Minus 2,3 Grad Celsius ist die niedrigste Temperatur, die eine Kirschblüte 30 Minuten lang ohne Schaden übersteht. Deshalb war die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag für die Chriesi-Bauern prekär: «Am frühen Morgen hatten wir Temperaturen zwischen minus drei und minus vier Grad Celsius», sagt Daniel Schnegg vom Fachbereich Spezialkulturen im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Er geht davon aus, dass es zu Frostschäden auf den Kirschbaumanlagen gekommen ist.

Diese Annahme bestätigt sich in Olsberg. Dort kämpfte Bruno Wirth die Nacht hindurch mit rund 400 Frostkerzen gegen die Kälte an – er verlor den Kampf. «Totalausfall», sagt er lakonisch. Rund 95 Prozent seiner Kirschblüten sind dem Frost zum Opfer gefallen. «Vielleicht nimmt es die anderen fünf Prozent in der nächsten Nacht», sagt er und hadert mit seinem Schicksal: «Das ist nicht zu begreifen. So etwas habe ich noch nie erlebt.»

Ruhiger verlief die Nacht für Christoph Müller. Auch als sein Fernthermometer in der frostigen Nacht ausfiel, wurde er nicht nervös, denn: «Ich habe alle Vorkehrungen gegen den Frost getroffen, die ich konnte. Alles andere macht das Schicksal», sagt er.

Schutz vor dem kalten Durchzug

Seine Kirschbaumanlage hatte er zuvor abgedeckt und seitlich mit Planen abgedichtet, um die Blüten vor dem kalten Durchzug zu schützen. Scheinbar mit Erfolg: Als er am Morgen seine Kirschbaumanlage kontrollierte, war das Gras ausserhalb der Abdeckung gefroren, innerhalb jedoch nicht. Die Freude von Müller hält sich aber noch in Grenzen: «Erst am nächsten Tag, wenn sich die Blüten nicht braun verfärbt haben, kann ich mir sicher sein.»

Die Nacht von Joe Bründler war kurz. Um zwei Uhr stand er auf, um die Temperatur auf seiner Kirschbaumanlage in Wittnau zu kontrollieren. Zwei Stunden später begannen er und seine Frau rund 60 Behälter mit Holz anzufeuern: «Wir haben dafür gut eine Stunde gebraucht und mussten immer wieder Holz nachlegen», erzählt Bründler.

Zusätzlich hat er seine Kirschbäume mit Planen abgedeckt, damit die Wärme des Feuers nicht abzieht. «Das bringt ein bis zwei Grad», sagt Bründler, der weiss, dass jedes Zehntelgrad für das Überleben seiner Kirschblüten entscheidend sein kann. «Ich kann noch keine Aussagen über Frostschäden machen. Zumal noch eine frostige Nacht vor uns liegt», sagt er.