Das Gewerbe hat es in Grenznähe doppelt schwer. Da ist der Onlinehandel, der den lokalen Firmen zusehends Einkäufe und Aufträge abspenstig macht. Und da ist das nahe Ausland, das viele Kunden lockt – längst nicht mehr nur für den Einkauf von Lebensmitteln; auch den Service am Auto oder an den Zähnen lassen nicht wenige Fricktaler in Deutschland ausführen.
Gleichzeitig sorgt die Grenze dafür, dass die hiesigen Unternehmen nur ein halb so grosses Einzugsgebiet wie Firmen im Landesinneren haben; sie können Aufträge nur in einem Halbkreis akquirieren.

Das hat Folgen. Firmen geben auf, Arbeitsplätze gehen verloren, Läden schliessen. Die frei werdenden Flächen können oft monatelange nicht vermietet werden. Besonders hart trifft es Rheinfelden; in der Altstadt stehen gleich mehrere Ladeflächen leer. Aber auch in anderen Gemeinden finden sich leere Schaufenster.

Das soll nicht sein, findet Michael Derrer aus Rheinfelden. Rechtzeitig auf den Wahlherbst hin lanciert der Unternehmer und Wirtschaftsdozent, der selber für die GLP für den Nationalrat kandidiert, die Idee einer regionalen Währung, den «FrickTaler». Dies könnte, so Derrer, ein Lösungsansatz für die Stimulierung der lokalen Wirtschaft sein.

Die Idee dahinter ist simpel: «Dank einer Regionalwährung entsteht ein zusätzlicher Geldkreislauf, und die Anbieter, welche sie als Zahlungsmittel akzeptieren, geben ihre Einkünfte wiederum in der Region aus», sagt Derrer. Damit fliesse das Geld nicht in die naheliegende Grossstadt, in die Supermärkte ennet der Grenze oder in den Online-Grosshandel ab.

Der «Chiemgauer» als Vorbild

Erfolgreiche Beispiele für solche Regionalwährungen finden sich. Der «Chiemgauer» in Bayern etwa, der einen Jahresumsatz von rund acht Millionen Euro erzielt. Aber es gibt auch gescheiterte Projekte. Für Derrer sind eine breite Abstützung beim Gewerbe, ein treibender Trägerverein sowie ein einfaches Handling zentral für den Erfolg. «Moderne Regionalgelder zirkulieren nicht nur als Noten und Gutscheine, sondern bieten auch elektronischen Zahlungsverkehr an», weiss er. Ideal wäre, wenn auch Dienstleistungen der Gemeinden – etwa Abfallmarken – in der Lokalwährung bezahlt werden könnten.

Der «FrickTaler» als Fels in der Einkaufsbrandung? Gewerbetreibende und Politiker in der Region sind eher skeptisch. Markus Kunz, Konditormeister aus Frick, könnte sich zwar vorstellen, dass der «FrickTaler» einen positiven Effekt erzielen könnte. Für den Erfolg bräuchte es allerdings die Solidarität unter den Gewerbetreibenden – und die vermisst Kunz teilweise. «Nicht alle Unternehmen berücksichtigen Firmen in der Region», hat er festgestellt. Dieses Nicht-Zusammenhalten «enttäuscht mich».

Unklar, ob Wertschöpfung in der Region bleibt

Für Landschaftsarchitekt Bernhard Stöckli steht und fällt eine solche Währung mit der Umsetzung. «Sobald das Handling kompliziert ist oder das System einen Mehraufwand mit sich bringt, ist es schwierig.» Er selber sieht den Mehrwert einer eigenen Währung «eher weniger». Die Überlegung seines Parteikollegen findet er zwar interessant, macht aber Fragezeichen, ob man so die Wertschöpfung in der Region halten kann. Er erinnert zudem an das Alternativzahlungsmittel «WIR», das in letzter Zeit deutlich an Bedeutung verloren habe.

«Eine eigene Währung ist kein Ansatz»

Für Malermeister und CVP-Grossrat Alfons P. Kaufmann ist eine eigene Währung kein Ansatz. Eine Absonderung hält er für den falschen Weg. «Wir müssen vielmehr innovativ bleiben.» Der Markt werde über kurz oder lang zeigen, dass genügend Arbeit vorhanden sei. Sein Appell: Betriebe zu unterstützen, die Lehrlinge ausbilden. «Sie zeigen, dass sie sich für die Region engagieren.»

Daniel Vulliamy, SVP-Grossrat und Leiter Stadtmarketing in Rheinfelden, hält eine eigene Währung für diskutabel. Derzeit erachtet er allerdings sowohl auf kommunaler wie auch auf kantonaler Stufe andere Themen für prioritärer.

Roman Maier, Geschäftsführer der Bäckerei Maier in Laufenburg, findet den Namen eine witzige Idee. Aber auch er ist skeptisch, dass es funktioniert. Im Fall seiner Bäckerei, die mehrere Filialen ausserhalb des Fricktals betreibt, sieht er zudem ein Handlingproblem. Er hat «Respekt vor den technischen und administrativen Hürden» und setzt hinter die Akzeptanz ein Fragezeichen.

Franziska Bircher, Präsidentin von Gewerbe Region Frick-Laufenburg und Geschäftsleiterin der Brogle AG in Wittnau, geniesst die Idee einer eigenen Währung «mit Vorsicht». Sie sieht viele offene Fragen und Hürden und befürchtet, dass ein solches System teuer werden könnte. Für sie wäre eine Prämisse, dass man mit dem «FrickTaler» auch bargeldlos bezahlen kann.

Gute Erfahrungen gesammelt hat der Gewerbeverein derweil mit Gutscheinen. Sie können bei allen Mitgliedern eingelöst werden «und sind beliebte Geschenke», weiss Bircher. Auch sie selber hatte schon Kunden, die einen Teil der Dienstleistungen – das Unternehmen ist auf die Herstellung von Küchen und (Badzimmer-)Möbeln spezialisiert – mit Gutscheinen bezahlt haben.

Auch Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio und Vizeammann von Frick, hält die Gutscheine für eine gute Sache. Und auch er hält es, wie alle Befragten, für wichtig, dass weniger Geld aus der Region abfliesst. Gegenüber einer eigenen Währung ist aber auch er skeptisch. Er sieht zudem die Gefahr, dass ein solches System Betrügern Tür und Tor öffnen könnte.

«Denken allein nützt nichts. Es braucht ein Handeln.»

Für Philipp Weiss, der zusammen mit Martina Welti Fricks Monti führt, ist das primäre Problem der Rhein respektive die Einkäufe im grenznahen und billigeren Ausland. «Dagegen hilft der ‹FrickTaler› nicht», sagt er. Er ist überzeugt: «Es fliesst mehr Geld über den Rhein als in andere Schweizer Regionen.» Für ihn braucht es primär ein regionales Denken, wobei: «Denken allein nützt nichts. Es braucht auch ein Handeln.»