Wahlen AG 2020

Das Phänomen Christoph Riner – der Wahlüberflieger im Fricktal

Christoph Riner wurde am Sonntag glanzvoll gewählt.

Christoph Riner wurde am Sonntag glanzvoll gewählt.

Der SVP-Grossrat aus Zeihen trocknete die Konkurrenz am Sonntag stimmenmässig ab. Er erreichte 4288 Stimmen. Weshalb ist das so?

Er ist der Wahl-Überflieger im Fricktal: Christoph Riner. Am Sonntag holte der 43-jährige SVP-Grossrat aus Zeihen 4288 Stimmen. Das sind 1781 mehr als Colette Basler (SP), die das zweitbeste Resultat im oberen Fricktal erzielte. Und das sind auch 1417 Stimmen mehr, als Parteikollegin Désirée Stutz holte, die im deutlich grösseren Bezirk Rheinfelden das beste Resultat aller Kandidierenden machte. Mit anderen Worten: Es liegen Wahl-Welten zwischen Riner und allen anderen Fricktaler Grossräten.

Wieso trocknete Riner alle ab? Die Erklärung für das «Phänomen Riner» ist mehrschichtig. Der offensichtliche Grund ist jener, dass Riner der SVP angehört, jener Partei also, die trotz Verlusten mit 32,6 Prozent nach wie vor die mit Abstand stärkste Kraft im oberen Fricktal ist. Damit hat Riner eine gute Stimmen-Grundausstattung. Das haben aber auch die anderen SVP-Kandidierenden im oberen wie auch im unteren Fricktal.

In der Partei äusserst beliebt

Der zweite, wichtige Grund liegt innerhalb der Partei. Riner wird parteiintern hoch geschätzt als Chrampfer, der durch seinen Einsatz auffällt und nicht durch laute Worte. Damit hebt er sich wohltuend von anderen Exponenten der Partei ab. «Er ist in der Partei äusserst beliebt», sagt Roger Fricker, der politische Ziehvater von Riner. «Er ist authentisch, man weiss bei ihm, woran man ist.» Und: «Er ist offen und weiss, wie Mehrheiten beschaffen», sagt Fricker, der viele Jahre selber für die SVP im Grossen Rat sass.

Diese Wertschätzung, dieses Wissen darum, dass Riner auf Parteilinie ist, dass er sich in Aarau insbesondere auch für die Anliegen der kleinen Regionen stark macht, dass er kämpft, dass er nicht schnell klein beigibt, dass er kein Fähnchen im Wind ist, führte dazu, dass sein Namen auf den meisten SVP-Listen doppelt auftaucht.

3353 Stimmen holte er auf veränderten Listen, 2303 davon auf seiner eigenen – und ist damit der klare Panachierkönig im Fricktal. Dabei schrieben nicht nur SVP-Wähler Riner auf ihren Wahlzettel. Bei der FDP holte er 124 Stimmen, bei der CVP sogar 223. Und selbst im linken Lager gilt er nicht bei allen Wählern als unwählbar: 50 Stimmen bekam er über die SP-Liste.

Er ist bodenständig

Riner gelingt es, die Reihen hinter sich zu schliessen. Während viele Kandidierende oft nur in ihrem näheren Wohnumkreis gute Resultate erzielen, machte der SVP-Politiker – dies ein dritter Grund für seinen Erfolg – in allen Gemeinden eine gute Figur. Am meisten holte er in den beiden grössten Gemeinden, Frick und Gipf-Oberfrick, am drittmeisten in Zeihen, seiner Wohngemeinde.

Wie erklärt sich Riner seinen Erfolg? «Offenbar schätzen es die Leute, wie ich mich für das Fricktal einsetze», sagt er und in diesen Worten schwingt die Eigenschaft mit, die ihn vielen sympathisch macht: eine Portion Bescheidenheit, eine Sachorientierung. Statt eines Egoboosters treibt ihn die Politik an und um. Riner hat im Wahlkampf einen Ausdruck für sich gebraucht, der ihn gut umschreibt: er ist bodenständig.

Die Wahl sei auch eine Verpflichtung, sagt Riner. Er wolle weiter so wie bisher politisieren. Vielleicht dereinst auch in Bern. Bei den Nationalratswahlen vor einem Jahr erzielte er ein gutes Ergebnis – und ist derzeit erster Ersatz.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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