Frick

Der Rhein, die Aare und die Reuss gelten als Autobahnen von einst

Thomas Färber (r.) referierte auf Einladung von David Wälchli über die Flüsse als Verkehrsachsen im Mittelalter – und die Parallelen zur heutigen Zeit. hcw

Thomas Färber (r.) referierte auf Einladung von David Wälchli über die Flüsse als Verkehrsachsen im Mittelalter – und die Parallelen zur heutigen Zeit. hcw

Die Flüsse waren in Mittelalter und früher Neuzeit die Autobahnen für den Handel. Mit dieser These überraschte Historiker Thomas Färber bei einem Referat im Kornhauskeller.

Dass der Rhein und seine Nebenflüsse Aare, Reuss und Limmat viel befahrene Wasserstrassen waren, wussten die Mitglieder der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde, auf deren Einladung Historiker Thomas Färber am Donnerstag im Kornhauskeller sprach, schon. Dass der Warenverkehr per Schiff und Boot aber derlei Ausmasse hatte und das über Jahrhunderte hinweg, war dann doch neu.

Als Nichtschwimmer unterwegs

Färbers Verdienst ist es, früher erschienene Untersuchungen über Teilaspekte des Phänomens und einzelne Passagen zu einer Gesamtschau zusammengetragen zu haben, von Schaffhausen bis Basel entlang des Rheins unter Einbezug der wichtigsten Zuflüsse. Seine zentrale These: Beim Transport von Waren und Menschen von der Römerzeit bis ins 19. Jahrhundert hatte der Wasserweg stets den Vorrang – und das sowohl flussab- wie auch flussaufwärts.

Die Flüsse, Färber schickte es voraus, waren seinerzeit wild, verschlungen und tückisch. «Dennoch zogen sie unsere Vorfahren als Verkehrswege den schlecht ausgebauten und unsicheren Landrouten vor, auch wenn die meisten nicht schwimmen konnten und bei Unglücken ertranken», so der Historiker.

Flüsse waren die Lebensadern von Wirtschaftsräumen, die sich immer enger miteinander verflochten. Auf ihnen spiegelte sich die ganze Buntheit damaliger Gewerbezweige. Wie die Lastwagen sich heute auf der Autobahn aneinanderreihen, schnürten sich in früheren Zeiten Kähne und Weidlinge aneinander – voll beladen mit Salz, Holz, Eisenerz, Getreide und Wein.

Laufenburg und seine Knechte

Und noch eine Parallele zu modernen Zeiten tat sich in Färbers Referat auf: Zusammengepfercht auf unsicheren Kähnen schipperten im 19. Jahrhundert Schweizer Auswanderer zuerst auf Flüssen Freiheit und Wohlstand entgegen – so wie heute Flüchtlinge aus Afrika auf dem Mittelmeer.

Ganze Berufszweige entstanden und hatten ihre Daseinsberechtigung allein im Umstand, dass grosse Warenmengen auf dem Rhein transportiert wurden. In Zurzach, damals Messeort von überregionaler Bedeutung, waren es die Stüdler, in Laufenburg die Laufen-knechte und weiter flussabwärts die Rheingenossen.

Färber zeigte vor rund 70 Zuhörern auf, wie exklusiv deren Dienstleistung, das Umfahren gefährlicher Stromschnellen, über Jahrhunderte hinweg war – bis Eisenbahn und Elektrizität kamen. Die Schiene machte den Transport via Fluss unnötig. Die Kraftwerke mit ihren Wehren hinderten vor allem die Flosse am Durchkommen. Ein einst grosser Wirtschafts- und Gewerbezweig verschwand. Obwohl – eine gewisse Aktualität hatte Färbers Thema erneut: Gibt es doch Bestrebungen, die notorisch vollen Fernstrassen der Region durch eine Wiederbelebung des Hochrheins als Schifffahrtsweg zu entlasten. Wäre da nicht der Schaffhauser Rheinfall im Weg.

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