Gipf-Oberfrick
Ein Rinnsal wird zum reissenden Bach – Anwohner kaufen Sandsäcke

Nach dem schweren Juni-Unwetter prüft die Fricktaler Gemeinde Gipf-Oberfrick Massnahmen – und Anwohner kaufen Sandsäcke.

Thomas Wehrli
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Das Wasser überraschte alle. Am 8. Juni, kurz nach Mittag, goss es in Gipf-Oberfrick derart aus Kübeln, dass die Böden das Wasser nicht mehr schlucken konnten und die Bäche innert Minuten bedrohlich anschwollen.

Das Rüestelbächli, im Normalfall ein Rinnsal, trat bei zwei Durchlässen über die Ufer. Feuerwehren, Zivilschutz, Bauamt und der Regionale Führungsstab waren von 14 Uhr bis um Mitternacht nonstop im Einsatz, pumpten Keller und Garagen aus, legten Sandsäcke, schaufelten Schächte frei und reinigten Strassen.

Die Bilanz: Mehr als 60 Schäden wurden gemeldet. Wie hoch die Schadenssumme insgesamt ist, lässt sich laut Gemeindeschreiber Urs Treier noch nicht beziffern.

Sie dürfte in die Millionen gehen. Allein an den Flurstrassen entstand durch das Oberflächenwasser, das die Böden nicht schlucken konnten, ein Schaden von knapp 100 000 Franken. Zudem muss das Ufer des Rüestelbächlis saniert werden. Wie viel das kostet, ist laut Treier noch unklar.

Normalerweise ist in Gipf-Oberfrick bei Hochwasser der Bruggbach das Problem. Dieser blieb diesmal in seinem Bett.

Dass ausgerechnet das kleine Rüestelbächli für Probleme sorgte, überraschte auch Treier. Einen Grund sieht er in der Art des Unwetters: Es war punktuell – und «von einer Intensität, wie wir es in den letzten Jahrzehnten nicht erlebt haben», sagt Treier. Ein Wetterphänomen, das man in der Schweiz zusehends beobachtet.

Klarheit Ende Juli

Dass nun Schutzmassnahmen geprüft werden müssen, ist für Treier klar. Welche, das hänge von der Einordnung des Unwetters ab. Handelt es sich um ein 50-jährliches Ereignis, sind andere Schritte nötig, als wenn es ein Jahrhundertereignis war. Ende Juli werden alle Akteure – Gemeinde, Kanton, Feuerwehr und Zivilschutz – an einer Sitzung das Ereignis aufarbeiten und mögliche Massnahmen besprechen.

Eine könnte sein, so Treier, die Bachdurchlässe beim Rüestelbächli zu vergrössern.

Parallel dazu wird auch das «Wie weiter?» beim «Sorgenkind Nummer eins», dem Bruggbach, geprüft.

Hier steht derzeit eine regionale Lösung mit Entlastungsbecken oberhalb von Gipf-Oberfrick und in den oberen Gemeinden im Vordergrund.

Für Treier ist klar: Gefordert ist nicht nur die öffentliche Hand; auch die Hauseigentümer müssen ihren Teil zur Gefahrenreduktion beitragen.

«Wo dies mit einfachen Mitteln wie der Erhöhung von Lichtschächten möglich ist, stehen die Hauseigentümer in der Pflicht», sagt Treier.

Kommen sie dieser nicht nach, dürfte die Aargauische Gebäudeversicherung Druck aufsetzen. Denn: «Ein überfluteter Keller kostet schnell einmal einige 10 000 Franken.»

Dass viele Hausbesitzer dies ernst nehmen – und dass sie nach dem Unwetter verunsichert sind –, zeigt die Reaktion auf das Sandsack-Angebot der Gemeinde: Rund 30 Hausbesitzer haben in den letzten Wochen auf der Gemeindekanzlei Sandsäcke bestellt.

An die 350 Säcke – jeder ist 30 Kilo schwer und kostet 6 Franken – werden Mitte August ausgeliefert. Bei einem Unwetter wie jenem am 8. Juni, als das Wasser innert Minuten kam, nützen auch sie nur bedingt, «denn viele sind untertags gar nicht zu Hause», sagt Treier.

Und auch wenn man nun (bauliche) Massnahmen ergreife – «ein Restrisiko bleibt immer», ist Treier überzeugt. «Einen absoluten Schutz gegen solche ausserordentliche Ereignisse wird es nie geben.»

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