Fricktal
«Die Schmerzgrenze ist noch nicht erreicht, aber sie ist nicht weit weg»

Die Energiedienst Holding AG kämpft mit den tiefen Marktpreisen, schreibt aber noch schwarze Zahlen.

Marc Fischer
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Kraftwerk Rheinfelden zvg

Kraftwerk Rheinfelden zvg

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Wasserkraftwerke produzierten letztes Jahr rund 60 Prozent des Schweizer Stroms. Doch sie stehen aufgrund der anhaltend tiefen Strompreise unter Druck. So sehr, dass auf politischer Ebene gar über Notsubventionen oder Überbrückungsmassnahmen diskutiert wird. Der Aargauer Energiedirektor Stephan Attiger sagte gegenüber der az jüngst, dass die Verluste der Wasserkraft gesamtschweizerisch rund 500 Millionen Franken pro Jahr betragen.

Ganz so düster sieht es bei den Fricktaler Wasserkraftwerken nicht aus. Die Energiedienst Holding AG (ED), die am Hochrhein die Kraftwerke in Laufenburg, Rheinfelden und Wyhlen betreibt und an drei anderen Kraftwerken beteiligt ist, schreibt gemäss Alexander Lennemann, Leiter Kommunikation, bei der Wasserkraft schwarze Zahlen. «Sie muss bei uns nicht von anderen Geschäftszweigen quersubventioniert werden.» Der ED komme zugute, dass sie keine Investitionen im weiteren Ausland getätigt habe, so Lennemann weiter. «Daher stehen wir derzeit im Branchenvergleich besser da als viele Wettbewerber.»

Deutlicher Gewinnrückgang

Allerdings: Auch bei der Energiedienst Holding AG ist der Jahresgewinn in den letzten Jahren – trotz neuer Geschäftsfelder – deutlich gesunken. Betrug er 2011 noch rund 88 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr noch gut 31 Millionen Euro. «Die Schmerzgrenze ist noch nicht erreicht, aber sie ist nicht weit weg», sagt Lennemann deshalb mit Blick auf die Wasserkraft. Gleichzeitig betont er, dass die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft für die ED auch weiterhin ein wichtiges Standbein bleibe, «das wir rentabel betreiben wollen».

Um im Markt weiter bestehen zu können, hat die ED im letzen Jahr eine Umstrukturierung des Kraftwerksbereiches durchgeführt. Dabei wurden Arbeiten zentralisiert, um die Effizienz zu steigern. Die Umstrukturierung sei ohne Kündigungen über die Bühne gegangen, so Lennemann.

Weitere Einsparungen sind schwierig, da bei der Wasserkraft kaum variable Kosten anfallen. «Es gibt nur wenige Stellschrauben, an denen wir drehen können», sagt Lennemann. Eine Entlastung bei den Produktionskosten würde eine Senkung des Wasserzinses bringen. Heute wird dieser unabhängig vom Marktpreis für Strom festgelegt. Für die Zeit ab 2020 gibt es aber auf Bundesebene Überlegungen, den Wasserzins zu flexibilisieren.

Lennemann bringt noch eine weitere Option ins Spiel: den Ersatz der Wasserzinsen durch eine Netzabgabe. Die staatliche Abschöpfung würde so nicht beim Produzenten, sondern beim Konsumenten anfallen. Mehrkosten für die Konsumenten würde das laut Lennemann nicht zwingend bedeuten, «denn durch tiefere Produktionskosten wäre allenfalls eine Strompreissenkung möglich». Die Tendenz geht allerdings momentan eher in eine andere Richtung. Das Land Baden-Württemberg hat seine Wasserzinsen auf das Jahr 2016 hin erhöht und eine weitere Erhöhung auf das Jahr 2020 hin ist vorgesehen. «Das wäre für die Kraftwerksbetreiber am Hochrhein, insbesondere für Energiedienst, der GAU», so Lennemann.

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