Laufenburg
Der Selbsttest: So schwierig ist es, in Quartieren nur mit 30 km/h zu fahren

Seit Mitte November gilt in Laufenburg Tempo 30 in allen Quartierstrassen südlich der Bahn und östlich der Altstadt. Eine Testfahrt durch die 30er-Zonen-Strassen zeigt: Das Langsamfahren erfordert eine hohe Konzentration.

Susanne Hörth und Noemi Laux
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Die auf der Fahrbahn platzierte Tafel bremst ab. Das 30er-Schild in Laufenburg, von Kaisten herkommend, steht unmittelbar nach der Rechtskurve zum Oberstufenschulhaus Blauen. Durch die Tafel zum Abbremsen oder bei Gegenverkehr gar zum Anhalten veranlasst, weiss der Verkehrsteilnehmer spätestens jetzt, dass in diesen Laufenburger Quartiersstrassen das Tempo auf 30 Stundenkilometer beschränkt ist. Seit dem 16. November des zurückliegenden Jahres gilt diese Geschwindigkeitsbeschränkung in allen Quartierstrassen südlich der Bahn und östlich der Altstadt.

Soll Tempo 30 auf Gemeindestrassen eingeführt werden, stösst das nicht selten auf Widerstand aus der Bevölkerung. Jeder Verkehrsteilnehmer weiss, dass schon bei gefahrenen 40 statt der erlaubten 30 Stundenkilometer der Führerschein weg sein kann.

René Leuenberger, Laufenburg «Tempovorschriften dienen dazu, das Miteinander von Wohnen und Verkehr sicher zu gestalten. Das Problem sind dabei immer einzelne Verkehrsteilnehmer, die eine Quartierstrasse als Rennbahn benutzen.»
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Patricia Scianna, Laufenburg «Ich stehe absolut hinter der Einführung dieser neuen Zonen. Gerade für Kinder sind die Strassen hinter dem Bahnhof ohne Fussgängerstreifen wirklich gefährlich. Ich glaube, dass der Grossteil tatsächlich langsamer fährt.»
Jonas Erhard, Kaisten «In unübersichtlichen Quartieren, in denen man schnell anfahrende Autos oft bis zum Schluss gar nicht bemerkt, finde ich Tempoeinschränkungen absolut sinnvoll. Man sollte es einfach nicht übertreiben. »
Deborah Lo Pumo, Laufenburg «Ich habe selber zwei kleine Kinder und bin froh, dass die Behörde endlich etwas zur Sicherheit unternommen hat. Ich wohne seit meinem 12. Lebensjahr in Laufenburg und stelle fest, dass der Verkehr seither enorm zugenommen hat.»
Alois Schmelzer, Laufenburg «Man muss in einem Wohnquartier nicht schneller als 30 fahren. Auch wenn man jetzt neu an einigen Orten nicht mehr so aufs Gas drücken kann, kommt man im Schnitt bestimmt nicht weniger schnell von A nach B.»

René Leuenberger, Laufenburg «Tempovorschriften dienen dazu, das Miteinander von Wohnen und Verkehr sicher zu gestalten. Das Problem sind dabei immer einzelne Verkehrsteilnehmer, die eine Quartierstrasse als Rennbahn benutzen.»

Noemi Laux

Unterwegs mit Tempo 30

Wie schwierig ist es, in den Laufenburger Quartierstrassen, nicht schneller als erlaubt unterwegs zu sein? Ein Selbsttest der az-Redaktorin am Dienstag war gleichermassen interessant wie aufschlussreich. Dass Tempo 30 gilt, wird der Autolenkerin nicht nur durch die eingangs erwähnte Tafel – solche stehen übrigens auch an verschiedenen Einfahrten zu den Quartiersstrassen, signalisiert. «Die Schilder sind wirklich nicht zu übersehen und klar sichtbar platziert», sagt der Kaister Jonas Erhard dazu.

In Laufenburg wurde vor der Einführung der Tempolimite viel weisse Farbe in den Quartierstrassen verwendet. Gross und sichtbar steht die Zahl 30 scheinbar in jeder noch so schmalen Seitenstrasse auf den Asphalt geschrieben. Als weitere Verkehrsberuhigungsmassnahme stehen zudem in einigen Strassen zudem grosse Blumentröge. Etwas verspannt sitzt die az-Testerin schon hinter dem Steuer ihres Autos. Das Radio hat sie sicherheitshalber ausgeschaltet, nichts soll von der Strasse ablenken.

Ein Blick auf den Tacho verdeutlicht, die erlaubte Geschwindigkeit ist bei angezeigten 20 Stundenkilometer noch nicht erreicht. Der Druck auf das Gaspedal wird also sanft erhöht. Scheinbar immer noch zu langsam – ein nachkommendes Auto überholt. Mühelos mit der Geschwindigkeit des Autos mithalten, kann ebenfalls ein in die gleiche Richtung fahrender Velofahrer.

«Meistens fahren die Anwohner zu schnell, weil sie sich auskennen und nicht Fremde, die eher auf die Strassenschilder achten», sagt dazu auch René Leuenberger. Diesen Eindruck teilt ebenfalls Alois Schmelzer aus Laufenburg: «Ich denke, Auswärtige haben eher Probleme, sich an das Limit zu halten, weil sie die Strassen nicht kennen und sich oft auf anderes konzentrieren.»

Statt mit dem Auto zu Fuss

Bei der Langsamfahrt durch die Laufenburger Strassen (in der Altstadt gilt sogar Tempo 20) wird der Gedanke stärker, dass, statt das Auto innerhalb der Gemeinde zu nutzen, auch ein Gang zu Fuss Sinn machen würde. «Vielleicht führt das neue Reglement ja auch dazu, dass die Leute innerhalb eines Quartiers eher mal zu Fuss gehen, anstatt für jeden Meter ins Auto zu steigen», ist dazu auch Alois Schmelzer überzeugt.

Mehr Verkehrssicherheit

Je länger die Testfahrt durch Laufenburg dauert, desto öfter muss sich die Autolenkerin wieder auf die erlaubten 30-Stunden-Kilometer konzentrieren. Und nicht etwa, weil sie zu schnell fährt, im Gegenteil. Eine erhöhte Aufmerksamkeit widmet die Fahrerin dem Geschehen links und rechts der Strasse. So sieht sie schon von Weiten den Buben, der mit seinem Fahrrad zwischen zwei parkierten Autos herausfahren will. Oder auch die Frau mit dem Hund, die ohne zu schauen vom Trottoir aus auf die Fahrbahn laufen. Ein abruptes Bremsen ist nicht nötig.

Hier bestätigt sich, dass die reduzierte Geschwindigkeit zu mehr Sicherheit insbesondere für die schwächeren Verkehrsteilnehmer führt. Noch mehr Sicherheit wünscht sich die Laufenburgerin Deborah Lo Pumo: «Ein nächster Schritt wäre ein Fussgängerstreifen auf der anderen Seite der Bahnlinien. Schon seit Jahren kämpfen wir darum, bisher leider erfolglos.» Ein erster Schritt ist mit Tempo 30 bereits getan.

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