Frick
Ein Dino kommt selten allein – über 70 Saurier ausgegraben

Das Sauriermuseum platzt aus allen Nähten. Rund 10 000 Dino-Fans kommen pro Jahr nach Frick. Nun denkt man darüber nach, das Museum auszubauen.

Thomas Wehrli
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Frick ist Dino-City: Nun spricht man in der Gemeinde über ein neues Museum.

Frick ist Dino-City: Nun spricht man in der Gemeinde über ein neues Museum.

Aargauer Zeitung

Frick ist Dino-Land: Dino-Kreisel, Dino-Kübel, Dino-Lehrpfad, Dino-Schoggi, Dino mit Rockgitarre, Dino-Briefmarke, Dino-Museum. «Dinos sind in Frick längst zu wichtigen Identifikationsfiguren geworden. Sie sind Teil des Dorfes», weiss Andrea Oettl, Leiterin des Sauriermuseums.

Daran ist das Museum, das am 23. Oktober mit einer Dino-Olympiade sein 25-Jahr-Jubiläum feiert, nicht ganz unschuldig. Denn es infiziert pro Jahr rund 10 000 Besucher mit dem Dino-Virus – fast 50 Prozent davon sind Kinder. «Das ist eine respektable Besucherzahl für ein kleines Museum», sagt (Dino-) Gemeinderätin Susanne Gmünder Bamert. «Das Museum lebt und hat viel erlebt.»

Begonnen hat die «Dino loves Frick»-Geschichte (oder umgekehrt) mit einem Zufallsfund. 1961 entdeckte Erwin Wälchli den ersten Dino-Knochen. 15 Jahre später fanden die ersten Grabungen statt, ab 1978 konnten die Fundstücke in einem Raum in den Tonwerken besichtigt werden. 1985 wurde das erste vollständige Plateosaurier-Skelett gefunden, «ein Highlight», so Oettl, das aber gleichzeitig ein Problem schuf: Im «Museum» hatte es zu wenig Platz, um das Skelett auszustellen.

Interessante Gesteinsführende Schichten in der Fricker Tongrube, wo die Reste von versteinerten Dinosauriers entdeckt wurden
6 Bilder
In der Fricker Tongrube freigelegte Knochenteile mit aufwändigem Verfahren gesichert
Bei der Suche nach Dinoknochen ist Handarbeit gefragt, rechts Grabungsleiter Ben Pabst
Der bekannte Paläontologe Ben Pabst beschreibt die Lage von Dinoknochen in der Fricker Tongrube
Saurierforscher am Graben in der Tongrube in Frick
Dinosaurier-Knochen in Frick freigelegt

Interessante Gesteinsführende Schichten in der Fricker Tongrube, wo die Reste von versteinerten Dinosauriers entdeckt wurden

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Die Suche nach einer neuen Lösung beginnt und führt zuerst in den Kornhaus-Keller. Die Gemeindeversammlung stimmt im Dezember 1988 einem Museumskredit auch zu. Doch in der Referendumsabstimmung wird das Dino-Projekt beerdigt. Die Museumskommission macht sich auf die Suche nach Alternativen. Zur Diskussion stehen das alte Gemeindehaus, das Untergeschoss des Primarschulhauses oder ein Neubau.

Entscheid nach heftiger Debatte

Die Diskussionen werden hitzig geführt. Die Dinos seien eine Belastung für das Dorf, finden manche, und einer regt an, sie einfach in der Grube zu belassen. Susanne Gmünder schmunzelt. «Heute ist allen klar: Die Dinos sind eine Bereicherung.» Der Souverän sieht das dann auch so und spricht sich im November 1990 dafür aus, das Museum im Schulhaus einzurichten.

«Damals dachte man: Das Museum reicht für alle Zeiten», sagt Oettl. «Niemand ahnte, wie viele Funde gemacht werden.» Bis heute sind über 70 Plateosaurier ausgegraben; Frick gehört zu den wichtigsten Saurierfundstellen weltweit. Einen Sensationsfund gab es alle paar Jahre – letztmals vor einem Jahr. Da kam «XL» zum Vorschein, mit acht Metern der grösste in Frick gefundene Plateosaurier.

«XL» sprengt Grenzen – auch im Museum. «Wir haben keinen Platz mehr, um alle Fundstücke auszustellen», sagt Oettl. Die Geschichte wiederholt sich damit nach 25 Jahren – und wieder macht sich eine Denkgruppe auf die Suche nach einer Lösung. «Die Vision ist ein neues Museum», so Oettl. Sie weiss aber auch: «Bis dahin ist es ein langer Weg.» Eine zeitliche Prognose wagt sie nicht zu machen; eine Realisation in den nächsten 10 bis 15 Jahren «wäre sehr schnell».

Derweil ist Grabungsleiter Ben Papst damit beschäftigt, «XL» zu präparieren. Knapp ein Viertel ist bereits aufbereitet. Doch die Präparation ist teuer, an die 50 000 Franken sind insgesamt nötig. Das Sauriermuseum hat sich deshalb eine spezielle Aktion einfallen lassen: ein Dino-Knochen-Crowdfunding. Wer will, kann sich sein Stück Dino sichern. Eine Bauchrippe kostet 20 Franken, ein Halswirbel 250, den Unterarm gibt es für 400 Franken. Natürlich bekommt man die Knochen nicht wirklich (dafür eine Erwähnung als Spender), denn sonst stünde «XL» ja plötzlich für X Löcher.

Eine Dino-Olympiade zum Jubiläum

Das Sauriermuseum feiert am 23. Oktober sein 25-Jahr-Jubiläum – und es tut dies mit «einem Fest für alle», sagt Museumsleiterin Andrea Oettl. Im Zentrum steht dabei neben einem offiziellen Festakt die Dino-Olympiade, die zwischen 13 und 17 Uhr ausgetragen wird. Elf Posten gilt es im und um das Museum zu absolvieren. Eine Disziplin ist Sackhüpfen mit Saurierschwanz und Sauriermaske. «Es steht nicht der Sieg im Vordergrund, sondern das Mitmachen», sagt Gemeinderätin Susanne Gmünder Bamert. Jeder, der mitmacht und alle Posten absolviert hat, erhält ein Olympia-Diplom sowie eine Überraschung.

Auch im Museum wird es eine Neuheit zu bestaunen geben, «einen sensationellen Fund, den wir in diesem Jahr gemacht haben», so Oettl. Was es ist, will die Museumsleiterin noch nicht verraten. Gesorgt ist auch für das leibliche Wohl.
Möglich ist der Anlass dank der Unterstützung von Vereinen, Gruppen und der Primarschule. Die Dino-Olympiade wird bei jedem Wetter durchgeführt, «notfalls verlegen wir die Aussenposten in die Mehrzweckhalle», so Oettl.

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