Frick
Er ist einer der letzten Marktfahrer seiner Art: «Ich verkaufe nicht – ich lasse kaufen»

Rolf Senger macht Bruschetta in vier Sekunden und demonstriert in Shows auf Märkten seine Küchenutensilien.

Dennis Kalt
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«Knoblauch, Tomaten, Öl, Essig, Salz, Pfeffer – alles rein.» Der Oberhofer Rolf Senger, 54, geniesst die Blicke der Menschentraube, die sich gestern vor seinem Stand am Fricker Markt gebildet hat. Er zieht ein paar Mal am Kurbelzug des «Slicers», dessen Klingen im Nu die Zutaten zu einer mundgerechten Masse zerschneiden. «Voilà», sagt er und grinst spitzbübisch in die Menge. «Wer von euch hat schon Bruschetta in vier Sekunden gemacht?» Von der Darbietung entzückt, zücken zwei Damen ihr Portemonnaie. Ein paar Sekunden später wandern die Noten über den Tresen und die Küchengeräte in die Taschen der Damen.

Es läuft an diesem Morgen bei Marktfahrer Senger, der von sich selbst sagt, dass er zu einer aussterbenden Art gehört. Er sei ein «Demonstrant», jemand der die Zitrone zuerst durch die Luft wirbelt, bevor er sie über die Raffel führt, um zu zeigen, mit wie wenig Druck man ihre Schale raspeln kann. «Marktfahrer, die ihre Produkte so demonstrieren wie ich, gibt es in der Schweiz nur noch eine Handvoll», sagt er. Dies habe damit zu tun, dass viele Menschen Angst davor haben, «ein Nein zu kassieren», wenn Sie den Kontakt zu Kunden suchen und nicht wenige sich scheuen, im Mittelpunkt zu stehen. Senger ist anders, er liebt die Aufmerksamkeit: «Ich bin leicht exhibitionistisch – natürlich, ohne die Hosen runter zu lassen», sagt er mit einem Augenzwinkern.

In eine andere Welt ziehen

Verhehlen kann Senger nicht, dass das Marktfahrerdasein nicht leichter geworden ist, in den 18 Jahren, seit denen er dabei ist. Die Leute seien getriebener, hätten weniger Zeit. Manchmal sei ein Hauch Hektik spürbar, der über die Hauptstrasse zieht. «Vor zwei, drei Jahrzehnten war der Markt für viele Menschen essenzieller. Es war ein Besorgungsmarkt, auf dem man sich mit Lebensmitteln und Verbrauchsgegenständen für die ganze Woche eingedeckt hat. «Heute kommen viele so ‹en passant›.» Senger versteht es deswegen auch als seine Aufgabe, die Menschen abzuholen und mit seinen zehnminütigen Shows für Unterhaltung zu sorgen. So lautet denn auch sein Motto: «Ich verkaufe nicht. Ich lasse kaufen, durch die Kurzweiligkeit, die ich biete.»

Nicht mit Traditionen brechen

Ein weiterer Trend, den Senger in Frick beobachtet, ist der Wandel zum Food-Markt. Mit Hinblick auf die nächsten 15 Jahre zeichnet er zwei Bilder vom Fricker Markt. Entweder er wird kleiner werden – «besonders die Fahrer, die Kleidung verkaufen, haben es schwer. Die Konkurrenz aus dem Internet ist gewaltig.» Oder, der Markt bleibt von der Grösse her gleich, aber mit noch mehr Food-Ständen. Von der Idee, den Fricker Markt auf einen Samstag zu verlegen, hält Senger nicht besonders viel. Zwar gebe es einige, die noch nach der Arbeit kurz über den Markt hetzten und die es schätzen, die eine oder andere Stunde mehr Zeit zu haben, dennoch würden von einem Samstag-Markt einige Markt-Fahrer nicht profitieren. «Wenn am Samstag die Männer neben ihren Frauen stehen, haben diese vermutlich weniger Zeit, sich Schmuck, Kleidung oder Dekorationsartikel anzuschauen. Darunter leiden dann die dementsprechenden Verkäufer», sagt er.

Zudem sei es gefährlich, an Traditionen herumzuschrauben. «Gut möglich, dass es neue Kunden gibt. Aber wer weiss, ob der Markt nicht dafür langjährige Stammkunden verlieren würde?»

Senger ist davon überzeugt, dass nicht das Produkt, sondern der Verkäufer das Entscheidende ist. «Wer nicht bei den Passanten einen sympathischen Eindruck erweckt, der hat meistens schon verloren», sagt er. Daneben sei es wichtig, auf die Menschen offen zuzugehen. «Auch Kleidung kann man proaktiv verkaufen à la: ‹Das würde Ihnen auch noch stehen, oder?›.»

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