Hornussen
Die älteste Seifenfabrik stand schon vor dem aus: Doch jetzt sucht Mettler das China-Geschäft

Die älteste Seifenfabrik der Schweiz in Hornussen stand schon vor dem Aus, doch jetzt hat sie eine neue Zukunft.

Hans Christof Wagner
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In Hornussen werden wie vor 90 Jahren ausschliesslich Stückseifen produziert, darunter die mit Glycerin.

In Hornussen werden wie vor 90 Jahren ausschliesslich Stückseifen produziert, darunter die mit Glycerin.

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Als Tümer Gülfidan vor 25 Jahren bei Mettler Seifen in Hornussen anfing, waren sie noch eine grosse Familie von rund 80 Angestellten. «Ich bin die dienstälteste Mitarbeiterin. Ich mag diesen Job wirklich, aber ich hatte auch oft Angst, ihn zu verlieren», sagte Gülfidan im November gegenüber Swiss Info, dem Nachrichten- und Informationsplattform der Schweiz im Internet.

Sehr real war die Gefahr 2019, als der Standort Hornussen, fünf Jahre, nachdem er an den in Henniez (VD) ansässigen Kosmetikhersteller Sodecos SA verkauft worden war, auf der Kippe stand. Zuletzt vier Mitarbeiter mussten um ihre Jobs bangen. Nicht zuletzt die Kunden des an die Seifenfabrik angeschlossenen Ladengeschäfts sahen die Möglichkeit schwinden, sich vor Ort mit den Hygiene-Produkten made in Switzerland einzudecken. Heute sagt Ines Lachetta, Verkaufsmanagerin und Sprecherin des Unternehmens für die Deutschschweiz: «Der Standort Hornussen stand 2019 nicht wirklich auf der Kippe. Eine Schliessung hat nie im Raum gestanden.» Man habe die Produktion lediglich für zwei Monate gestoppt, um die Maschinen instand zu setzen und zu erneuern, sagt Lachetta. Es sei stets «an Lösungen gearbeitet worden, in Hornussen zu bleiben», berichtet sie – schon allein aus Respekt vor der inzwischen mehr als 90-jährigen Firmengeschichte.

Die hatte im Fricktal ihren Anfang genommen, nachdem 1929 Gotthilf Mettler die Hornusser Seifenfabrik gründete. Aushängeschild von Anfang an: die als besonders hautschonend und hochwertig geltende Glycerinseife. Sie wird nach wie vor ausschliesslich in Hornussen produziert, so, wie sämtliche Stückseifen aus Fricktaler Produktion stammen, wie Lachetta unterstreicht. Aber vielleicht entsprang das Bekenntnis zu Hornussen auch nur dem eher schlichten Umstand, dass die dortigen Produktions- und Verpackungsmaschinen zu sperrig und zu schwer waren, sie abzubauen und anderswohin zu verfrachten. Womöglich wollte Sodecos auch nicht auf das Fachwissen Gülfidans verzichten, das auch für Lachetta «unbezahlbar» ist.

Coronahandhygiene bringt die Wende

Tatsache ist: Als mit Ausbruch der Coronapandemie im Februar/März die Anforderungen ans Händewaschen stiegen, war auch der Standort Hornussen über den Berg. Andauerndes Händewaschen trocknet die Haut aber auch aus. Wenn die Seife mit dem feuchtigkeitsspendenden Glycerin versehen ist, ist das jedoch nicht der Fall. Es ist die Chance für Hornussen, auch wenn die Produktionszeit mit einer Woche vergleichsweise lang ist. Aber Pflegeprodukte boomten generell und wenn dann noch «vegan» und «Swiss made» auf der Verpackung stehen, sei die Nachfrage da, sagt Lachetta. Und das nicht nur in der Schweiz, sondern auch in China, woher der Geschäftsmann und Sodecos-Inhaber Hai Tak Yip stammt und wohin das Unternehmen 2021 expandieren will. Aber es ist nicht nur Seife made in Hornussen, wo der Name Mettler explizit draufsteht. Das Unternehmen produziert in Lohnherstellung auch für andere Marken in grosser Stückzahl.

Nicht bange um den ­Standort Hornussen

So ist es Lachetta auch nicht um den Sodecos-Standort Hornussen bange, sollte der mit Corona verbundene Hygiene-Hype eines Tages wieder abflauen. Sie sagt: «Wir haben vor Corona schon produziert und werden es auch danach noch tun.» Neu­einstellungen werde es zwar keine geben. Aber: «Mit dem vorhandenen Team sind wir gut aufgestellt», so Ines Lachetta.