossen, sie waren «Aussätzige». Zum Schutz der übrigen Gemeinschaft wurden sie meist weit ausserhalb der eigentlichen Siedlungen in sogenannten Siechenhäusern untergebracht.

Aufschlussreiche Spuren eines solchen Siechenhauses kamen bei Ausgrabungen auf den ehemaligen Kraftwerkwiesen 2014 in Laufenburg zum Vorschein. Es handelt sich dabei um den Keller eines Siechenhauses. Über 4300 Funde, vornehmlich Gebrauchskeramiken, aber auch Tierknochen, Glas-, Eisen- und Bronzeobjekte wurden geborgen. Sie bieten einen einzigartigen Einblick in das Inventar eines Siechenhauses, das aus archäologischer Sicht noch wenig erforscht ist.

Der Auftrag der Archäologie sei es, Historisches freizulegen, zu erhalten, zu schützen und zu dokumentieren, um so Geschichte erfahrbar zu machen, erläuterte der Kantonsarchäologe Thomas Doppler an der Buch-Vernissage. Ebenso wichtig sei es, das erlangte Wissen an die Bevölkerung weiterzugeben, betonte er.

Buch im Rahmen einer Masterarbeit entstanden

Das Buch «Arme Siechen?» des Autors Reto Bucher, das im Zuge seiner Masterarbeit entstanden ist, sei genau in diesem Konsens angesiedelt. «Reto Bucher hat das Thema anschaulich zwischen zwei Buchdeckel gebracht», stellte Doppler fest.

Der Autor Reto Bucher, Bereichsleiter Mittelalter der Kantonsarchäologie Aargau, stellte in einer kurzen Präsentation die Inhalte des Buches vor. Er ging dabei auch auf die Situation der Lepra-Kranken und die Bedeutung des Wortes «Siechen» ein, welches noch heute im Sprachgebrauch zu finden ist. Bucher stellte auch Vergleiche mit der derzeit aktuellen, wenn auch anders gearteten Corona-Pandemie her, in der sich viele Menschen wie Aussätzige und Gefangene fühlten, wie er erläuterte.

Die Laufenburger Gemeinderätin Regina Erhard begrüsste im Namen der Stadt Laufenburg die vielen Gäste der Vernissage im trotz der Corona-­Pandemie nahezu vollbesetzten kleinen Veranstaltungsraum der Kultschüür. In ihrer kurzen Ansprache verwies sie auf den speziellen Ort des ehemaligen Siechenhauses, das den Flurnamen «Siechebifang» trägt und auf dem sich heute in mehreren Wohnblocks komfortable Wohnungen befinden.

Zweiter Band in der ­Archäologie-Reihe

Während sich die Aussätzigen damals oftmals ihr Essen bettelnd beschaffen mussten, wie Manuela Weber, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei der Kantonsarchäologie, bemerkte, konnten sich die Gäste der Buch-Vernissage im Anschluss an die Veranstaltung bei einem Apéro stärken.

Das 192 Seiten starke und reich bebilderte Buch ist von der Kantonsarchäologie Aargau her­ausgegeben worden. Es ist der zweite Band in der Reihe «Archäologie im Aargau».

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