Gewerbeausstellung

Die Expo findet erst 2021 in Frick statt – neues Konzept soll neuen Schwung bringen

«Die Gewerbeausstellungen sind kein Auslaufmodell»: Bernhard Stöckli (im Bild beim Aufbau der Expo 17).

«Die Gewerbeausstellungen sind kein Auslaufmodell»: Bernhard Stöckli (im Bild beim Aufbau der Expo 17).

Die Zeiten für klassische Gewerbeausstellungen sind härter geworden. Die Muba in Basel fand im Februar zum letzten Mal statt und auch die Züspa in Zürich und die Comptoir Suisse in Lausanne sind Geschichte. Die traditionellen Konsumgütermessen entsprächen gerade in städtischen Gebieten nicht mehr den Erwartungen der Aussteller und des Publikums, begründete die MHC Group das Aus der drei Messen.

Auf dem Land haben es Gewerbeausstellungen zwar noch einfacher. Aber auch hier spürt man zum einen die Konkurrenz durch das Internet, zum anderen den Druck, unter dem die Betriebe heute stehen. So findet die Expo 2019 in Rheinfelden im Mai mit rund 120 statt der erwarteten 130 bis 150 Aussteller statt. «Gerade für die kleineren Betriebe ist es aufwendig, sich an der Expo zu präsentieren, braucht es doch personelle Ressourcen, die dann dem Betrieb temporär nicht zur Verfügung stehen», sagte OK-Präsident Raymond Keller bei der Einwasserung des Expo-Wasserrades Mitte März. Zudem sei es auch eine Kostenfrage, sich an der Expo zu präsentieren. Ein Stand kostet zwischen 5000 und 25'000 Franken.

Ähnliche Erfahrungen hat man auch in Frick gemacht. Hier fand die letzte Expo 2017 statt. «Sie war ein Erfolg», blickt OK-Präsident Bernhard Stöckli zurück. Man habe überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. Allerdings machte auch in Frick die Entwicklung der Teilnehmer Sorgen. Stellten 2011, als das neue Weltenkonzept lanciert wurde, noch rund 110 Betriebe aus, waren es drei Jahre später noch knapp 100 Unternehmen. 2017 sank die Zahl der Aussteller nochmals um zehn Prozent auf rund 90.

Die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig, sagt Stöckli. Einer ist die Konkurrenz durch das Internet. Ein zweiter sind die finanziellen und personellen Ressourcen. «Gerade Firmen aus dem Detailhandel müssen heute jeden Franken zweimal umdrehen», weiss der Landschaftsarchitekt. Da überlege man sich doppelt gut, wo man die Werbefranken investiere.

Auch in Frick müssen die Aussteller mit Kosten von 12'000 bis 30'000 Franken pro Welt rechnen. Das macht durchschnittlich pro Aussteller 3500 Franken. Hinzu kommen die personellen und finanziellen Ressourcen, die er für den Bau der Ausstellungswelt braucht. Zum Rückgang der Ausstellerzahlen trug zudem bei, dass es zwar immer neue Firmen gibt, andere aber vom Markt verschwinden. «Rund 50 Prozent des Rückgangs sind jeweils auf Firmenaufgaben zurückzuführen», so Stöckli.

Neues Konzept gefragt

Die Fricker Expo-Macher reagieren nun auf diese Entwicklung. «Wir wollen etwas ändern, bevor wir müssen», sagt Stöckli. Deshalb findet die nächste Gewerbeausstellung nicht 2020 statt, wie es der Dreijahresrhythmus insinuieren würde, sondern erst ein Jahr später. «Wir wollen ein komplett neues Konzept aufstellen, und das braucht Zeit», erklärt Stöckli. Er lacht. «Die Fricker Ausstellung hat immer davon gelebt, dass sie etwas anders ist – und dem bleiben wir treu.» Will heissen: Das Weltenkonzept, das die Fricker Expo-Macher vor neun Jahren als Innovation eingeführt haben, ist in dieser Form Geschichte; eine neue Welt wird sich auftun.

Das neunköpfige OK um Bernhard Stöckli hat zwar mit dem Weltenkonzept gute Erfahrungen gemacht und andere Gewerbeausstellung haben es auch abgekupfert. «Doch nun ist Zeit für etwas Neues», so Stöckli. Das ist vor allem auch im Sinne der kleineren Firmen, für die das Weltenkonzept aus Ressourcengründen schwierig umzusetzen war. «Wir wollen wieder einfacher werden, damit die Hemmschwelle für kleine Firmen, teilzunehmen, sinkt», sagt Stöckli. Ein Ziel der Neupositionierung ist auch, die Standflächen etwas günstiger anbieten zu können. «Wir hatten von einigen Ausstellern die Rückmeldung, dass für sie die Ausstellung finanziell und personell am oberen Limit liegt», so Stöckli.

Eine Rückkehr zur klassischen Ausstellung mit Standsystem und Einzelboxen wird es aber nicht werden. «Wir haben eine Idee, die wir in den nächsten Monaten prüfen», sagt Stöckli. Mehr will er aktuell nicht verraten. Bis im Frühsommer soll das Grobkonzept vorliegen und danach bis Ende Jahr verfeinert werden. Spätestens an der nächsten Generalversammlung von Gewerbe Region Frick-Laufenburg, dem organisierenden Gewerbeverein, muss das Konzept stehen. Das ist im März 2020.

Stöckli ist noch aus einem weiteren Grund nicht unglücklich, dass die Expo in Frick ein Jahr später stattfindet als ursprünglich vorgesehen. So liege etwas mehr Zeit zwischen den zwei grossen Ausstellungen im Fricktal, der Expo in Rheinfelden und jener in Frick. «Das wird sich positiv auf die Teilnehmerzahlen auswirken», ist Stöckli überzeugt. Klar ist bereits, dass die Expo 2021 wieder in Frick stattfinden wird. Ob sie, wie bei den letzten Ausstellungen, auf dem Schulareal Ebnet über die Bühne geht, ist dagegen offen. Damit ist auch der Zeitpunkt offen, denn beim Standort Ebnet musste sie vom Schulbetrieb her immer mitten in den Herbstferien durchgeführt werden. «Das hat nicht nur Vorteile.»

Expo noch zeitgemäss

Stöckli, der diese Woche an der Generalversammlung von Gewerbe Region Frick-Laufenburg als OK-Präsident für die nächste Expo bestätigt wurde, ist überzeugt, dass Gewerbeausstellungen nach wie vor zeitgemäss sind. Das Internet sei nicht das Mass aller Dinge, sagt er. «Eine Gewerbeausstellung bietet jedem die Möglichkeit, sich schnell und ohne Verpflichtung über ein Thema zu informieren.» Zudem ermögliche eine Gewerbeausstellung beiden Seiten, also Kunden wie Firmen, unkompliziert in Kontakt zu kommen.

«Für die Unternehmen bietet die Expo zudem die Chance, sich zu präsentieren und für den Beruf zu werben.» Insofern sei eine Expo auch eine optimale Plattform bei der Suche nach Lernenden.

Summa summarum: «Die Gewerbeausstellungen sind kein Auslaufmodell», sagt Stöckli. Allerdings müssen sie mit der Zeit gehen. Und genau dies will das OK-Team um Stöckli in den nächsten Monaten tun. Man darf gespannt sein.

Verwandtes Thema:

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1