Kaisten

Die eigene Kunst geriet ins Hintertreffen – öffentliche Aufträge hielten Bildhauer über Wasser

Der Kaister Bildhauer Daniel Waldner hat mit Aufträgen alle Hände voll zu tun – 2022 aber gibt es eine Ausstellung.

Daniel Waldner hat soeben ein Gestell, das im Rehmann Museum in Laufenburg platziert werden soll, fertig gebaut. Eine vergleichsweise kleine und einfache Arbeit, für die der Kaister jedoch dieselbe Sorgfalt wie für erheblich grössere und repräsentativere Werke an den Tag gelegt hat. Eines davon befindet sich auf dem Friedhof Äsple in Kaisten: die Skulptur für die Grabstätte der Sternenkinder. Sie besteht aus einer zwei Zen- timeter starken Stahlplatte, auf der herausgeschnittene Sterne so arrangiert sind, dass sie einen Sternenhimmel bilden. «Der gerundete Sockel hebt das Grabmal etwas vom Boden ab und ermöglicht eine Fläche für Bestattungen», beschreibt der Bildhauer das Werk.

Daniel Waldners Skulptur auf dem Friedhof Äsple in Kaisten erinnert an die Sternenkinder.

Daniel Waldners Skulptur auf dem Friedhof Äsple in Kaisten erinnert an die Sternenkinder.

Waldner setzt seine Ideen Schritt für Schritt um, von der Zeichnung oder Skizze bis zum Modellbau macht er alles selbst. Wobei er das Modell vorzieht, weil er während der Arbeit daran die technischen Herausforderungen erkennt. Hinzu kommt das spielerische Element: «Man kann das Modell herumschieben und verfeinern», erklärt er.

Die Skulptur für die Grabstätte der Sternenkinder – eine Bezeichnung für Kinder, die vor, während oder bald nach der Geburt verstorben sind – ist nur ein Teil, den der 56-jährige Bildhauer auf dem Kaister Friedhof realisiert hat. Über einen Zeitraum von drei Jahren hat er im Auftrag der Miss-Merkofer-Stiftung Aufwertungsmassnahmen an der Anlage entwickelt.

Dazu gehörten unter anderem eine neue Wegführung, sechs neue Sitzbänke sowie ein Brunnen. Die Ausführung erfolgte zwischen November 2019 und Mai 2020, die Einweihung fand Anfang September statt. Einen Monat später erfolgte die nächste Einweihung eines Gemeinschaftsgrabs auf dem Friedhof in Wölflinswil, ebenfalls von Waldner konzipiert und realisiert. Für dieselbe Anlage soll er auch ein Sternenkinder-Denkmal erschaffen.

Die öffentlichen Aufträge halten ihn über Wasser

Daniel Waldner war während der Coronapandemie gut beschäftigt. Die für viele Künstler negativen Auswirkungen durch die Beschränkungen des kulturellen Lebens spürte er kaum, weil die öffentlichen Aufträge ihn über Wasser hielten. «Ich konnte problemlos und in Ruhe durcharbeiten», berichtet er. Obwohl ringsum – auch im Rehmann Museum, wo er die technische Leitung hat und für das Archiv von Erwin Rehmann zuständig ist – Veranstaltungen abgesagt wurden, hatte Waldner alle Hände voll zu tun.

Dass sein eigenes künstlerisches Schaffen ein wenig ins Hintertreffen geriet, stört in kaum, hat er doch ein umfangreiches, zwischen Surrealismus, Dadaismus und konkreter Kunst pendelndes Werk im Rücken, aus dem er schöpfen kann. Ein Werk, das – analog zu seiner Arbeitsweise – langsam wächst. «Ich bin ein langsamer Schaffer», sagt er von sich selbst.

Für 2022 ist eine Einzelausstellung im Rehmann Museum geplant. In diesem Jahr hat Waldner ausserdem eine neue Herausforderung angenommen: als Vorstandsmitglied des Laufenburger Museumsvereins Schiff. In dieser Funktion ist er hauptsächlich für das Einrichten der Ausstellungen zuständig.

Waldner lebt und arbeitet in einem Bauernhaus neben der historischen Mühle. Dort hat er 2014 eine seiner spektakulärsten Arbeiten entwickelt: das riesige Bühnenbild für das in mehreren Schweizer Städten aufgeführte Theater «Cyklope».

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