Wegenstettertal

Eine Stube für Fledermäuse: Freiwillige montieren über 100 Kästen als Unterschlupf

Freiwillige hängten über 100 Fledermaus-Kästen auf.

Freiwillige hängten über 100 Fledermaus-Kästen auf.

Sie hat Ohren, fast so lang wie ihr Körper. Dank ihrer breiten Flügel beherrscht sie in der Luft wahre Kunststücke, den sogenannten Rüttelflug etwa oder Loopings. Und: Sie hat eine Vorliebe für Falter. Es geht um das Braune Langohr, eine als gefährdet eingestufte Fledermausart.

Einige von ihnen leben im Wegenstettertal – wie auch mehrere andere teils gefährdete Fledermausarten. Nun erhalten die Säugetiere tatkräftige Unterstützung. Der Jurapark Aargau setzt gemeinsam mit dem Naturschutzverein Hellikon und dem Natur- und Vogelschutzverein Zeiningen die Aktion «Flederfreund» um.

Spenden von «Flederfreunden» gefragt

In den Talgemeinden Wegenstetten, Hellikon, Zuzgen und Zeiningen erhalten die Fledermäuse neue Wohnungen. Es handelt sich dabei um Kästen aus Holzbeton. Optisch ähneln sie übergrossen Fingerhüten. Sie sind knapp 40 Zentimeter hoch, haben einen Durchmesser von gut 15 Zentimetern und sind fast fünf Kilogramm schwer. Auf ihrer Unterseite haben sie eine kleine Öffnung, damit die Fledermäuse hineinklettern können.

Für 49 Franken können «Flederfreunde» eine solche Fledermausstube spenden, auch der Jurapark beteiligt sich finanziell. «Bis jetzt sind knapp 130 Kästen finanziert und es kommen laufend weitere Spenden rein», sagt Andrea Wunderlin vom Natur- und Vogelschutzverein Zeiningen. «Wir sind zuversichtlich, dass wir unser Ziel von 150 Fledermausstuben erreichen», so Wunderlin.

Die natürlichen Unterschlüpfe fehlen

Die Kästen dienen den Fledermäusen, speziell den Langohren, tagsüber als Unterschlupf. Natürlicherweise nutzen die Tiere dafür etwa hohle Baumstämme, alte Spechthöhlen oder Aushöhlungen bei Astabbrüchen. Solch natürliche Verstecke sind im Tal allerdings selten geworden, weshalb nun nachgeholfen wird. Als Standorte für die Stuben wurden Hochstammgärten und Waldstücke ausgewählt. «Landschaften mit Hochstammobstbäumen und Hecken bilden wichtige Jagdgebiete für Langohren», erklärt Wunderlin. Die Fledermausstuben werden in mehreren Gebieten in kleinem Radius aufgehängt. «So können wir wichtige Ersatzquartiere schaffen, denn je nach Temperatur wechseln die Fledermäuse ihre Stuben.»

Die Standorte der Fledermauskästen im Wegenstettertal werden auf einer Karte vermerkt. So ist eine Nachkontrolle möglich. Wobei: «Wir brauchen wohl Geduld, bis die Fledermausstuben besiedelt werden», sagt Wunderlin. Dies könne durchaus einige Jahre dauern. Schon im nächsten Winter soll im Tal derweil das nächste Projekt für Fledermäuse starten – dann sollen für Spalten bewohnende Fledermäuse Stuben aus Holz erstellt werden. Die Idee ist es, diese teilweise bei der Stiftung Menschen mit Behinderung im Fricktal (MBF) in Stein anfertigen zu lassen. Teilweise sollen aber auch Kinder und Jugendliche aus dem Tal mitzimmern dürfen. «Die Planungen dafür laufen», sagt Wunderlin.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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