Oberhof

Der Frühstarter mit Marathonqualitäten: Markus Liebi will für die SVP in den Grossen Rat

Seit Januar sitzt der SVP-Kandidat im Gemeinderat von Oberhof.

Seit Januar sitzt der SVP-Kandidat im Gemeinderat von Oberhof.

Bereits mit 14 Jahren nahm er an einem Parteitag der SVP teil. Nun kandidiert Markus Liebi im Bezirk Laufenburg als Grossrat. Seine Chancen sind, trotz zweitem Platz auf der Parteiliste, intakt.

Er ist eines der grossen Polittalente in der SVP: Markus Liebi, 26, Informatikstudent, Unternehmer, neuer Wahlkampfleiter der SVP Aargau und seit Januar Gemeinderat in Oberhof.

Eine Blitzkarriere. Und sie geht weiter, vielleicht schon in diesem Herbst. Liebi kandidiert da für den Grossen Rat – und hat gute Chancen, den zweiten SVP-Sitz, der nach dem Verzicht von Tanja Primault frei wird, zu übernehmen. Dass die SVP diesen Sitz verteidigen wird, daran zweifelt niemand – auch nicht, dass Liebi das Format zum Grossrat hat. Die Konkurrenz allerdings ist nicht von schlechten Eltern.

Entgegen kommt Liebi sein Listenplatz. Er steigt als Nummer zwei ins Rennen, gleich hinter dem Bisherigen Christoph Riner. Die Ausgangslage sei gut, sagt Liebi, auch weil er bereits je zweimal für den Gross- und den Nationalrat kandidiert habe.

Von Onkel inspiriert

Liebi, der Frühstarter mit Marathonqualitäten, der durch seinen Onkel, Roger Fricker, langjähriger Grossrat und Gemeindeammann von Oberhof, politisiert wurde. Dieser wohnt gleich nebenan und nahm ihn, 14-jährig, zum ersten Mal an einen Parteitag der SVP Schweiz mit.

Es sei eindrücklich gewesen, so Liebi, der betont: «Es gab von keiner Seite je Druck, dass ich in die SVP gehe.» Er habe aber schnell gespürt, dass die SVP zu ihm passe. Gerade in Neutralitäts-, Unabhängigkeits- und Sicherheitsfragen fühlt sich der Oberleutnant, der in diesem Jahr die Ausbildung zum Kompaniekommandanten macht, in der SVP zu Hause. Unabhängigkeit heisse nicht, keine (Wirtschafts-)Beziehungen zu anderen Ländern zu haben, betont Liebi.

Selber verortet er sich innerhalb der SVP als eingemittet, mit leichtem Linksdrall in gesellschaftspolitischen Fragen. So ist er beispielsweise bei der Ehe für alle nicht auf Parteilinie. Aufgefallen ist sein Talent auch der Parteispitze. Im letzten Jahr sass er bei den Nationalratswahlen für die JSVP in der Wahlleitung. Er machte einen guten Job, und so fragte ihn die Parteileitung an, ob er den Wahlkampf bei den Grossrats- und Regierungsratswahlen nicht leiten wolle. Er wollte und übernahm, «mit einer Portion Respekt».

Das Amt als Wahlkampfleiter, in dem er (fast) rund um die Uhr telefonisch erreichbar sein will, wird ihm den einen oder anderen Auftritt in den Medien bescheren, das ist sich Liebi bewusst. Dass er davon bei seinem eigenen Wahlkampf profitiert, könne sein, sagt er. Er will beides aber nicht vermischen. Er habe die anderen Kandidaten gefragt, ob die Doppelfunktion für sie ein Problem sei, erzählt Liebi auf dem Balkon des Elternhauses. Ist es nicht.

Den Wahlkampf wollen die sieben SVP-Kandidaten aus dem Bezirk zusammen führen. Die Liste sei ausgewogen, sagt Liebi – und weiss um das grosse Manko: Es kandidiert keine Frau. «Das ist schlecht, aber erzwingen kann man es nicht.»

Ein Pragmatiker und stiller Schaffer

Liebi ist Pragmatiker, einer, der zuerst denkt und dann spricht. Das ist nicht bei allen Politikern der Fall. Er sei analytisch stark, der ruhige Typ, stets freundlich und zuvorkommend, beschreiben ihn Leute, die ihn kennen. Er sei ein stiller Schaffer, sagt Liebi von sich selber – immer auf der Suche nach «möglichst einfachen Lösungen, die für alle passen».

An der ETH hat er gelernt, zuzuhören, kritisch zu hinterfragen und faktenbasiert zu entscheiden. «Dadurch wirke ich manchmal etwas wenig menschlich», sagt er. Was er nicht sei, sagen jene, die ihn kennen.

Liebi trat zuerst der SVP bei, erst später der JSVP. Hier hat er als Vize zusammen mit Präsident Alain Bütler viel Aufbauarbeit geleistet. Die Jungparteien seien ein perfektes Lernfeld, findet Liebi. Man könne ohne Druck ausprobieren, was funktioniere, könne das Handwerk von der Pike auf lernen.

Buchhaltung als Hobby

Er hat es gelernt. Und: Das Tüfteln liegt ihm ohnehin. Zusammen mit seinem Bruder hat er sich einen Laser-Cutter angeschafft. Personalisierte Werbung wollen sie herstellen, ausprobieren, was geht und was nicht. Liebi, der neben dem Schiessen Buchhaltung als Hobby angibt, ist ein Technikfreak. Doch selber setzt er diese Technik im Wahlkampf nur verhalten ein. Auf Social Media macht er fast nichts. «Mir ist die Zeit zu schade, ich setze sie lieber produktiver ein.»

Sich selber räumt er «ganz gute» Chancen ein. «Wenn es nicht klappt, geht das Leben weiter», sagt er, lacht. «Ich bin ja noch jung und habe – hoffentlich – noch Zeit.» Das hat er.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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