Gipf-Oberfrick

Der Bözberg hat viele Geheimnisse - Kaspar Lüscher ist ihnen auf der Spur

Freut sich auf die Premiere seiner neuen Geschichtenwanderung «Der verletzte Berg»: Kaspar Lüscher.

Freut sich auf die Premiere seiner neuen Geschichtenwanderung «Der verletzte Berg»: Kaspar Lüscher.

Die neue Geschichtenwanderung des Gipf-Oberfricker Autors und Schauspielers Kaspar Lüscher dreht sich um den Bözberg. Eine Spurensuche bei Autor und Schauspieler Kaspar Lüscher.

Seine Geschichten berühren, regen zum Nachdenken an, wandern zwischen Kopf und Herz hin und her und sind immer auch Geschichte: Kaspar Lüscher versteht es, die Zuhörer mit seinen Geschichten zu fesseln.

Am Samstag tut er es wieder. Wandernd. Auf der rund zweistündigen Geschichtenwanderung auf dem Bözberg zeigt er an sieben Stationen, wie er den Berg erlebt, wie er ihn nach vielen Gesprächen mit Menschen, die den Berg gut kennen, nach der Lektüre von Beiträgen, die ihn beschreiben, wahrnimmt.

«Als ich mit der Recherche begann, hatte ich ein rein äusseres Wissen über den Berg», sagt der Gipf-Oberfricker. Die Linner Linde kannte er, die Römerstrasse, das Sagimülitäli, die Diskussionen um das Endlager für radioaktive Abfälle. «Aber mir war nicht bewusst, wie gross die Bedeutung des Berges ist.» Auch nicht, wie verletzlich er ist; Lüscher nennt die Geschichtenwanderung denn auch «Der verletzte Berg».

Das ist bei Elisabeth Burgener ganz anders. Die SP-Grossrätin aus dem gleichen Dorf wie Lüscher ist seit ihrer Kindheit mit dem Bözberg vertraut. Der Berg rief sie schon als Kind – respektive die Verwandtschaft. Ihre Tante wohnte auf dem Bözberg, sie war viel wandernd auf ihm unterwegs. Für das Lehrerseminar musste sie fast jeden Tag über den Berg und heute macht ihr Sorgen, was in den Berg soll: Burgener ist Vorstandsmitglied des Vereins «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib), der sich gegen ein Endlager wehrt.

Die 59-Jährige lacht, wie sie von ihrer Zeit im Seminar erzählt. «Ich sagte mir damals: Nie wieder Brugg, nie wieder in diese Nebelsuppe.» Zehn Jahre später war sie beruflich zurück in Brugg. «Der Bözberg zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben», bilanziert sie.

Burgener schenkte sich die Geschichtenwanderung

Burgener ist auch die Mutter der Bözberg-Geschichtenwanderung. Sie finde die Geschichten von Lüscher einfach toll und habe sich vor ein paar Jahren gesagt: «Eine Geschichtenwanderung schenke ich mir selber einmal.» Dann, vor gut einem Jahr, habe es bei einer Wanderung auf dem Bözberg klick gemacht. Sie wusste: Die Geschichtenwanderung muss den Bözberg zum Thema haben. Burgener kontaktierte Lüscher, man traf sich, redete, fand sich und schloss einen Vertrag.

«Bei der Geschichtenwanderung geht es nicht um mich», das ist Burgener wichtig. «Es geht um den Berg.» Auch ihr Engagement bei Kaib sei nicht die primäre Motivation für die Wanderung, betont sie.

Die Geschichtenwanderung gehört denn auch nicht ihr; sie hat sie initiiert und für zwei Wanderungen – am 12. September und am 11. Oktober – bezahlt, das Copyright aber bleibt bei Lüscher, der bereits rund zehn solcher Geschichtenwanderungen geschrieben hat.

Für alle, die nun finden «Das wär’s!» hat Burgener eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Die Geschichtenwanderung morgen Samstag ist ausgebucht, jene am 11. Oktober nahezu. Hier haben zudem Kaib-Mitglieder Vorrang. Die gute Nachricht: Weitere Geschichtenwanderungen auf dem Bözberg sind zusammen mit Partnerorganisationen in Vorbereitung.

Mit seiner Recherche über den Bözberg begann Lüscher Anfang Jahr. Er las, unter anderem das Buch «Leben auf dem Bözberg» von Max Baumann, kontaktierte Leute, sprach mit ihnen, bekam weitere Bözberg-­Kenner vermittelt. «So entstand mit der Zeit ein Netz von Informationen», erzählt Lüscher. Aus diesen Informationen wob er seine Geschichten, band sie an konkrete Orte auf dem Bözberg zurück, probierte die Geschichten aus, verfeinerte sie. Aus der Geschichte wurden Geschichten.

Recherche vor dem ­Lockdown abgeschlossen

Er habe Glück gehabt, dass er mit der Recherche im März fertig war – gerade noch rechtzeitig vor dem Lockdown. Diesen nutzte er zum Schreiben der Wanderung und zur Arbeit an weiteren Projekten.

«Es ist meine Wahrnehmung des Berges», betont ­Lüscher. Diese wolle er vermitteln, durch die Wanderung sollen die Mitwanderer eine Beziehung zum Ort aufbauen können. Ansprechen will er mit seiner Geschichtenwanderung Menschen von auswärts ebenso wie Menschen, die bereits einen Bezug zum Bözberg haben.

Da kann es durchaus vorkommen, dass jemand eine weitere Geschichte weiss oder die Geschichte anders in Erinnerung hat. «Dann gibt das ein angeregtes Gespräch», sagt Lüscher. Nach der Wanderung, denn während der Aufführung gehört die Naturbühne ihm.

Auf die Wanderungen freut sich Burgener riesig. Sie ist gespannt. Auf die Geschichten, die Menschen – vor allem darauf, sich von dem Gehörten berühren zu lassen. Der Berg ruft.

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