Bad Säckingen

Ein bäumiges Geschenk für den Papst

Peter Berg mit der Weihnachtstanne bei der Abreise in Bad Säckingen. Fotos: zvg

Peter Berg mit der Weihnachtstanne bei der Abreise in Bad Säckingen. Fotos: zvg

Vor 20 Jahren wurde auf dem Petersplatz in Rom eine Tanne aus Bad Säckingen aufgestellt.

Vor 20 Jahren wurde auf dem Petersplatz in Rom ein 25 Meter hoher Weihnachtsbaum aus dem Bad Säckinger Stadtwald aufgestellt. Der damalige Bürgermeister, Günther Nufer, hatte es geschafft, der kleinen Stadt am Hochrhein für einen Augenblick die internationale Aufmerksamkeit zu sichern. Zu der erhofften Audienz beim Papst kam es zwar nicht, dafür verlas niemand Geringerer als dessen Nachfolger, der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, die Grussworte des Heiligen Vaters.

Zuerst zwei Absagen

Normalerweise ist es Nationen, Institutionen oder auserwählten Privatpersonen vorbehalten, den Weihnachtsbaum für den Petersplatz zu stellen. Die Idee zur Christbaumspende kam Nufer im Jahre 1995 bei einer Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. Auf Nufers Anfrage folgte zunächst eine höfliche Absage und der Verweis, dass die Lieferung der Tanne bereits für die nächsten drei Jahre vergeben sei. Doch der (protestantische) Rathauschef war nicht nur mit einem gerüttelten Mass an Selbstbewusstsein, sondern auch mit Hartnäckigkeit und Beziehungen ausgestattet – in diesem Fall zum Kommandanten der Schweizer Garde.

Nufer bewarb sich erneut und erntete trotz des Hinweises auf den heiligen Fridolin als einen der wichtigsten Missionare der frühen Christenheit eine erneute Absage. Doch am 1. Oktober 1998 erhielt Bad Säckingen überraschenderweise den Zuschlag – offenbar hatte der Vatikan kurz vorher eine Absage erhalten. Daraufhin galt es, innerhalb weniger Wochen die komplizierten Formalitäten zu klären und mit den Delegationen der Landesregierung, des Regierungspräsidiums und der Partnerstädte Termine abzuklären.

Am 8. Dezember wurde bei Schnee und Kälte, aber unter aufmerksamer Beobachtung von mehreren Fernsehsendern aus der Schweiz und Deutschland, die 25 Meter hohe Rottanne im Schöpfebachtal gefällt, transportsicher zusammengeschnürt und zum Münsterplatz gebracht, wo sie von Münsterpfarrer Peter Berg gesegnet wurde. Neben der Tanne wurden auch in unzähligen Bastelstunden gefertigter Schmuck – darunter einen 500 Kilogramm schwerer Adventskranz der Stadtgärtnerei – nach Rom gebracht. Fernsehteams aus Frankreich, Italien und England filmten das Ereignis. Damit hatte Nufer den erhofften Werbeeffekt für die Stadt erreicht. Per Bus und Flugzeug reisten am Donnerstag, 17. Dezember 1998, mehr als 330 Menschen aus dem Südwesten Deutschlands in die Heilige Stadt.

Audienz beim Papst fiel aus

Zur Enttäuschung der Romfahrer musste geplante Audienz beim Papst krankheitsbedingt ausfallen. Die Festmesse in der Apsis des Petersdomes zelebrierten Weihbischof Wolfgang Kirchgässner, Münsterpfarrer Peter Berg, dessen Vorgänger Peter Betz und der später zu Prominenz aufgestiegene Vatikanmitarbeiter Georg Gänswein. Kardinal Ratzinger verlas die Grussworte des Papstes, der den Besuchern ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschte und wissen liess: «Wie die Bäume, so brauchen auch die Menschen Wurzeln, die in die Tiefe greifen; denn nur, wer tief genug im fruchtbaren Boden verwurzelt ist, der steht fest».

Am Nachmittag nahm Kardinal Edmund Szoka die prächtig geschmückte Tanne entgegen, dankte auf Deutsch für den Baum, der ein «Symbol für die Treue zum Heiligen Vater» sei. Und in Rom, wo die Geschichte von Werner und Margareta laut Scheffel ihr glückliches Ende gefunden hatte, spielte Walter Scholz, begleitet von der Stadtmusik, das «Behüt’ dich Gott».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1