Prozess in Rheinfelden

Erfand die Ehefrau den versuchten Schlafzimmer-Mord? Ihrem Mann drohen 8 Jahre Gefängnis

Zwischen dem Ehepaar kam es zu einem Kampf, wie die Frau sagt. (Symbolbild)

Zwischen dem Ehepaar kam es zu einem Kampf, wie die Frau sagt. (Symbolbild)

Ein 54-Jähriger steht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung seiner Frau vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Er weist die Vorwürfe seiner Frau jedoch zurück.

Was ist in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 2015 im Schlafzimmer eines Ehepaars in Möhlin passiert? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstag und Mittwoch das Bezirksgericht in Rheinfelden. Ein 54-jähriger Deutscher war der versuchten vorsätzlichen Tötung angeklagt. Der Mann soll damals versucht haben, seine Ehefrau im gemeinsamen Haus mit einem Kissen zu ersticken.

Die Versionen, was in jener Nacht vor über zwei Jahren tatsächlich geschah, gehen allerdings weit auseinander.

Frau wusste von seiner Affäre

Klar ist: Nach fast 20 Jahren Ehe hing der Haussegen beim Paar mehr als schief. So hatte der Mann eine Geliebte, von der die Frau wusste. Weil er sich aber laut ihrer Aussage weigerte, die Affäre zu beenden, suchte die Frau im Januar 2015 einen Anwalt auf. Sie wollte die Scheidung. Ein entsprechendes Schreiben soll den Angeklagten wenige Tage vor der angeblichen Tat erreicht haben.

Den besagten Abend schilderte die Frau in der Anklageschrift wie folgt: Ihr Mann habe ihr zum Abendessen ein Wasser eingeschenkt. Sie habe aber bemerkt, dass dieses mit einem Beruhigungsmittel versehen gewesen sei und es deshalb nicht getrunken. Später sei sie zu Bett gegangen.

Schlafmittel im Wasser

Nach eigenen Angaben wollte sie eine Gelegenheit abwarten, um das Haus unbemerkt zu verlassen, schlief dann allerdings ein. Und dies trotz des Verdachts, dass ihr Mann etwas im Schilde führt.

Wenig später soll die Frau aus dem Schlaf gerissen worden sein, weil sie keine Luft mehr gekriegt habe. Ihr Ehemann sei auf ihrem Körper gesessen und habe ein Kissen auf ihr Gesicht gedrückt, sagte die Frau. Nach einem Kampf habe sie sich befreien können und sei aus dem Haus geflüchtet. Sie suchte Bekannte auf, welche die Polizei riefen.

Der Ehemann streitet alles ab

Die Frau konnte der Polizei eine Probe des Wassers vom Abendessen übergeben. Wie eine Untersuchung zeigte, enthielt es tatsächlich einen Wirkstoff. Es handelte sich dabei um Trimipramin, ein Antidepressivum mit beruhigenden Eigenschaften. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei allerdings kein Trimipramin.

Neben dem Wasser mit dem Beruhigungsmittel überreichte die Frau den Ermittlern auch verschiedene Audioaufnahmen. Sie hatte bereits vor dem Drama heimlich Gespräche mitgeschnitten, weil sie angeblich schon längere Zeit den Verdacht hegte, ihr Mann «plane ihr Ableben», wie es in der Anklageschrift heisst.

Der Ehemann wurde am Tag der mutmasslichen Tat verhaftet. Seither sitzt er in Untersuchungs- respektive Sicherheitshaft. Er wies die Vorwürfe seiner Frau stets zurück und beteuerte auch vor Gericht seine Unschuld. Stattdessen habe seine Frau die Geschichte und die versuchte Tötung erfunden. Dies aus finanziellen Gründen: Bei einer ordentlichen Scheidung hätte sie Teile ihrer Pensionskasse verloren. Das habe sie verhindern wollen und daher ihren Mann angeschwärzt, argumentierte die Verteidigung.

Verteidigung verlangt Freispruch

Der Anwalt plädierte vor Gericht denn auch auf einen Freispruch und stellte verschiedene angebliche Beweismittel infrage. Unter anderem beantragte er, dass die Audioaufnahmen vom Gericht für unverwertbar erklärt werden.

Die Staatsanwältin hingegen forderte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren für den mutmasslichen Täter. Die Verhandlung im Indizienprozess dauerte am Dienstag und Mittwoch insgesamt über zehn Stunden. Das Urteil wird am Donnerstagnachmittag mündlich eröffnet.

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