Fricktal

Ein Jahr im Grossen Rat – und sie wollen mehr: Zwei Fricktaler Polithasen im Porträt

Andy Steinacher (SVP) und Bruno Tüscher (FDP) sitzen seit diesem Jahr im Grossen Rat. Sie wollen mehr – und treten im Herbst wieder an.

Sie sind beide neu im Grossen Rat – und doch bereits alte Polithasen: Bruno Tüscher (FDP) und Andy Steinacher (SVP).

Bruno Tüscher, 35, sitzt seit 2014 im Gemeinderat von Münchwilen und steht der Gemeinde seit 2018 als Ammann vor. Er macht hier, da sind sich Beobachter einig, einen guten Job.

Das gilt auch für Andy Stein­acher, 56. Er war bis Ende 2019 Vizeammann von Schupfart und hat das Dorf im Gemeinderat zehn Jahren lang mitgeprägt. Im Streit um die Aprikosen-­Tunnel­anlagen im Seetal trat der Landwirt und Präsident des Verbandes Aargauer Obstproduzenten zudem jüngst pointiert, mit viel Herzblut und Sachverstand für die Interessen der Obstproduzenten ein.

Die beiden bürgerlichen Politiker sind erst seit Anfang Jahr im Grossen Rat dabei; Tüscher rutschte für den Fricker Gemeindeammann Daniel Suter (FDP) ins Kantonsparlament nach, Stein­acher für den Rheinfelder Daniel Vulliamy (SVP).

Entsprechend ist für beide klar: Bei den Gesamterneuerungswahlen im Oktober treten sie nochmals an. Und beide sagen, sie möchten die volle Legislatur machen, also mindestens bis Ende 2024 im Kantonsparlament wirken.

Jeder Bürger sollte sich einbringen

Bruno Tüscher ist der Meinung, «dass sich jeder Bürger in unseren Milizsystemen einbringen sollte». Es solle jedoch jedem überlassen werden, ob er sich in einem Verein, bei gemeinnütziger Arbeit oder in der Politik einbringe. «Mir persönlich liegt die Politik am Herzen und ich möchte da auch etwas bewegen.» Wie Steinacher sammelte Tüscher auf Gemeindeebene wichtige Erfahrungen. Als Gemeinderat habe er viel bewirken können, bilanziert Steinacher. Das wollen beide nun auch im Grossen Rat.

Zu tun gibt es da, aus Fricktaler Sicht, in den kommenden Jahren viel. So steht in der nächsten Legislatur beispielsweise die Umsetzung der geplanten Mittelschule im Fricktal an, die 2028 eröffnet werden soll. Als Standort beworben haben sich Frick, Stein sowie Möhlin/Rheinfelden.

Auch die Erschliessung des Sisslerfeldes, der wichtigsten noch freien Industriefläche im Kanton, wird in Aarau zu reden geben. Das Projekt liegt dem Sisslerfeldanrainer Tüscher natürlich besonders am Herzen. «Einerseits sehe ich da einige Vorteile für die vier Gemeinden im Sisslerfeld. Andererseits gilt es auch die Bedürfnisse und Ängste der Bevölkerung aufzunehmen und diesen nachzugehen», so Tüscher. Insbesondere der zusätzliche Verkehr, den die Erschliessung mit bis zu 2000 zusätzlichen Arbeitsplätzen geben wird, dürfte die Politik noch stark beschäftigen.

Andy Steinacher glaubt, dass das Fricktal heute geeinter als auch schon dasteht – eine Einschätzung, welche die langjährigen Fricktaler Grossräte teilen. Das Fricktal sei «finanziell gestärkt, unabhängig vom Rest-­Aargau», sagt Steinacher. Jedoch gebe es im Fricktal grosse Unterschiede, wenn man beispielsweise Rheinfelden mit Oberhof vergleiche. «Zugleich ist das auch eine Stärke des Fricktals», glaubt Steinacher. Er ist überzeugt: «Bei Fricktaler Themen wird über die Parteien hinaus zum Wohle des Fricktals politisiert.»

Alle ziehen bei regionalen Themen am gleichen Strick

Wie gut die parteiübergreifende Zusammenarbeit unter den Frick­taler Grossräten bei regionalen Themen ist, lässt sich für die beiden Neu-­Grossräte nach nur wenigen Sitzungen noch nicht abschliessend beurteilen.

Von ihren Fricktaler Ratskollegen wissen sie aber: Das «Fricktaler Gen» funktioniert. «Die anderen Regionen beneiden uns oft diesbezüglich», sagt etwa CVP-­Grossrat Werner Müller. Tüscher hat dies als Gemeindeammann ebenfalls so wahrgenommen. «Wenn es ums Fricktal geht, sind mehrheitlich alle bereit, an einem Strick zu ziehen.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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