Pierre Chappuis kommt am Telefon genauso sympathisch und unkompliziert rüber wie im Dok-Film «Späte Liebe», den das Schweizer Fernsehen morgen Donnerstag ausstrahlen wird. Mehrere Paare erzählen in dem rund 50-minütigen Film von Andrea Pfalzgraf, wie sie sich im dritten Lebensabschnitt kennen und lieben gelernt haben.

Darunter Pierre Chappuis und Gudrun Merting, die seit 2010 in badisch Rheinfelden leben. Pierre Chappuis, dessen Berner Wurzeln man unverkennbar heraushört, hat seine Gudrun, Düsseldorferin, vor 12 Jahren kennen gelernt – in Zermatt, seinem «Sehnsuchtsort», an den es ihn seit 1973 wie zu einem Magneten immer wieder hinzieht und wo er fast fünf Monate im Jahr lebt – seit 2006 zusammen mit Gudrun Merting. «Wir sind praktisch die ganze Wintersaison da», erzählt er am Telefon.

Eine Art Magnetfeld um sie herum sei es auch gewesen, das ihn damals, an diesem Abend vor gut 12 Jahren, in den Bann der dannzumal 62-jährigen Düsseldorferin gezogen hat, erzählt Pierre Chappuis im Dok-Film. Er selber war nie verheiratet, hatte aber immer in langen Beziehungen gelebt, «meist zu viel jüngeren Frauen», wie die Stimme aus dem Off im Dok-Film erzählt.

Gudrun Merting war mit einem Freund aus Zürich im Zermatter Restaurant, bemerkte den damals 67-jährigen Unternehmer, war angetan von dem, was sie sah. Die beiden zogen sich noch am gleichen Abend an einen Ecktisch im Restaurant zurück und schoben «den Bodyguard», wie Chappuis den Begleiter von Merting im Film mit einem breiten Grinsen nennt, ab. Sie habe sich gedacht, sie habe nichts zu verlieren, sie sei jetzt ganz frei – ihr Mann war 2002 nach 35-jähriger glücklicher Ehe verstorben, den Friseursalon in Düsseldorf hatte sie soeben aufgegeben – und dann habe es in Zermatt, an diesem Abend, gefunkt. Die zwei Wochen, die folgten, «waren wunderschön».

Vor der Kamera reden die beiden offen über ihre Beziehung, über das Verliebtsein («die Gefühle bleiben die gleichen – egal, wie alt man ist»), das Alter («die Haut altert – die Gefühle nicht»), das Glück – und auch über die Sexualität. Diese sei schöner, als wenn man jung sei. «Weshalb?», will Pfalzgraf wissen. «Weil man nicht so viel erwartet, nicht diesen Erfolgsdruck hat», antwortet Gudrun Merting und fügt hinzu: «Und man kriegt nicht mehr einfach ungewollt ein Kind.» Zudem sei es auch sehr lustig. Wieder hakt Pfalzgraf, die die Paare ebenso subtil wie gefühlvoll interviewt, nach. Die Antwort folgt prompt – und direkt: «Wenn es mal nicht so richtig klappt, dann lacht man halt darüber», sagt Merting. Alle lachen.

Beim Dreh viel gelacht

Dass die beiden so unbeschwert vor der Kamera erzählen, liegt zum einen an ihrer Art. «Aber auch am Fernsehteam», sagt Chappuis. Andrea Pfalzgraf habe viel Empathie, da falle das Erzählen leicht. Sie hätten mit der Fernsehcrew in Zermatt, wo ihre Sequenz während dreier Tage gedreht wurde, «so viel gelacht wie selten», so Chappuis. «Das reicht für ein ganzes Jahr.» Beide sieht man im Film bei ihren sportlichen Lieblingsbeschäftigungen: Pierre Chappuis auf dem Bike, Gudrun Merting beim Schwimmen. «Gudrun geht jeden Tag schwimmen», erzählt Chappuis der AZ.

Er sei froh, dass sie mitgemacht haben, zieht der heute 79-Jährige Bilanz. Es war auch seine Idee. Chappuis, der Mitglied bei den Grauen Panthern ist, sah in den Panther-News die Ausschreibung. Er meldete sich – ohne das Wissen seiner Partnerin. Andrea Pfalzgraf besuchte die beiden dann in Rheinfelden. «Als wir ihr erzählt haben, dass wir viel in Zermatt sind, war für sie klar: Wir drehen da.» Wieder lacht Pierre Chappuis. «Das kann ich gut verstehen, denn Zermatt hat für Filmaufnahmen definitiv mehr zu bieten als badisch Rheinfelden.»

Dass sie hier wohnen, ist «eher Zufall». Nachdem sie sich in Zermatt kennen gelernt hatten, lebten sie mehrere Jahre in Düsseldorf zusammen. Dann kam der Wunsch auf, «etwas näher» an die Schweizer Grenze zu ziehen. Herausgekommen ist badisch Rheinfelden. Seine Partnerin vermisse Düsseldorf nach wie vor, räumt Chappuis am Telefon ein. Sie sei eben ein Stadtkind, «und im Vergleich mit Düsseldorf ist badisch Rheinfelden fast ein Dorf».

Selber haben die beiden bislang nur den Ausschnitt gesehen, in dem sie vorkommen. «Das hat mir gut gefallen», sagt Chappuis. Gespannt ist er bereits jetzt, wer die anderen Paare sind und was sie erzählen. Die Sendung wird er auf jeden Fall auch aufnehmen.

Derzeit sind die beiden in Rheinfelden. Aber schon am Freitag geht es wieder nach Zermatt. An ihren Sehnsuchtsort.

Späte Liebe, Donnerstag, 20 Uhr, SRF 1.