Raiffeisenabzug
Dass auch der Bankomat weg ist, sorgt für Unmut in Zeihen

Nach dem Raiffeisenabzug in Zeihen macht sich der Unmut breit – einen neuen Bancomaten gibt es nur, wenn sich die Gemeinde beteiligt.

Dennis Kalt
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Raiffeisen hat die Beratungsbank in Zeihen geschlossen und den Bancomaten Mitte Dezember zurückbauen lassen.

Raiffeisen hat die Beratungsbank in Zeihen geschlossen und den Bancomaten Mitte Dezember zurückbauen lassen.

Claudia Meier

Bei so manchem Zeiher ist der Glaube an das Narrativ der Raiffeisenbank – «der Bank vor Ort» – erschüttert. Der Grund: Die Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal schloss Mitte Dezember ihr Beraterbüro in Zeihen und entfernte gleichzeitig den Bancomaten. Der Unmut darüber entlud sich an der «Gmeind», in der die Wogen hochgingen. «Für eine Bank, die sich Kundennähe auf die Fahne schreibt und für viel Geld Werbebroschüren druckt, ist dieser Entscheid schwer verständlich. Die Bank sollte sich gut überlegen, was ihr die gelebte Kundennähe wirklich wert ist», sagte etwa ein Stimmberechtigter (die AZ berichtete).

Anwesend an der Versammlung war auch Leopold Loretan, der in Zeihen wohnt und gleichzeitig Vizepräsident des Verwaltungsrates der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal ist. Er versuchte, den Entscheid zum Rückbau des Bancomaten gegen die Kritik zu verteidigen. Dabei sagte er, dass die Raiffeisenbank vor allem an den Bancomat-Bezügen von Nicht-Raiffeisenkunden verdiene, und von denen gebe es in Zeihen zu wenige.

«Das kam bei vielen nicht gut an», sagt etwa der Zeiher Tobias John. Denn dies bedeute im Umkehrschluss, dass Zeihen zu viele Raiffeisen-­Kunden habe und man den ­Bancomaten daher entfernen müsse. Benedikt Hossli, der in Zeihen einen Landwirtschaftsbetrieb führt, doppelt nach: «Somit wird Kundentreue nicht belohnt, sondern bestraft.»

Loretan hält diese Deutung seiner Aussage für unzutreffend. Womöglich habe er sich in der Hitze des Gefechts unglücklich ausgedrückt. Der Hauptgrund für das Defizit sei jedenfalls, dass man insgesamt zu wenige Bezüger habe, stellt Loretan klar. «Dass darunter dann halt auch insgesamt zu wenig Fremdbezüger sind, ist nur noch ein Tröpflein auf den heissen Stein.»

Gemäss Marc Jäger, Vorsitzender der Bankleitung, zählt der Zeiher Bancomat mit rund 14000 Transaktionen weniger als die Hälfte jener, die am Gerät in Bözen gemacht werden, und weist das mit Abstand geringste Transaktionsvolumen im Geschäftsgebiet auf. Der jährliche Betriebsverlust von rund 20000 Franken sei aber nicht der treibende Grund für den Rückbau des Gerätes gewesen. «Vielmehr wäre der Weiterbetrieb am aktuellen Standort ohne zusätzliche bauliche Anpassungen in Form eines neuen, separaten Zugangs gar nicht möglich gewesen», so Jäger.

«Gewisse Unzufriedenheit ist spürbar»

John findet, dass eine Bank, die mit dem genossenschaftlichen Charakter wirbt, auch ein solches Defizit für den Dienst an ihren Kunden ertragen sollte. «Verlangen kann man von der Bank nicht, dass sie den Bancomaten weiterbetreibt.» Jedoch würde sich nun der eine oder andere fragen, ob es für ihn noch die richtige Bank sei. «Ein gewisse Unzufriedenheit ist spürbar», sagt John. Dies wird auch in den Worten von Hossli deutlich. «Die Werte der Raiffeisengenossenschaft wurden verwässert und mit Füssen getreten.»

Jäger kann den Frust der Kunden verstehen. «Selbstverständlich ist der Abbau von In­frastruktur und die damit verbundene Anpassung von Gewohnheiten schmerzhaft», sagt er. Reaktionen von Kunden würde man sehr ernst nehmen und diese in der Geschäftsleitung alle persönlich beantworten.

Dabei weise man immer darauf hin, dass der nächste Bancomat und die nächste Geschäftsstelle innerhalb von höchstens zwölf Fahrminuten erreichbar sind. Zudem könnten sich Kunden in Zeihen, die nicht mehr so mobil sind, Bargeld kostenlos per Post nach Hause schicken lassen. «Näher geht kaum», sagt Jäger.

Dass es dereinst wieder einen Bancomaten in Zeihen geben wird, ist nicht ausgeschlossen – sofern sich die Gemeinde mit einem Anteil am Defizit beteiligt oder die notwendige Basisinfrastruktur beisteuert, so Jäger. Eine Beteiligung der Gemeinde an einem sich nicht selbst tragenden Bancomaten erachtet er als fair, weil sich Raiffeisen allen Genossenschaftern und Gemeinden ihres Einzugsgebiets gleichermassen verpflichtet fühle. Ansonsten wäre es ein «Service public», der zu Lasten anderer Gemeinden und Genossenschaftern quersubventioniert werden müsse. «Unfair für alle anderen», findet Jäger.

Laut Gemeindeammann Christian Probst laufen derzeit Verhandlungen für einen neuen Standort. Ob und inwiefern sich die Gemeinde an einem Bancomaten beteiligen möchte, sei ebenfalls Gegenstand dieser Gespräche.